+
Trainer Joachim Kirstein (2. von links) macht es vor: So geht man beim Walking Football.

Fußball

Im Schritt-Tempo: Walking Football gibt es jetzt auch beim FC Marl

  • schließen

MARL - Walking Football gibt es nun auch beim FC Marl. Wer trotz zwickender Hüfte einfach nicht vom Fußball lassen kann, der ist bei der genau richtig. Rennen ist verboten, Zweikämpfe gibt es auch nicht. Aber das Runde muss weiter ins Eckige.

Mit einem Vorurteil sei gleich am Anfang aufgeräumt: Dass nämlich Walking Football die Fußballvariante für „faule Säcke“ ist. Rennen verboten! – so lautet zwar die eherne Regel des Walking Footballs. Aber nicht anstrengend? Denkste! „Kaum zu glauben, aber man kommt tatsächlich ins Schwitzen“, sagt Kevin Korte mit ein paar dicken Schweißperlen auf der Stirn. Dabei ist die Walking-Football-Gruppe des FC Marl noch nicht einmal eine halbe Stunde auf dem Trainingsplatz. Dazu kommt: Der ehemalige Bezirksliga-Kicker des FC/JS Hillerheide hat noch mehr als 20 Jahre vor sich bis zum offiziellen Einstiegsalter für Walking Football. Das liegt bei 50. Aber den Trendsport für Fußball-Oldies rechtzeitig zu testen – so wie Kevin Korte – kann nicht verkehrt sein. Wer bislang in der Region spielen wollte, der musste sich schon zum FC Schalke 04 bemühen. Jetzt ist das auch beim FC Marl möglich. Wichtiger Standort für Oldie-Fußball im Kreis Dessen Sportanlage an der Hagenstraße in Marl-Mitte hat sich längst als wichtiger Standort für Altherren-Fußball etabliert. Allein zur U60-Kreisauswahl, die dort trainiert, gehören inzwischen mehr als 50 Kicker. „Wir wollen, dass alle so lange wie möglich Fußball spielen können“, sagt Auswahl-Teamchef Günter Zaborowski. „Deswegen hatten wir die Idee, hier auch Walking Football anzubieten.“ Platz ist auf der großzügigen Sportanlage genug. Der FC Marl fördert das Projekt, wo es geht. „Wir waren hier immer offen für Neues“, sagt Claus Lanczek, der Vorsitzende des Fusionsklubs. „Wenn es funktioniert, würde uns das sehr freuen.“ Der Anfang ist ermutigend: 15 Mitglieder haben sich der neuen Abteilung bereits angeschlossen. Fast alle erfahrene Fußballer, die nicht mehr so können, wie sie wollen. Weil sie ein künstliches Knie haben. Oder sie sich zu alt für Sprints oder Tacklings fühlen. Die aber trotzdem weiter in Bewegung bleiben und gegen den Ball treten wollen. Was sie beim Walking Football als Erstes lernen? Richtig laufen. Trainer Joachim Kirstein, einer der Väter des Projekts beim FC Marl, zeigt, wie es funktioniert: Immer ein Fuß auf dem Boden und trotzdem Tempo aufnehmen, das will gelernt sein. Der 66-Jährige ist Inhaber der A-Lizenz, er könnte also auch Rot-Weiss Essen in der Regionalliga trainieren. Zuletzt aber hat er sich intensiv mit Walking Football beschäftigt. Beim FC Schalke 04 am Ball, wo Ex-Profi Martin Max die Gehfußballer anleitet. Besonders gefragt sind Taktik und Technik Nach dem „Eingehen“ verteilt Kirstein an der Hagenstraße gelbe und rote Hütchen auf dem Platz. Dann folgen Übungen zur richtigen Ballannahme und zum Passspiel. Denn: Einen Gegner zu überlaufen oder auszudribbeln ist beim Gehfußball schwer möglich. Um eine Chance herauszuspielen sind Technik und Taktik gefragt. Den Abschluss bildet ein Trainingsspiel. Jetzt wird’s knifflig, auch für Walking-Football-Debütant Kevin Korte. „Es ist unheimlich schwer, nicht loszurennen.“ Einem Gegenspieler mit einem langen Schritt den Ball stibitzen? Verboten. Körperkontakt? Nicht gestattet. Den Ball über Hüfthöhe spielen? Wird abgepfiffen. Immerhin, sonst läuft fast alles wie beim „richtigen“ Fußball. Das Runde muss ins Eckige. Wer keine Anspielstation findet, der zieht im Zweifelsfall einfach ab. So hart wie ohne Anlauf möglich. Auch das Ende der Übungseinheit erinnert verdächtig an Fußball in der Kreisliga. 3:3 steht es im abschließenden Trainingskick, als Joachim Kirstein ein Querschläger glücklich vor die Füße fällt. Der Übungsleiter kickt den Ball zum 4:3 ins Netz – und verkündet prompt: „So Männer, Schluss für heute – bis nächsten Samstag.“

Wer sich für Walking Football interessiert, wendet sich an Joachim Kirstein per E-Mail () oder unter der Rufnummer 02361/909 66 33. Oder auch an den FC Marl:

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Polizei fahndet nach Schlägerin - Tatverdächtige ist auf einem Foto gut zu erkennen
Polizei fahndet nach Schlägerin - Tatverdächtige ist auf einem Foto gut zu erkennen
Glatteis im Vest, Parkplatz-Ärger in Marl, BVB ohne Witsel gegen Prag
Glatteis im Vest, Parkplatz-Ärger in Marl, BVB ohne Witsel gegen Prag
Schwerer Unfall am Kommunalfriedhof in Herten mit zwei Verletzten
Schwerer Unfall am Kommunalfriedhof in Herten mit zwei Verletzten
30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - eine Frage ist geklärt
30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - eine Frage ist geklärt
Parken vor Wohnen West in Marl ist oft Glückssache
Parken vor Wohnen West in Marl ist oft Glückssache

Kommentare