Unter Bundestrainer Joachim Löw und seinem Co-Trainer Marcus Sorg bekommen viele junge Spieler, wie auch Gladbachs Shootingstar Florian Neuhaus, eine Chance im Nationaltrikot.
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Unter Bundestrainer Joachim Löw und seinem Co-Trainer Marcus Sorg bekommen viele junge Spieler, wie auch Gladbachs Shootingstar Florian Neuhaus, eine Chance im Nationaltrikot.

Nach dem 0:6-Debakel

Ist Joachim Löw noch der Richtige? Das sagen die Trainerkollegen aus dem Kreis

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  • Christine Horn
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  • Jochen Börger
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  • Olaf Nehls

Nach der historischen 0:6-Pleite gegen Spanien steht Joachim Löw im Mittelpunkt der Kritik – auch bei manchen Trainerkollegen im Kreis.

• Michael Schrank (TuS 05 Sinsen): „Als deutsche Nationalmannschaft darf man nicht 0:6 verlieren. Da war kein Plan zu erkennen. Die Mannschaft hat im Kollektiv versagt. Dafür aber allein die Schuld beim Trainer zu suchen, ist zu einfach. Hier müssen sich alle hinterfragen. Der Weg, den Jogi Löw eingeschlagen hat, nur noch auf junge Spieler zu setzen, erweist sich für ihn jetzt als eine Art Sackgasse. Den Notausgang hat er sich zudem selbst versperrt. Gegen Spanien haben auf dem Platz Führungsspieler gefehlt. Davon hätten wir zwar in der Bundesliga einige, nur hat der Trainer deren Rückkehr in die Nationalmannschaft ausgeschlossen.“

• Tim Braun (Teutonia SuS Waltrop): „2014 holte Jogi Löw den WM-Titel, da war alles Friede, Freude, Eierkuchen. Dass danach ein Umbruch vollzogen werden musste, liegt auf der Hand. Ich befürworte es, Boateng und Hummels zu Hause zu lassen. Anders ist es bei Müller – den könnte man bringen. Ich nehme vielmehr Kroos und Gündogan in die Pflicht. Was auch ihre Einstellung und Auftreten angeht: Hier müssen sich die Spieler hinterfragen, nicht der Trainer. Was allerdings in seinem Zuständigkeitsbereich liegt: Warum darf jemand, der erst zweimal in der Bundesliga gespielt hat, das Nationaltrikot tragen?“

• Jörg Breski (Vestia Disteln): „2014 hätte Jogi Löw sich als Weltmeister verabschieden können. Den Zeitpunkt hat er aber verpasst. 2018 wollte er unbedingt der Über-Weltmeister werden. Das ging gründlich nach hinten los. Danach hat Oliver Bierhoff den Zeitpunkt verpasst, einen Neuanfang zu machen. Daher müssten jetzt Bierhoff und Löw gemeinsam den Weg freimachen. Wegen der hohen Qualität, die Deutschland im Fußball hat, ist das Ergebnis für mich unfassbar. Vielleicht haben da einige schon gegen den Trainer gespielt.“

• Pierre Bendig (SF Stuckenbusch): „Auch wenn das Ergebnis eindeutig war, darf man nicht sofort die Arbeit von Jogi Löw komplett infrage stellen. Bis zur EM sollte er weiterarbeiten und man sollte nicht alles an einem Spiel festmachen. Löw setzt eben auf Geschwindigkeitsfußball und da darf man auch darüber diskutieren, ob Spieler wie Hummels oder Boateng gegen internationale Spitzenfußballer beispielsweise aus Frankreich die Alternative sind.“

• Thomas Mlodoch (SV Hochlar 28): „Sich zu anderen Trainern zu äußern und gar zu schimpfen, ist immer schwierig. Aber bei dieser Geschichte ist es nun mal so, dass Jogi Löw schon 2014 nach dem WM-Titel hätte abdanken sollen. Hummels, Boateng und Müller sind zudem immer noch wichtige Spieler. Gegen Spanien konnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass manch Spieler gegen den Trainer gespielt hat. Wenn es einen neuen Bundestrainer geben sollte, fällt mir als erster Jürgen Klopp ein. Fragt sich nur, ob er aus Liverpool weg kommt und weg will. Aber was wäre mit Hansi Flick? Er war schon früher der Macher und leistet beim FC Bayern gute Arbeit. Und die Bayern, da bin ich mir ganz sicher, würden sofort hervorragenden Ersatz finden.“

• Mani Mulai (FC Marl): „Jogi Löw hat grundsätzlich die richtige Spielphilosophie. So, wie er die deutsche Mannschaft Fußball spielen lässt, würde ich es auch machen. Wobei man sich im Spiel gegen Spanien schon fragen muss, ob er da mit dem 4:3:3 das richtige System gewählt hat. Gegen eine so ballsichere Mannschaft brauchst du Spieler, die auch mal Zweikämpfe gewinnen. Dazu fehlte den meisten aber die Einstellung. Ich denke, dass die Verantwortlichen beim DFB im Hintergrund längst an einer Alternative zu Jogi Löw arbeiten. Bis zur EM wird er weitermachen. Danach wird es einen Cut gegeben.“

• Marcel Peters (SV Borussia Ahsen): „Der Zug ist seit der WM 2018 abgefahren, als die Mannschaft in der Vorrunde ausgeschieden ist. Da hätte man bereits den Cut machen und sich für einen anderen Trainer entscheiden müssen. Es reicht nicht, immer nur den Co- oder Assistenztrainer auszuwechseln. Ich finde es zudem falsch, auf Spieler wie Boateng, Hummels und Müller zu verzichten. Hummels ist für mich derzeit der stärkste Innenverteidiger, Thomas Müller bricht alle Rekorde und Jerome Boateng ist schließlich Champions-League-Sieger. Boateng und Hummels hätten es gegen Spanien viel besser gemacht. Für mich müssen die besten Spieler, gemessen an ihrer Form und Stärke, in der A-Nationalmannschaft spielen.“

• Thomas Synowczik (GW Erkenschwick): „Historisch war schon das WM-Aus 2018, als wir in einer Gruppe mit Schweden, Mexico und Südkorea mit einem einzigen geschossenen Tor nach Hause fahren durften. Jetzt gab es gegen Spanien das nächste historische Ergebnis. 1931 hat eine deutsche Mannschaft zuletzt mal gegen Österreich mit 0:6 verloren. Löw muss weg, weil er mit verdienten Leuten wie Hummels, Müller oder Boateng umgegangen ist wie mit Spielern, die vielleicht ein oder zwei Spiele für Deutschland gemacht haben. Und auch weil er seinerzeit weiter an Mesut Özil festgehalten hat, der sich mit der Erdogan-Nummer selbst disqualifiziert hatte. Zudem hat von den jungen Spielern, die 2017 den Confed-Cup gewonnen haben, bei der WM keiner eine Rolle mehr gespielt. Es ist also höchste Zeit für eine Veränderung, damit ein Spiel der Nationalmannschaft in den TV-Einschaltquoten vielleicht mal wieder vor ,Bares für Rares’ landet.“

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