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Sind in Herten glücklich: Karin und Gerd Möller.

Fußball

Wenn ein Fußballer freiwillig in den Osten geht...

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Dass Sportler der ehemaligen DDR versucht haben, in den Westen zu gelangen, ist hinreichend bekannt. Aber der Weg ging auch in wenigen Fällen anders herum. So wie bei dem Hertener Gerd Möller.

  • Möller wechselt 1966 in die DDR.
  • Bei Motor Hermsdorf wird er zur Fußball-Legende.
  • 1989 kehrt er mit seiner Frau zurück.

Möller, 1941 in Herten geboren, spielte Fußball, seitdem er Laufen konnte. Natürlich auf der Straße. In der Schüler-Klasse fing er beim Langenbochumer Verein an, spielte dort auch in den Senioren. Bis er von der Spvgg. Herten in den Katzenbusch gelockt wurde, in die Verbandsliga.

Bis 1966. Dann wechselte der mittlerweile 79-Jährige in die DDR. 1961 hatte er bei einem Fußball-Vergleich des Kreises Recklinghausen in Zeitz (Thüringen) seine spätere Frau Karin kennengelernt. Karin war Bezirkssportlehrerin und durfte die westdeutsche Delegation begrüßen. Es hatte gleich gefunkt zwischen den Beiden.

"War klar, dass wir zusammenziehen müssen"

Fünf Jahre lang pendelte Möller also zwischen Ruhrgebiet und DDR. Dreimal jährlich fuhr er für je zwei bis drei Wochen zu Karin. "Dann war klar, dass wir zusammenziehen müssen", sagt Möller. Da Karin keinen Ausreiseantrag bekam, wechselte der gelernte Bergmann in die DDR. Zunächst musste er für zwei Wochen in Quarantäne, in Eisenberg. Als ein Stasi-Mitarbeiter von den fußballerischen Qualitäten von Möller Wind bekam, vermittelte er ihn zu Wismut Gera, damals in der zweithöchsten Liga. 

Als Amateur musste Möller eine halbjährige Sperre abbrummen. Er heiratete am 14. Mai 1966 seine Karin, auch um an ein Wohnung zu kommen. Mittlerweile war Wismut in die Oberliga aufgestiegen. Sein erstes Spiel für Gera bestritt Möller im Leipziger Zentralstadion vor 10.000 Zuschauern. Die Gäste unterlagen mit 1:3. Möller bestritt fünf Partien, verletzte sich dann. Am Saisonende stieg Wiesmut Gera ab.

271 Tore in 262 Spielen

Anschließend wechselte Möller zum Bezirksligisten Motor Hermsdorf (3. Liga). Im keramischen Kombinat bekam er erst eine Anstellung als Schweißer, dann im Büro. In Hermsdorf wurde der Stürmer zu einer echten Legende. In 262 Spielen erzielte Möller 271 Treffer. Er schoss seinen Club in die DDR-Liga (2. Liga).  

Als Amateur trainierte Möller richtig hart. "Am Anfang dachte ich, ich überleb das nicht", sagt Möller. Während er in Herten zweimal pro Woche trainierte, musste er in Hermsdorf oft zweimal am Tag üben. Nach sechs Jahren in Hermsdorf war Möller noch zwei Jahre Spielertrainer bei Bad Klosterlausnitz (Bezirksklasse), zwei Schienbein- und mehrere Rippenbrüche ließen seine Karriere mit 34 Jahren abrupt beenden.

1989 ging's zurück in den Westen

1989 plante das Ehepaar, in den Westen zurückzukehren. Während die Familie auf den Ausreiseantrag warteten, fiel die Mauer. Am 9. Dezember 1989 ging's in den Westen. Die Möllers wurden in Herten sesshaft, am Paschenberg. Bei seinem Stammverein in Langenbochum ist Möller oft Stammgast - am legendären Tisch 13, an dem sich Altgediente treffen und sich beim Bierchen Geschichten auch aus den alten Zeiten erzählen. 

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