Debatte um den Bau der Kunstrasenplätze in Lippramsdorf und Lavesum

Der SV Lippramsdorf und BW Lavesum nehmen Stellung

Der Vorsitzende des SV Lippramsdorf, Josef Teltrop, und der Vorstand von BW Lavesum nehmen Stellung zur Debatte um den Bau zweier Kunstrasenplätze.

Josef Teltrop, Vorsitzender SV Lippramsdorf

Aufgrund der in der Öffentlichkeit entstandenen Debatte um die Umwandlung eines Tennenplatzes in einen Kunstrasenplatz möchte ich für den SV Lippramsdorf folgende Stellungnahme abgeben:

Seit vielen Jahren ist der SV Lippramsdorf 1958 e. V. bemüht, einen Tennenplatz in einen für den Verein zukunftsweisenden Kunstrasenplatz umzuwandeln. Leider ist diese Sanierungsmaßnahme aus eigenen Mitteln des Sportvereins nicht möglich und wird es auch nie werden.

Die Gemeinde Lippramsdorf mit seinen ca. 3.600 Einwohnern ist der zweitgrößte Ortsteil der Stadt Haltern am See. Unseren 811 Mitgliedern werden die Sportarten Fußball, Badminton, Volleyball und Breitensport angeboten. Fast jedes zweite Vereinsmitglied gehört der Fachsparte Fußball an, die sich in eine Kinder- und Jugendabteilung, sowie in eine Senioren- und Alte Herren Abteilung gliedert.

Die städtische Sportanlage für den Fußballbereich besteht aus einem Rasenplatz und einem Tennenplatz.

Rasenplatz nicht immer bespielbar

Der Rasenplatz wurde in den 70er Jahren angelegt. Leider ist der Rasenplatz aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit und einer fehlenden Drainage nicht in der Lage, ein umfangreiches und vor allem zuverlässiges Spiel- und Trainingsprogramm zu ermöglichen. In Zeiten häufigen Niederschlags kommt es zwangsläufig zu länger andauernden Platzsperren, um den schnell aufweichenden Rasenplatz in seiner Gesamtheit nicht zu stark zu schädigen. Somit kann auf dem Rasenplatz nur den jüngeren Kindern ein festes Trainings- und Spielprogramm angeboten werden. Trainingseinheiten älterer Jugendfussballer, den Fußballsenioren und den Alten Herren steht nur der Tennenplatz zur Verfügung, auch der Spielbetrieb konzentriert sich auf dem Rasenplatz oft nur auf die erste Seniorenmannschaft. Vorbereitungs- und Freundschaftsspiele werden von vornherein nicht auf dem Rasenplatz ausgetragen. Somit ist die Rasenspielfläche für den Verein nur sehr bedingt geeignet.

Neben den später noch näher sportlich zu betrachtenden Faktoren weist der Tennenplatz aufgrund der regelmäßigen Beanspruchung eine hohe Pflegeintensität auf, die durch ehrenamtliche Tätigkeiten arbeitstäglich in vielen Stunden zu leisten ist. Auch der Abtrag der intensiv rot färbenden Aschepartikel erfordert eine hohe Pflegeintensität der gepflasterten Flächen bis hin in den Umkleidebereichen hinein. Hinzu kommen hohe Reinigungskosten für Spiel- und Trainingsbekleidung sowie ein hoher Verschleiß an Bällen.

Auch der Ascheplatz bereitet Probleme

Die Oberfläche des Tennenplatzes ist frostempfindlich, auch stärkerer Regen mit Pfützenbildung führen zur Unbespielbarkeit der Spielfläche und damit verbunden zum kompletten Trainings- und Spielausfall. Gerade in Zeiten längerer Frostperioden führen Platzsperren beider Sportplätze zu längeren Spiel- und Trainingsausfällen von bis zu drei Monaten.

Der Tennenplatz gestaltet sich mittlerweile nicht nur aus feinkörniger Asche, auch grobkörnige Asche liegt trotz ehrenamtlicher Pflege oben auf und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen der Spielerinnen und Spieler, die u. a. durch großflächige Hautabschürfungen über längerer Zeit nicht heilen.

