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Engagierte Diskussion (v.l.): Martin Schmidt, Peter Knäbel, Jens Rasiejewski, Thomas Synowczik, Corvin Hüsken und Klaus Berge.

Fußball

Talk in der Kaue: Sie wollen nur spielen

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HERTEN - Als er den „4. Fußball-Talk“ des SV Vestia Disteln eröffnete, schaute Martin Schmidt zufrieden in den Saal: Rund 100 Fußball-Freunde hatten sich in der Kaue der Zeche Schlägel & Eisen eingefunden. So viele wie seit der Premiere des Talks nicht mehr.

Ob es am Thema lag, der Qualität im Jugendfußball? Oder am stark besetzten Podium? Peter Knäbel (Schalke 04), Jens Rasiejewski (Trainer bei VfL Bochum oder TSG Hoffenheim), Thomas Synowczik (DFB-Stützpunkttrainer und Trainer-Ausbilder) und Corvin Hüsken (Jugendtrainer Vestia Disteln) diskutierten unter der Regie von Martin Schmidt und Klaus Berge, Vestias 2. Vorsitzenden, die Probleme im Jugendfußball. Zwei Stunden lang, reich an Aspekten und Perspektiven, Spitzenfußball und Breitensport in den Blick nehmend. Den Ton des Abends gab Peter Knäbel vor, der die Nachwuchsarbeit des FC Schalke 04 verantwortet. „Der Schlüssel für alles ist der Trainer“, sagte der Ex-Profi. „Wenn wir gute Trainer haben, haben wir auch gute Spieler.“ Das gelte sowohl für die Nachwuchsleistungszentren der Profivereine wie für die Amateure. Thomas Synowczyk machte dabei für den Fußballkreis Recklinghausen klar, dass es auch an der Basis keine Entschuldigung für nicht oder schlecht ausgebildete Übungsleiter gebe: „Angebote gibt es auch bei uns genug.“ Dass selbst qualifizierte, engagierte Trainer an Grenzen stoßen, vor allem an der Basis, das machte Vestias Jugendcoach Corvin Hüsken deutlich. Wer könne heute schon unbeschwert die Lust auf Fußball ausleben? Der Druck sei doch hoch. „Dass mir Jungs absagen, weil sie etwas für die Schule tun müssen, ist keine Seltenheit.“ Peter Knäbel und Jens Rasiejewski sprachen sich vehement dafür aus, es im Training nicht mit komplizierten Übungsformen zu übertreiben oder zuviel Taktik zu büffeln. Schon gar nicht in jüngeren Altersklassen. Fußballer wollten spielen, sagte Knäbel und verwies auf Erkenntnisse der Talentforschung, wonach man im selbstbestimmten Spiel am besten lerne. Bei den jüngeren Fußballern müssten deshalb im Training wie im Spielbetrieb die Zahlen der Kicker pro Mannschaft reduziert werden, auf drei, vier oder fünf. „Jedes Kind muss am Wochenende mindestens zehn Mal aufs Tor geschossen und einen Treffer erzielt haben“, so Knäbel. Die Erkenntnis scheint sich auch im Verband durchzusetzen, wie zuletzt Forderungen von DFB-Direktor Oliver Bierhoff nahelegen. Bis der DFB das vorgebe, ist wohl so etwas wie ziviler Ungehorsam nötig. „Einfach machen“, forderte Peter Knäbel. „Geben die Spielordnungen das denn her?“, gab Moderator Martin Schmidt zu bedenken. Nachfragen ist sicher besser, ein Ordnungsgeld ist bekanntlich schnell verhängt.

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