Schiedsrichter Hans-Georg Bintakies im Einsatz.
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Mindestabstand einhalten: Schiedsrichter Hans-Georg Bintakies aus Datteln (hier in der vergangenen Saison im Einsatz) achtet während seiner Spiele auf die Einhaltung von Coronaregeln.

Fußball

Was der Schiri machen kann, wenn Fußballer und Trainer sich nicht an die Coronaregeln halten

  • vonOlaf Nehls
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  • Olaf Krimpmann
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Jeder vierte Schiedsrichter im Fußballkreis ist älter als 60 Jahre. Angst, auch in Corona-Zeiten Spiele zu leiten, haben offenbar die wenigsten. „Ich muss doch keinen umarmen“, sagt etwa Siegmar Tylinski (67). Außerdem haben Schiedsrichter Möglichkeiten, um sich und andere zu schützen.

Harald Woller, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses, hat seit Saisonbeginn zwar registriert: Corona beschäftigt auch die Schiris. „Aber das sind eher die Jungen. Von den Alten habe ich noch nicht gehört, dass sie keine Spiele mehr leiten wollen“, so Woller, „Chef“ von derzeit rund 220 Schiris im Kreis. Geschätzt 50 sind dabei älter als 60 Jahre – und es sind meist die, die an Wochenenden mehr als eine Partie leiten.

Siegmar Tylinski seit 49 Jahren an der Pfeife

Zu den Altgedienten gehört Siegmar Tylinski. Der Dattelner pfeift seit 49 Jahren, am Sonntag wird er in der Kreisliga B4 im Einsatz sein beim Derby zwischen Rot-Weiß II und Spvgg. Erkenschwick II. Selbstverständlich nehme er Corona ernst, sagt der 67-Jährige, große Sorgen mache er sich auf dem Spielfeld aber keine: „Ich muss auf dem Platz ja auch keinen umarmen.“ Natürlich halte er Abstand, natürlich trage er einen Mund-Nasenschutz beim Betreten der Schiri-Kabine. „Aber richtige Berührungen mit Spielern lassen sich vermeiden“, findet Tylinski. In all’ seinen Jahren an der Pfeife sei er als Respektsperson anerkannt: „Die wissen: Der Tylinski ist einer, der durchgreift.“ Aber das alleine sei es nicht. Seine Beobachtung aus den ersten Spielen: „Die Vereine machen das ganz gut, auch die Spieler sind vorsichtiger geworden.“ Vor allem das leidige Thema Spucken sei kaum zu beobachten in diesen Wochen. „Es hält sich alles im Guten.“

Bintakies bringt das eigene Tablet mit zum Spiel

Sein Schiedsrichterkollege Hans-Georg Bintakies (57) hat sich auf die seit der Corona-Pandemie veränderten Bedingungen eingestellt. Weil in den Vereinen häufig Desinfektionsmittel fehle, packt er bei seinen Einsätzen – am Sonntag ist der Ahsener vormittags bei einem B-Jugendspiel in Dülmen an der Pfeife, leitet am Nachmittag im Stadion Hohenhorst noch das Kreisliga-Duell zwischen FC 96 und DJK Spvgg. Herten – sein Tablet ein. „Weil die meisten die Tastaturen und Mäuse ihrer Computer nicht desinfizieren, an denen die Mannschaftsverantwortlichen und die Schiedsrichter den elektronischen Spielbericht bearbeiten müssen, erledige ich meinen Teil in der Kabine an meinem eigenen Tablet“, erzählt der Dattelner.

Menschenansammlungen sollte man meiden

Auch während der Spiele greift Bintakies bei Verstößen gegen Coronaregeln ein. Vor drei Wochen hat er das Waltroper Derby bei den A-Junioren zwischen Teutonia SuS und VfB II (1:0) für ein paar Minuten unterbrochen. „Weil da Leute ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Bedeckung auf der Bank saßen, die da auch gar nicht hingehörten“, sagt der 57-Jährige. Grundsätzlich dürfen auf der Ersatzbank nur Leute sitzen, die im Spielbericht eingetragen sind und dazu den Mindestabstand einhalten oder eine Maske tragen. Auf die Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu achten, sind die Schiedsrichter explizit angewiesen, wie Schiri-Chef Woller betont: „Wenn die nicht beachtet werden, kann das Spiel abgebrochen werden, diese Möglichkeit haben wir. Das ist aber meines Wissens noch nicht passiert.“ So war es dann auch in Waltrop: Hans-Georg Bintakies ließ den Stadionsprecher eine entsprechende Durchsage machen und weiter ging’s. Seinen Schiedsrichter-Kollegen rät er, vor und nach den Spielen größere Menschenansammlungen grundsätzlich zu meiden. „Im Spiel geht das ganz gut. Bei der Seitenwahl achte ich auch darauf, dass sich keiner zu nahe kommt.

50. Schiedsrichter-Jubiläum im nächsten Jahr

Und wenn dann nach Spielschluss, vielleicht nach einer zuvor strittigen Entscheidung, mal jemand auf ihn zustürmt und „belehren“ will? „Dann reicht es meistens, wenn ich meinen Arm weit ausstrecke und ,Corona!’ rufe.“ So weit musste Siegmar Tylinski noch nicht gehen. In Barkenberg hätten zuletzt zwei Spieler Kopf an Kopf gestanden, eskaliert sei die Sache aber nicht. Zum Glück. Der 67-Jährige hofft, dass die Vernunft anhält, sein Hobby will er weiter mit Leidenschaft ausüben: „Solange die Beine mitspielen und der Kopf, mache ich weiter.“ 2021 feiert Tylinski sein 50. Schiedsrichter-Jubiläum. Das will sich der Dattelner nicht nehmen lassen.

Coronafälle hatte es zuletzt auch beim TSV Marl-Hüls gegeben, der den Lockdown verlängert hat.

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