Vom Umbau des Tennenplatzes in einen Kunstrasenplatz hängt die sportliche Zukunft des Fußballs in unserem Sportverein und damit verbunden in der Gemeinde Lippramsdorf ab.

Die Seniorenfußballer des SV Lippramsdorf 1958 e. V. gehören seit der Spielzeit 2002/2003 seit nunmehr 18 Jahren der Bezirksliga an. Im Vergleich mit den anderen sieben Sportvereinen der Stadt Haltern am See für den Bereich Fußball ist dies die zweithöchste Spielklasse (überkreislich).

Widrige Bedingungen

Über viele Jahre hinweg müssen sich die vielfach aus der eigenen Jugendarbeit stammenden Bezirksligaspieler mit den widrigen Trainings- und Spielbedingungen in unserem Sportverein auseinandersetzen. Viele Trainingseinheiten müssen ausfallen, was zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber anderen, i. d. R. mit Kunstrasenspielflächen ausgestatteten Sportvereinen führt.

Neu an unserem Sportverein interessierte Seniorenspieler werden aufgrund unserer Sportplatzbedingungen abgehalten in unseren Verein zu wechseln, da sich die Spieler an gegebene Spiel- und Trainingsflächen orientieren. Sportvereine ohne Kunstrasenplatz werden mittlerweile gemieden, da sich seit Jahren ein umfängliches Angebot an Sportvereinen mit Kunstrasenplätzen um Lippramsdorf herum etabliert hat. Allein in Haltern am See haben von acht Fußballvereinen nur zwei Fußballvereine keinen Kunstrasenplatz.

Auch die zweite Fußballmannschaft unseres Sportvereins, die in der Kreiliga B spielt, erfährt die gleiche Problematik, ebenso die Abteilung Alte Herren.

Auch im Bereich des Kinder- und Jugendfußballs wirft trotz hoher Motivation des Sportvereins in die ehrenamtliche sportliche Erziehung dieser Altersklassen das Fehlen eines Kunstrasenplatzes auch in die nahe Zukunft gesehen bedrohende Existenzprobleme auf. Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern bewerten in ihrer Entscheidung für einen Sportverein die Spiel- und Trainingsbedingungen der Spielflächen in einem erheblichen Maß. Oft wird angeführt, dass ein Tennenplatz zur Entscheidung führt, sich dem betroffenen Sportverein nicht anzuschließen oder den Sportverein zu wechseln. Dadurch bleiben wichtige Neuzugänge aus und aktive Kinder wechseln in andere Vereine, was dazu führt, dass die Spieleranzahl der Kinder- und Jugendmannschaften sinkt und Leistungsträger verloren gehen.

Attraktivität erhöhen

Durch einen Kunstrasenplatz erhöht sich die Attraktivität unseres Sportvereins deutlich. Die trotz der widrigen Spielflächen aktuell vorherrschende Situation zeigt, dass in unserem Sportverein das interne Vereinsleben intakt ist und mit einem Kunstrasenplatz verbunden beste Voraussetzungen für einen Weg zum SV Lippramsdorf 1958 e. V. vorliegen. Der für die Zukunft notwendige Zugewinn für alle drei Fußballabteilungen unseres Vereins ist zu erwarten, was für jeden gemeinnützigen Verein ohne große finanzielle Mittel lebensnotwendig ist.

Damit verbunden kann unser Verein sein klares Ziel, jedem Kind, Jugendlichen und Erwachsenen ein sportlich kameradschaftliches Umfeld zu bieten, weiter ausbauen.

Um dieses klare, gesellschaftlich notwendige Ziel zu erreichen, ist der Verein trotz knapper Haushaltsmittel und über Jahre hinweg geleisteter ehrenamtlicher Arbeit bereit, anfallende Pflegekosten des Rasenplatzes in Höhe von bis zu 7.000,00 Euro pro Jahr zu übernehmen. Damit wird signalisiert, wie wichtig es dem Verein ist, einen Kunstrasenplatz zu bekommen.

