Das waren noch Zeiten: Die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen drehen gemeinsam ihre Runden im Stadion Hohenhorst. 
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Das waren noch Zeiten: Die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen drehen gemeinsam ihre Runden im Stadion Hohenhorst. 

Fußball

Mit oder ohne Plan: Fit halten für den Tag X

  • Thomas Braucks
    vonThomas Braucks
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Das Coronavirus legt das Land lahm. Wer kann, arbeitet von zu Hause, aus dem „Home Office“. Der Begriff macht gerade auch im Fußball gerade eine steile Karriere.

  • Amateurfußballer versuchen sich in Zeiten der Coronakrise fit zu halten.
  • Klubs verordnen ihren Spielern ein individuelles Fitness-Programm.
  • Apps fürs Handy spielen dabei eine wichtige Rolle.

Beim TuS Haltern ging es Ende der letzten Woche ganz schnell. Nachdem sich der Aufsteiger wegen der Corona-Krise als erster Verein vom Spielbetrieb der Regionalliga abgemeldet hatte, räumte die Mannschaft am Freitag in der Stauseekampfbahn ihre Kabine. „Die Jungs haben ihre Sachen mit nach Hause genommen“, so Trainer Magnus Niemöller. „Wir haben sie ins Home Office geschickt.“

Für so manchen Arbeitnehmer, der seinen Job plötzlich von daheim zu erledigen hat, möglicherweise eine Herausforderung. Für die Spieler des Regionalligisten dagegen ist das Programm klar abgesteckt: Sie haben einen Plan mitbekommen, den sie täglich abzuarbeiten haben.

Programm mit viel Abwechslung

Ausdauerläufe, Sprints, Stretching, Kraftübungen oder das aus der Leichtathletik bekannte Lauf-ABC – auf die Minute getaktet und mit Videotipps als Anleitung: So versuchen Niemöller und sein Trainerteam, für Abwechslung zu sorgen.

Wohl wissend: Mehr als ein Notbehelf ist das nicht. „Mal abgesehen davon, dass wir spielerisch nicht weiter kommen: Als Fußballer willst du doch Gras riechen und einen Ball am Fuß haben“, sagt der Trainer. „Aber so halten sich die Spieler wenigstens fit für den Tag X.“

Der Tag also, an dem der reguläre Betrieb wieder startet. Bis dahin werden beim TuS die Leistungen aus dem Home Office geprüft. Per App auf dem Handy ermitteln die Spieler die zurückgelegte Strecke und ihr Tempo und senden die Daten anschließend ans Trainerteam. Oder sie dokumentieren ihre Übungen in einem Kurzvideo.

Home Office gilt auch für die Regionalliga-Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen. Drei Laufeinheiten in der Woche hat Trainer Andreas Krznar seinen Spielerinnen auferlegt, jede mindestens sechs Kilometer lang. Kontrolliert wird ebenfalls per Handy und App.

„Distanz und mittlere Geschwindigkeit sind mir wichtig. Das wird katalogisiert und kategorisiert“, sagt Krznar. Wenn bei Durchsicht der Leistungen Spielerinnen abfallen, könne er auch mal eine vierte Einheit anordnen. „Wir müssen realistisch sein und schauen, wie wir uns fit halten können. Aber wenn es wieder losgeht, wollen wir bereit sein.“

Drei bis vier Mal laufen in der Woche

Andere Trainer im Kreis gehen es gerade etwas entspannter an. Wie Michael Schrank vom WestfalenligistenTuS 05 Sinsen. Nicht nur weil in Westfalen der Spielbetrieb definitiv bis 19. April ruht. Denn ob es danach wieder losgeht? Nicht nur für den Fußball-Lehrer ist das gerade schwer vorstellbar.

„Die Spieler haben die Hausaufgabe mitbekommen, drei- bis vier Laufeinheiten in der Woche zu absolvieren“, sagt Schrank. Kontrolliert wird das nicht. „Wenn absehbar ist, wie es weitergeht, werden wir über das Programm noch mal sprechen.“

Roman Stöckl, Trainer beim SV Vestia Disteln hat beim Bezirksligisten in den „Modus“ der Sommerpause geschaltet. „Da gilt: Jeder kümmert sich um sich und seine Fitness – dann ist allen geholfen. Ich habe da großes Vertrauen in meine Mannschaft.“

Verpflichtend sind zwei zügige Läufe über acht Kilometer in der Woche. Wie in Haltern oder beim 1. FFC sollen die Spieler per Handy nachweisen, dass sie die Strecke in weniger als 40 Minuten absolviert haben. Roman Stöckl: „Es sollen ja keine Wellnessläufe sein.“

Wozu das gut ist? Auch der Trainer, der den SV Vestia bekanntlich im Sommer verlässt, kann nur spekulieren: „Nach der Entwicklung der letzten Tage bezweifle ich aber, dass wir uns in dieser Saison noch auf dem Fußballplatz wiedersehen.“ Immerhin: Im Sommer kommen alle fit aus dem Home Office.

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