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Konzentrierte Runde (v.l.): Kadir Gökyar, Helmut Sandrock, Klaus Berge, Martin Schmidt, Oliver Ridder und René Lewejohann.

Fußball

Große Hoffnungen, harte Schule

HERTEN - Martin Schmidt, Sportlicher Leiter beim SV Vestia Disteln, diskutiert mit seinen Gästen beim 3. Talk in der Kaue über den großen und den kleinen Juniorenfußball. Es war eine kurzweilige Gesprächsrunde über „Jugendfußball zwischen Traum und Wirklichkeit“.

Den Termin hatte Moderator Martin Schmidt wie immer sorgfältig gewählt. Vestia Distelns „Fußball-Talk in der Kaue“ war klug zwischen Champions, Euro oder Nations League platziert – auf einen (fast) fußballfreien Abend. Und dann das: Draußen über 20 Grad, bestes Grillwetter an einem 10. Oktober. „Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte Martin Schmidt mit einem Blick in die ehemalige Schwarzkaue der Zeche Schlägel & Eisen. Nur knapp 50 Fußballfreunde waren zur dritten Ausgabe des Talks gekommen. Die, die nicht da waren, haben eine kurzweilige Gesprächsrunde zum Thema „Jugendfußball zwischen Traum und Wirklichkeit“ verpasst. Kurzweilig, weil nicht nur diskutiert wurde – es ging auch sehr persönlich zu. Dafür sorgten der ehemalige Schalker Jugendnationalspieler Kadir Gökyar, TSV-B-Juniorentrainer Oliver Ridder und René Lewejohann, Coach der Spvgg. Erkenschwick. Das Trio war bei Schalke 04 oder VfL Bochum nah dran an einer Profikarriere – und hat sie dann doch nicht realisieren können. Eindrucksvoll erzählten die drei von ihrem Weg. René Lewejohann, der es zumindest bis in die 2. Bundesliga brachte, sagte: „Für mich gab‘s nur eine Option: Fußball.“ Die Schule sei ihm damals in Wanne-Eickel herzlich egal gewesen, so der 34-Jährige: „Im Nachhinein muss ich sagen: Keine gute Idee.“ Kadir Gökyar hat Schule nie vernachlässigt, demnächst schließt der 24-Jährige eine Lehre im Chemiepark Marl ab. Dass er es nicht „gepackt“ hat – wie die ehemaligen Mitspieler Sead Kolasinac, Julian Draxler oder Philipp Max –, der Marler hat es längst akzeptiert. Zu realisieren, dass es nicht reicht, sei aber hart gewesen. Missen wollen weder Kadir Gökyar noch Oliver Ridder ihre Zeit in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten. Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden von Vestia Disteln, Helmut Sandrock und Klaus Berge, beide mit großer Erfahrung im Profifußball, machten deutlich, dass der Weg über die Leistungszentren ohne Alternative sei. Ob Profiklubs schon Kicker zu sich holen sollten, die nicht mal zehn Jahre alt sind, sei zwar zweifelhaft. „Wer mit 15 Jahren noch bei Vestia Disteln ist“, merkte Ex-Profi Klaus Berge an, der heute Spieler berät, „der hat alle Chancen, Ehrenspielführer des Vereins zu werden.“ Aber nicht Fußballprofi. Im Verlauf des Abends schlug Martin Schmidt den Bogen zum Juniorenfußball in der Region. Eines der wichtigsten Themen dabei: die Jugendtrainer. Helmut Sandrock, der ehemalige DFB-Generalsekretär, berichtete aus einschlägigen Studien, wonach die meisten jungen Kicker sich vom Fußball wegen der Trainer abwenden. „Etwas Autofahren sollte man schon können“ Ob das sehr deutsche, sehr bürokratische System mit Lizenzen den Bedürfnissen immer gerecht wird? Nicht jeder brauche alle Führerscheine, so Helmut Sandrock: „Aber ein bisschen Autofahren sollte man schon können.“ Ein Appell für die Ausbildung. Vestia Disteln, der Klub, den er neuerdings als zweiter Vorsitzender unterstützt, handelt da längst: Der Verein unterstützt seine Jugendtrainer bei der Erlangung einer C-Lizenz. Vorbildlich, findet auch der Fußballkreis, der den SV Vestia jüngst mit seinem Jugendfußballpreis ausgezeichnet hat.

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