Zukunftsweisend

Die zukunftsweisende Investition in einen Kunstrasenplatz würde auch die Bereitschaft von Sponsoren und Werbepartner in unseren Verein erhöhen, da es zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung unseres Vereins kommen wird. Die damit verbundenen Einnahmen würden wiederum in die Qualität und Quantität unseres Sportvereins für Kinder- und Jugendarbeit einfließen.

Neben rein sportlichen Aspekten ist der SV Lippramsdorf neben anderen örtlichen Vereinen auch am gesamten Gemeindeleben durch verschiedene Aktivitäten außerhalb des Sports beteiligt. Das weitere Bestehen eines Tennenplatzes würde dies stark gefährden, da der Verein auf Dauer eine hohe Anzahl an Mitgliedern verlieren wird und dadurch für die Gemeinde Lippramsdorf ein wichtiges Bindeglied in ihrer Infrastruktur deutlich geschwächt wird.

Abschließend möchte ich feststellen, dass die zeitnahe Investition in einen Kunstrasenplatz für den SV Lippramsdorf 1958 e. V. zukunftsweisend, ja sogar zwingend notwendig ist, um in der hohen Konkurrenz der Vereinsangebote mithalten und überleben zu können. Ohne den Bau eines Kunstrasenplatzes werden 60 Jahre Vereinsleben und damit verbunden ein Stück Gemeindeleben des Ortes Lippramsdorf stark gefährdet.

Aus diesem Grund freuen wir uns, dass bis auf eine Ausnahme alle politischen Parteien und die Stadtverwaltung unsere Sorgen erkannt haben und an einer guten Lösung mitwirken. Gern hätten wir - wie allen anderen Parteien auch - dem Bündnis 90/Die Grünen unsere Argumente im Vorfeld näher erläutert, leider erhielten wir dazu aufgrund deren Abwesenheit nicht die Gelegenheit dazu.

Der Vorstand von BW Lavesum

In den vergangenen zehn Jahren hat der Sportverein Lavesum jährlich von der G- bis zur B-Jugend sämtliche Jugendmannschaften besetzt und darüber hinaus noch zwei Senioren- und ein Altherrenteam im Spielbetrieb gemeldet. Diese Zahlen zeigen, welch wichtige Funktion der Sportverein für diesen Ortsteil hat.

Gerade die Wetterkapriolen der letzten Jahre sorgen dafür, dass in der Winterzeit über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten aufgrund der Unbespielbarkeit des Ascheplatzes kein Sport möglich ist und es in diesem Zeitraum äußerst schwierig ist, die Spieler weiterhin zu motivieren um den Trainings- und Spielbetrieb überhaupt aufrecht erhalten zu können

Diese Tatsache und die Unattraktivität eines Ascheplatzes aufgrund seiner höheren Verletzungsgefahr sorgen dann dafür, dass die Jugendlichen im Alter der A-Jugend (ab 16 Jahre) zu Vereinen wechseln, die einen Kunstrasenplatz haben

Mit den geplanten Investitionen der Stadt Haltern am See sollen diese Nachteile durch den Bau von zeitgemäßen Sportstätten (Kunstrasenplätzen) ausgeschlossen werden.

Die Dorfvereine Lippramsdorf und Lavesum, bei dem übrigens auch die Kindergarten- und OGS-Kinder sowie die in Lavesum wohnenden Migranten diese Sportstätten nutzen, haben dann endlich keinen Nachteil mehr gegenüber allen anderen Halterner Vereinen und erleben eine wesentliche Attraktivitätssteigerung.

Getreu dem Motto: "Kurze Beine - kurze Wege, bleibe im Ort und treibe Sport"

Da ist man als ehrenamtlich tätiger Verein schon sehr verwundert, dass nicht alle Fraktionen in Haltern am See diese Investition unterstützen. Gerne sind wir in diesem Zusammenhang bereit, die Gründe für einen Kunstrasenplatz in einem persönlichen Gespräch näher zu erläutern.

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