Monatelang ohne Wettkampf: Elias Schlechter (Mitte) und die A-Jugendhandballer von Westfalia Scherlebeck.
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Elias Schlechter

Handball

Sorgen im Nachwuchsbereich werden immer größer

  • Michael Steyski
    vonMichael Steyski
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Für Axel Möller, Trainer der A-Jugendhandballer von Westfalia Scherlebeck, war es ein schleichender Prozess, dass die Mitglieder-Zahlen in den Vereinen des Handball-Kreises Industrie schrumpfen. Corona sei da ein Katalysator - gerade im Jugendbereich.

  • •  Im Handball-Kreis Industrie gibt es nur noch elf A-Jugendmannschaften.
  • •  Saison im Nachwuchsbereich hat noch gar nicht begonnen.
  • •  Start ist auf das nächste Jahr verschoben.

Mittlerweile gibt es im Handball-Kreis Industrie zahlreiche Vereine, die über keine einzige Jugendmannschaft verfügen. Im Einzugsgebiet - Kreis Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bochum mit mehr als 1 Millionen Einwohner - gibt es lediglich elf (!) A-Jugendmannschaften. In der Saison 2016/17 waren es noch 22.

Der Nachwuchs geht den Vereinen von der Fahne. „Wir haben die Intensivstation bereits verlassen und sind schon im Hospiz“, schlägt Axel Möller, der A-Juniorentrainer von Westfalia Scherlebeck, Alarm. Und ergänzt: „Ohne ein Konzept wird Handball in unserer Region sterben.“ Wegen Corona hat die Saison beim Nachwuchs noch gar nicht begonnen. Der Start ist auf das nächste Jahr verschoben. Und eigentlich sollte vor den Osterferien 2021 die Saison beendet sein. „Wir als Scherlebecker A-Jugend sind jetzt über elf Monate ohne Wettbewerb. Wir hatten alles dafür getan, um in die Saison zu starten, hatten seit Juni durchtrainiert. Beim Verband stehen aber die Senioren im Fokus, die Jugend fällt hinten runter“, sagt Möller. Die erste Senioren der Scherlebecker ist übrigens in der Bezirksliga am Start.

Kein Landesleistungs-Stützpunkt im Handball-Kreis

Ein Problem sieht Möller darin, dass es im Kreis Industrie keinen Landes-Leistungsstützpunkt zur Nachwuchs-Förderung gibt. „Der nächste Stützpunkt ist in Dortmund. Für Basissport wird von Verbandsseite nicht viel getan“, sagt Möller. Um Handball populärer zu machen, müsse der Verband in Kooperation mit Vereinen schon Grundschüler für den Sport begeistern, in die Schulen gehen. „In anderen Bundesländern gibt es sogar Grundschul-Ligen, gerade Sachsen, Baden-Württemberg oder Berlin würden für die Jugend etwas machen“, sagt Möller.

Zudem würde es zu wenig Spieler mit Migrationshintergrund geben. „Die spielen wohl eher Fußball oder Basketball. Wir kommen an die Kinder nicht heran“, sagt Möller. Er geht davon aus, dass seine Scherlebecker in dieser Saison kein Spiel bestreiten werden. „Dann war es ein verlorenes Jahr“, betont Möller.

Ulla Wirth, Jugendausschuss-Vorsitzende im Handball-Kreis Industrie, sieht kaum Möglichkeiten, entgegenzuwirken. Für sie sei die Ganztagsschule ein Problem. „Oft gibt es nur nachmittags Hallenzeiten für den Nachwuchs. Da läuft aber noch Schule“, sagt Wirth. Zudem hätte sich das Ferizeit-Verhalten der Jugendlichen im Laufe der Jahre arg geändert. „In meiner Jugend war ich noch jeden Tag draußen spielen“, erinnert sich die 53-Jährige.

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