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Der Handballsport liegt aktuell bildlich gesprochen am Boden.

Handball

Fortsetzung des Spielbetriebs wird immer unwahrscheinlicher

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Basketballer und Volleyballer haben ihre Saison vorzeitig beenden müssen. Neben „König Fußball“ hängt aktuell der Handballsport in der Warteschleife. Nur: Wie lange noch?

Beim Handballverband Westfalen kommt am Dienstagabend (24. März) das Präsidium zusammen, es berät natürlich in einer Telefonkonferenz. Ob der bis zum 19. April ausgesetzte Spielbetrieb fortgeführt oder vorzeitig beendet werden wird, dürfte das beherrschende Thema sein. 

Eine endgültige Entscheidung in der Sache ist aber offenbar nicht zu erwarten. Das lässt auf Nachfrage Andreas Tiemann (Hille) durchblicken. Er steht als Vorsitzender der „Technischen Kommission“ (TK) an entscheidender Stelle. 

"Brauchen ein vernünftig abgestimmtes Verfahren"

„Wir brauchen ein vernünftig abgestimmtes Verfahren“, sagt Tiemann. Was bedeutet: In Westfalen wartet man, wie der Deutsche Handball Bund (DHB) entscheidet. Der zögert aktuell, der Spielbetrieb in den Männer-Bundesligen ist ebenfalls zunächst nur ausgesetzt. 

Hier geht es auch um wirtschaftliche Interessen, die HBL sorgt im TV für Quote und damit für Einnahmen. Und: Es geht auch um Arbeitsplätze in den Profiklubs. 

Je tiefer man geht, umso unwichtiger werden allerdings diese Parameter. Für Holger Kück etwa, dem Vorsitzenden des Handballkreises Industrie, stehen ganz andere Dinge im Vordergrund: „Wenn man ehrlich ist, dann spielt der Handball bei der derzeitigen Situation doch nur eine sehr, sehr untergeordnete Rolle.“ Und doch steht auch der Kreis vor der Frage: Kann der Spielbetrieb überhaupt fortgesetzt werden? 

Der Kreisvorsitzende hat nur wenig Hoffnung

„Mir persönlich fehlt daran der Glaube, aber das ist meine ganz persönliche Meinung“, sagt Kück. „Wie wollen wir denn diese Saison zu Ende bringen?“ Noch immer gebe es keinerlei Anzeichen, dass Hallen geöffnet würden, im Gegenteil: „Selbst Fußballprofis und Olympiateilnehmer haben Trainingsverbot. Ich selbst habe kaum Hoffnung, diese Saison zu Ende spielen zu können.“

 In Westfalen zeigt man sich noch etwas optimistischer, allerdings will der HVW keine Entscheidung treffen gegen den Willen der Kreise. Andreas Tiemann: „Kreis A will links herum, Kreis B rechts, und wir geradeaus – so geht das nicht. Wir brauchen ein klar abgestimmtes Verfahren vom Deutschen Handball Bund über den HVW bis in die Kreise.“ 

Aufsteiger könnten auch bestimmt werden

Im Falle eines vorzeitigen Saisonendes könnte Paragraf 52 der DHB-Spielordnung zum Tragen kommen. Dort heißt es wörtlich: „Kann der Sieger, Auf- oder Absteiger einer Klasse oder Staffel aus spieltechnischen oder sonstigen Gründen nicht termingerecht zur Teilnahme an den Meisterschaftsspielen, Aufstiegsspielen oder Abstiegsspielen für die nächste Spielsaison ermittelt werden, wird er von der zuständigen Spielleitenden Stelle nach sportlichen Gesichtspunkten bestimmt.“

Heißt im Klartext: Verbände und Kreise können in Ausnahmefällen ihre Aufsteiger benennen. Eine Ausnahme wäre ein durch die Corona-Pandemie verursachtes vorzeitiges Saisonende auf jeden Fall. 

Ob Aufstieg am Grünen Tisch, Einfrieren der Tabellen oder gar eine Annullierung der laufenden Spielzeit: „Für mich ist das alles Stand jetzt Kaffeesatzleserei“, sagt Holger Kück, der Kreisvorsitzende. Beim Handballverband Westfalen will man in der Telefonkonferenz am Dienstagabend eine „Task Force“ ins Leben rufen, wie der Verband Ende letzter Woche in seinem Newsletter angekündigt hat.

Die Zeit spielt gegen die Verbände

 Andreas Tiemann, der TK-Vorsitzende im HV Westfalen, klingt zwar im Grundsatz etwas optimistischer als der hiesige Kreisvorsitzende. Aber auch dem Funktionär aus dem ostwestfälischen Hille schwant: „Je länger die aktuelle Situation andauert, umso unwahrscheinlicher wird es, dass wir in dieser Saison noch einmal spielen können.“

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