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Die Pfeife liegt im Gras, an den nötigen Schiedsrichtern fehlt es - besonders im Fußballkreis.

Fußball

Den Schiedsrichter gibt es bald im Doppelpack

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KREIS RECKLINGHAUSEN - Rund 200 Schiedsrichter fehlen im Fußballkreis Recklinghausen, die Sorgen werden größer. Der Kreisschiedsrichterausschuss versucht, mit einer Initiative gegenzusteuern. Die stellt er an drei Abenden im Fußballkreis vor. In Datteln war der Ausschuss schon zu Gast, am kommenden Montag geht es in Marl weiter.

90 Minuten steht Andreas Mermann vom Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises in Datteln Rede und Antwort, danach gibt es kräftigen Applaus. Den bekommt ein Schiri nicht allzu oft zu hören. Mermann packte im Vereinsheim der DJK Sportfreunde ein heikles Thema kurzweilig und informativ an: die grassierende Schiedsrichter-Not und mögliche Strategien, ihr entgegenzuarbeiten. Im gehobenen Amateurfußball läuft es bekanntlich: Die Plätze für Schiedsrichter in der Westfalen- oder Oberliga sind heiß umkämpft. Aber in der Fläche sind die Sorgen groß. „Nicht nur im Kreis, nicht nur in Westfalen“, wie Andreas Mermann betont. Es ist allerhöchste Zeit, etwas zu unternehmen. Rund 200 Schiedsrichter fehlen im Fußballkreis Recklinghausen, sagt Harald Woller, Vorsitzender im hiesigen Schiedsrichterausschuss. In der Kreisliga C finden bereits regelmäßig Spiele ohne Schiedsrichter statt. Und der Tag ist nicht mehr fern, an dem auch in der Kreisliga B die erste Partie ohne ausgebildeten Schiedsrichter ausgetragen wird. In vielen Klubs scheint man das Problem allenfalls achselzuckend zu registrieren. 33 Vereine aus dem Süden des Fußballkreises hatte Woller nach Datteln eingeladen – sieben kamen. Die Kernbotschaft des Referats von Andreas Mermann: Der Schiedsrichterausschuss kann die Vereine nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Aber auch der Kreis will künftig mehr tun: Intensiver um neue Schiedsrichter werben und Projekte anpacken. Erstens: Alle Neu-Schiedsrichter, die im November den nächsten Anwärterlehrgang absolvieren, werden anschließend nicht einfach im Fußball-Dschungel ausgesetzt. „Paten“ sollen ihnen neben dem Platz zur Seite stehen. Und auch auf dem Rasen erhalten sie bei ihren ersten Einsätzen Unterstützung. Im Winter kommt der Tandem-Schiedsrichter Das Modell heißt Tandem-Schiedsrichter und ist in anderen Fußballkreisen schon erfolgreich erprobt. Ein Jungschiedsrichter wird auf dem Platz von einem Routinier begleitet: Der erfahrene pfeift die erste Halbzeit, der frisch ausgebildete die zweite. Um in die Aufgabe zu finden. Im kommenden Winter soll es losgehen. „In Freundschaftsspielen werden wir dann Tandem-Schiedsrichter einsetzen“, sagt Andreas Mermann. „Keine Sorge, die Vereine werden in diesem Fall nicht für zwei Schiedsrichter bezahlen müssen.“ Zweitens: Der Fußballkreis will sogenannte Vereinsschiedsrichter gewinnen. Das sind interessierte Trainer, Betreuer, Eltern, die in ihrem Klub eine Spielleitung übernehmen könnten, wenn kein ausgebildeter, neutraler Schiedsrichter vor Ort ist. Vor allem bei Jugendspielen. Sie sollen in einer Art Crashkurs auf die Aufgabe vorbereitet werden. „Wenn wir zehn bis 15 Leute finden, die das machen wollen, werden wir einen solchen Kurs anbieten“, kündigt Andreas Mermann an. Und weiter: Der Kreisschiedsrichterausschuss will künftig wieder stärker den Kontakt zu Schulen suchen, um über Projekte dort junge Schiedsrichter zu gewinnen. Darüber hinaus aber sieht der Schiedsrichterausschuss auch die Vereine weiter in der Verantwortung. Andreas Mermann unterbreitete in Datteln eine Reihe von Vorschlägen, die zu einer verbesserten Schiedsrichterkultur in den Klubs beitragen könnten. „Kümmert euch um die Schiedsrichter, die ihr habt“, lautete sein Appell. Denn: Jeder, der geht, vergrößert die Sorgen noch.

Am kommenden Montag, 15. Oktober, folgt die nächste Veranstaltung – dann für die Klubs im Westen des Fußballkreises. Dazu ist der Schiedsrichterausschuss beim FC Marl zu Gast (Beginn: 19 Uhr).

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