Mit Höwedes gegen die Viva-con-Agua-Allstars

Einmal zusammen mit Profis kicken

Haltern - Am Samstag kam es zum erneuten Duell zwischen den TuS-Haltern-Allstars und den Viva-con-Agua-Allstars. Dabei standen neben Weltmeister Benedikt Höwedes nicht nur Profis auf dem Platz - ein Selbstversuch.

Handballer, so sagt man, spielen Fußball nur zum Warmmachen. Am Samstag allerdings, als die TuS-Haltern Allstars um Kapitän Christoph Metzelder auf die Viva-con-Agua-Allstars trafen, war ich mittendrin. Ein gelernter Handballer also zusammen auf dem Platz der Stauseekampfbahn mit Weltmeister Benedikt Höwedes und diversen Ex-Fußballprofis.

Nach 25 Minuten Spielzeit kam TuS-Spieler Yves Lerchl, mein Wechselpartner, zur Bank gelaufen. Trainer Rolf Brüggemann, eigentlich Kassierer, nutzte die Gelegenheit und warf mich ins kalte Wasser auf dem linken Flügel in der Offensive - viel laufen also, das kann ich.

Dann ging alles ganz schnell: Nach einem Steilpass wetzte ich der Kugel hinterher, der Ball rollte und rollte, doch ich holte Meter um Meter auf. Die Annahme an der Strafraumkante klappte, das Leder an meinem Fuß - das scheinte zu passen. Ich zog schnell in den Strafraum, den linken Pfosten im Visier. Ein kurzer Blick: Die Innenverteidiger des Gegners hatten mit mir nicht gerechnet. Außenverteidiger Micky Beisenherz stand zu weit entfernt.

Für ?Rolf aus dem Kassenhäuschen? war es der erste Einsatz an der Seitenlinie. Seine Aufstellung: ausgeklügelt. In der Verteidigung setzte er auf ein Halterner Abwehrbollwerk: Christoph Metzelder und Benedikt Höwedes stellten die Innenverteidigung, daneben verteidigten ihre Brüder, Andreas Höwedes und Sebastian Metzelder. Die absolute Stärke des Trainers: Motivation, und das schon weit vor dem Anpfiff. "Ich bin heiß wie frittenfett", sagte er. "Ich kann mit meiner Hand meine Hose bügeln."

Innerlich hatte ich mich auf eine Torchance schon mehrere Tage vorbereitet. Gedankenschnell legte ich jetzt den Ball von meinem schwachen Linken auf den "starken" rechten Fuß, blickte noch kurz nach oben. Torhüter Jeremy Grube verkürzte den Winkel. Dann zog ich ab.

Schnell gingen die TuS-Haltern-Allstars am Samstag mit 2:0 in Führung. Bis zur Halbzeit allerdings konnte das Viva-con-Agua-Team von Michael Fritz ausgleichen - und hätte zwischendurch auch in Führung gehen können. Ex-Bundesligaprofi David Odonkor überwand Halterns Torhüter Pascal Lehmkuhl zwar zweimal, allerdings ließ er auch die ein oder andere Chance liegen. So schoss er einen Elfmeter, nachdem TV-Moderator ?Coach? Patrick Esume einen umstrittenen Strafstoß mit einer Grätsche verursachte, an die Latte. Dieser ersetzte Höwedes zwischenzeitlich in der Innenverteidigung.

Mit einer 2:0-Führung im Rücken hatte ich auf dem Spielfeld zum Zeitpunkt meiner Einwechselung keinen Druck. Hinten brannte in der Abwehr um Weltmeister Höwedes und Ex-Nationalspieler Metzelder nicht viel an. Auch nicht, als ich zu meinem ersten - und einzigen - Torschuss ausholte. Doch was dann passierte, das sollte mich auch noch weit nach Abpfiff beschäftigen.

"Erbärmlich und kläglich"

Mein Schuss verkümmerte, wäre bei einer Pfütze wahrscheinlich nicht mal bis zum Tor gerollt. Torhüter Grube hätte auch genausogut seine Mütze auf den Ball werfen können. Anstelle des Balls trat ich mehr in den Boden. Meine Torchance war dahin. "Das war erbärmlich und kläglich", schallte es aus den Boxen. Und Halterns Pressesprecher Daniel Winkelkotte legte noch einmal nach: "Daran sehen Sie, liebe Zuschauer, dass er kein ausgebildeter Sportler, sondern nur ein Sportredakteur ist." Und was soll ich sagen, damit hatte er in dieser Szene völlig recht.

Ein weiteres Mal traf Odonkor in der zweiten Halbzeit noch. Zwei weitere Treffer legten seine Mitspieler in den zweiten 45 Minuten nach. Doch für einen Sieg reichte es für Viva con Agua nicht: Mit 7:5 setzte sich das TuS-Team durch. Christoph Metzelder gelang ein Kopfballtreffer nach einer Ecke. "Das war meine Torpremiere", sagte der Kapitän des Teams. "Das Geheimnis des Erfolges war eine gut zusammengestellte Mannschaft. Ich bin super happy." Rolf Brüggemann ist damit nach eigener Aussage der "erfolgreichste Zweieinhalb-Stunden-Trainer".

Doch neben der Erkenntnis, dass so ein Fußballplatz doch ganz schön lang und breit sein kann, nehme ich auch eine positive Erinnerung mit. Einen wichtigen Zweikampf gegen Beisenherz konnte ich in der Defensive gewinnen. ?Den Körper reingestellt' sagt der Fachmann. Das kann er nämlich, der Handballer, den Körper in den Weg stellen.

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