Das Sportporträt

Pfeifend in die Bundesliga

HALTERN - Als Spielerin hat es Silke Küpper mit dem ATV Haltern bis in die Oberliga geschafft. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu ihrer Karriere als Schiedsrichterin.

Als Silke Küpper acht war, sagte ihre Mutter: "Volleyball ist eine schöne Sportart für Mädchen." Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Silke Küpper begann zusammen mit ihrer Schwester in der damals neu gegründeten Jugendgruppe der SG Suderwich. Sie hat sich dort sehr wohl gefühlt und wurde drei Jahre später in die Jugendmannschaft auf genommen. Rückblickend sagt sie: "Weil ich noch so klein war, wurde ich zuerst Zuspielerin, kam aber bald schon in die Angriffsformation." Mit 14 Jahren war sie schon zu einer auch taktisch guten Spielerin gereift und kam im Damenbereich in der Bezirksliga zum Einsatz. Die Mannschaft bestand damals aus fünf erfahrenen Spielerinnen und fünf guten Nachwuchskräften. In den folgenden beiden Jahren durfte Küpper mit der Mannschaft zwei Aufstiege feiern und erinnert sich noch gut an ihren 16. Geburtstag. An diesem Tag fand das entscheidende Spiel um den Aufstieg gegen TB Rauxel statt. Suderwich gewann 3:2 und der Aufstieg wurde zusammen mit dem Geburtstag in einer großen Party gefeiert.

Mit 22 Jahren wollte Silke Küpper dann höher als Landesliga spielen. Sie folgte ehemaligen Spielerkameradinnen zum VC Marl und trat nun in der Verbandsliga an. Mit ihrem stark ausgeprägten Spielverständnis, einer guten technischer Ausbildung und Ihrer rasanten Technik wurde Küpper auf der Außenposition schnell zur Stammspielerin. In dieser Zeit hat sie auch ihren Flatteraufschlag im Sprung gelernt, immer weiter verfeinert und damit bis heute unzählige Punkte erzielt.

Nach einem Jahr wechselte Küpper dann erstmalig nach Haltern, spielte ein Jahr weiter in der Verbandsliga und danach in der Oberliga. Nach einer Schulterverletzung wurde sie wieder auf Zuspielerin "umgeschult", wechselte später erneut und kam mit 27 Jahren wieder zurück zum ATV.

Bei Ihrem Neustart erlebte sie einen tollen Einstand und sagt rückblickend: "Da fühlte ich mich endlich angekommen und zu Hause in der Mannschaft." Als ein sportliches Highlight nennt Küppers das Endspiel um den Aufstieg 2013 in Iserlohn. Dort herrschte eine Wahnsinnsstimmung in der Halle und sogar die einheimischen Eishockeyfans waren geschlossen in die Halle gekommen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Trotzdem erkämpfte sich Haltern in einem packenden Spiel den Sieg und machte damit den Aufstieg in die Oberliga perfekt. Nach dem Abpfiff feierten alle gemeinsam in der Halle.

Inzwischen wechselte Küpper auf die Libera-Position und ist heute eine sichere Bank im Abwehrbereich. Als besonders prägende Person nennt Küpper ihre ehemalige ATV-Trainerin Tee Williams. "Von ihr", sagt sie, "habe ich sehr viel gelernt."

Parallel zu ihrem aktiven Spiel hat sich Küpper schon als junge Sportlerin neben dem Training immer auch intensiv mit dem Regelwerk befasst. So machte sie schon mit 15 Jahren ihre erste Schiedsrichterlizenz in Marl. Im weiteren Verlauf lernte sie den damaligen Bundesligaschiedsrichter Jürgen Pospiech kennen, der sie ermunterte, in diesem Bereich weiter zu machen. Mit 17 Jahren folgte der zweite und ein Jahr später auch der dritte Schiedsrichterlehrgang. Von da an nahm Küpper regelmäßig an den Fortbildungen teil, brauchte aber für den Ligabetrieb erst mal keine weitere Lizenz mehr abzulegen. Das änderte sich erst in der Saison 2009/2010, denn mit der erlangten B-Lizenz wurde Küpper in den zentralen Einsatz mit offizieller Ansetzung der Oberliga berufen. 2012 folgte dann die Erweiterung ihrer Lizenz auf Zulassung in der Regionalliga, 2013 erhielt sie die Zulassung zur 2. Liga und seit 2014 leitet sie Spiele in der 2. Bundesliga und fungiert als Linienrichterin in der 1. Bundesliga.

Küpper erinnert sich noch gut an einen der ersten Einsätze bei den Herren in der 2. Bundesliga. Da stand sie nun als "junge Blonde" erstmalig umgeben von lauter "Riesen" auf dem Feld und hatte das Gefühl: "Die nehmen mich doch gar nicht ernst." Nach dem Anpfiff konnte sie aber ihre Anfangsnervosität ablegen und brachte das Spiel gut und sicher über die Runden.

Bei ihrer ersten Schiedsrichterbeobachtung erkannte sie einen eher selten auftretenden Spielfehler, konnte diesen sachlich gut erklären und gewann auch dadurch schnell die notwendige Akzeptanz im Gremium. Küpper erzählt: "Ab der Oberliga bekam ich in den Beobachtungen immer sehr gute Kritiken und wurde jedes Jahr eine Stufe höher empfohlen." Im Regelwerk, macht ihr ohnehin keiner etwas vor. Den letzten Test bestand sie mit 99 von 100 möglichen Punkten.

Herrenspiele, sagt sie, seien einfacher zu leiten. Trotzdem sind ihr Spiele der Damen lieber. Das absolute Highlight war für sie ihre Berufung zum DVV-Pokalfinale 2015 im Gerry-Weber-Stadion in Halle. Küpper war sich der Verantwortung, ein solches Spitzenspiel auf höchstem Niveau zu leiten sehr wohl bewusst: "Im Schiedsrichtergang verspürte ich schon ein leises Zittern." Doch es lief alles glatt und sie gewann weitere Erfahrung: "Du musst mit einer sicheren Ausstrahlung aufs Feld gehen und vor allem cool bleiben."

Als berufstätige Mutter geht Silke Küpper zweimal die Woche zum Training, hat samstags eigene Ligaspiele und steht am Sonntag als Schiedsrichterin erneut in der Halle. Das geht natürlich nur mit der entsprechenden positiven Familienunterstützung zuhause und einem genau getakteten Tagesplan.

Volleyball ist aber nun einmal ihre große Leidenschaft und ein Ziel hat sie auch noch: Sich auch in der 1. Bundesliga als Schiedsrichterin etablieren. Das Zeug dazu hat sie allemal.

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