Thorsten Priesener hat noch lange nicht genug

Judoka im Sportporträt

Haltern - Für den Halterner Thorsten Priesener erfüllte sich im vergangenen Jahr ein Lebenstraum. Mit dem 1. Dan erwarb er den schwarzen Gürtel. An dem Erfolg trägt seine Frau eine gewisse Mitschuld.

Der heute 44-jährige Thorsten Priesener folgte 1980 schon mit sieben Jahren seiner Mutter in den Judoverein. Schnell fand er Anschluss in der Kinder und Jugendgruppe: "In der Gemeinschaft war das damals super", erinnert sich der Judoka. In den folgenden vier Jahren legte er seine Gürtelprüfungen ab. 1984 hatte er schon den grünen Gurt und war in der Vorbereitung auf Blau - als er plötzlich mit dem Sport aufhörte.

Es vergingen rund 30 Jahre, als er 2013 zufällig eine Anzeige in der Zeitung zu dem Programm "Bewegt älter werden" der Halterner Judokas entdeckte. "Judo war doch damals eine tolle Sache", sagte er beiläufig zu seiner Frau.

Zweite KarriereUnd damit begann seine zweite Karriere - denn Prieseners Frau nahm den locker gemeinten Spruch ernst. Sie nahm Kontakt zum Verein auf, meldete ihn wieder an und schenkte ihm zu seinem Geburtstag einen neuen Judoanzug.

Beim ersten Training stellte er fest, dass sich nicht viel verändert hatte. Einzig die Kondition hatte in den vergangenen 30 Jahren nachgelassen. Am nächsten Tag war er vollkommen platt. Doch es machte ihm Spaß, wieder auf der Matte zu stehen und so begann Priesener wieder regelmäßig am Training teilzunehmen.

Schnell nahm auch sein Ehrgeiz wieder zu. Zusammen mit seinem Partner Oliver Jendhoff beschloss er, das Abenteuer zu wagen, den 1. Dan, den schwarzen Gürtel, zu erwerben. Dafür waren zuerst die noch fehlenden Gürtelprüfungen in den Farben Blau und Braun Pflicht. Schnell legte er diese an, 2015 hatte er beide erworben. Dabei zog es ihn weniger in den Wettkampf, sondern vielmehr entwickelte Priesener den Ehrgeiz, es sich selbst zu beweisen.

Auf seinem Weg musste der Judoka Rückschläge hinnehmen. Bei der Generalprobe für den Braunen Gurt erlitt Priesener eine schwere Knieprellung. Es dauerte rund drei Monate, bis er die innere Angst zu fallen überwunden hatte. Für die acht Prüfungsfächer trainierte er viel und trieb seinen Körper zu Höchstleistungen an. Doch auch sein theoretisches Wissen musste er vertiefen. Seine Vorbereitungszeit setzte Priesener auf zwei Jahre an. Zuerst trainierte er zwei Mal wöchentlich, dann vier Mal.

AufgeregtImmer zusammen mit seinem Partner Oliver Jendhoff. Ergänzend dazu holte er sich Tipps und Rat bei hochdekorierten Trainern aus dem Umkreis.

Sein Training plante Priesener von vorne bis hinten durch. Ganz oben auf der Liste standen Wurftechniken. Zuerst probte er die Bewegungsabläufe alleine, dann folgte das Training zusammen mit seinem Partner, bei dem Priesener ohne Reaktionszeit sofort reagieren musste.

Den Lohn für die vielen Mühen erntete Priesener bei der Gürtelprüfung im vergangenen November in der Halterner Christa-Hartmann Halle.

Um sich abzulenken, ging er am Vormittag mit seiner Frau noch in die Stadt, denn seine Prüfung war erst für 14 Uhr angesetzt. Viel half ihm das aber nicht. Als er um 13 Uhr die Halle betrat, war er noch immer aufgeregt. Erst als es für ihn losging, legte sich die Nervosität. Priesener spürte, dass er sich gut vorbereitet hatte und vertraute auf das Erlernte.

Zuerst musste Priesener die "Naga-No-Kata" ablegen, eine Sammlung von 15 Grundwürfe, die in einer festgelegten Form demonstriert werden müssen. Danach folgte der "Yoko-Gake", ein Selbstfallwurf, bei dem der Partner zu Boden gebracht wird, indem man sich selber fallen lässt. Diese ersten beiden Hürden meisterte Priesener mit Bravour und wurde so zum zweiten Prüfungsteil zugelassen.

In dem ging es um Spezialtechniken im Stand. Priesener zeigte auch die Hüfttechnik "Harai-Goshi", die er danach noch in Einzelschritten erläuterte. Die große Unbekannte für den Judoka war allerdings das Bodenprogramm in seiner Prüfung. Hierbei mussten sich die Teilnehmer aus einer Bauchlage oder Bankposition befreien. Verschiedene Griffe mussten in schneller Abfolge an passender Stelle gesetzt werden, dabei galt es gleichzeitig die persönliche Ausstrahlung nicht zu verlieren.

Als er nach einer gefühlt ewig dauernden Wartezeit von einer Dreiviertelstunde aufgerufen wurde, beschlich ihn ein gutes Gefühl.

Den wirklichen erlösenden Moment erlebte er aber erst, als ihm die Wettkampfrichter an der Matte die Urkunde und seinen gestempelten Pass überreichten. In diesem Moment löste sich seine Anspannung in ein reines Glücksgefühl auf.

Eine besondere Überraschung bereitete ihm danach seine Frau. Im Vorfeld hatte sie einen original Schwarzen Gürtel aus Japan organisiert, den sich Priesener stolz umlegte. Doch genug hat der Judoka noch lange nicht. "Nun will ich auch noch die Prüfung zum 2. Dan ablegen."

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