Zuschauerschlange vor einem Kassenhäuschen
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Ein Bild aus den Tagen vor der Corona-Pandemie: Lange Schlangen vor dem Kassenhäuschen, das wünschen sich die Vereine wieder. Aktuell gibt es außer den Mitgliedsbeiträgen kaum Einnahmequellen für die Fußballklubs im Kreis. Viele Kosten, wie die Verbandsabgaben, laufen aber weiter.

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Abgaben und kein Spielbetrieb - für viele Vereine geht es um die Wurst

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Kein Spielbetrieb, kein Vereinsleben, keine Einnahmen – viele Fußballvereine blicken mit Sorge in die Zukunft. Jetzt werden turnusgemäß die Verbandsabgaben fällig

Wofür Verbandsabgaben in diesen Tagen zahlen? Diese Frage stellen sich nicht wenige Klubs in der Zwangspause. Dabei machen die Abgaben nur einen geringen Anteil am Etat aus. Einnahmen und Ausgaben halten sich in einer „normalen“ Saison erst einmal die Waage – sofern keine Aufwandsentschädigungen gezahlt werden, etwa für Spieler. Verbandsabgaben spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Zusätzliches Geld kommt aus zwei Quellen: Von Sponsoren und über den Verkauf von Speisen und Getränken bei Heimspielen.

Wie beurteilen Vereinsfunktionäre im Kreis Recklinghausen die Situation? Dass der Einzug der Verbandsabgaben für Verärgerung sorgt bei einigen Vereinen, kann Peter Roth nicht nachvollziehen. Der Vorsitzende des Landesligisten BW Westfalia Langenbochum hatte den Betrag (in der Landesliga sind das 1.330 Euro) schon im vergangenen Dezember bereitgestellt: „Wir wussten ja, dass die Abbuchung kommt.“ Dass der Verband in der spielfreien Zeit Gelder einzieht, sei dabei sein gutes Recht: „Wir argumentieren unseren Mitgliedern ja auch gegenüber, dass sie bitte ihre Beiträge zu zahlen haben – auch wenn wir keinen Spielbetrieb haben.“ Letzteres ärgert den Funktionär am meisten: „Wir haben keine Einnahmen, wir geben aber auch nichts aus. Aber Sinn eines Vereins ist doch nicht, nichts auszugeben, sondern Sport anzubieten. Die Situation ist daher total unbefriedigend.“

„Unsere Liquidität reicht noch aus, um die Verbandsabgaben zu zahlen. Da ist ja auch nichts Unregelmäßiges zu erwarten“, sagt Andreas Artmann, Vorsitzender beim A-Kreisligisten GW Erkenschwick. „Wir schwächeln natürlich wie alle anderen auch, weil uns die Einnahmen aus dem Verkauf bei den Heimspielen fehlen. Ich bin unseren Mitgliedern aber überaus dankbar, dass sie dem Verein weiter die Treue halten. Wir haben bisher keine nennenswerten Austritte zu verzeichnen“, sagt Artmann. Er hält die Verbandsabgaben grundsätzlich für angemessen

„Arbeitsabläufe vorher überprüfen“

Dass der Verband seinen Vereinen die Rechnungen Mitte des Monats kommentarlos zugestellt hatte und sich FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski erst jetzt in einem offenen Brief dafür entschuldigte, dafür hat Claus Lanczek, Vorsitzender beim Bezirksligisten FC Marl, wenig Verständnis. „In einem so großen Unternehmen – und für mich ist der FLVW nichts anderes – hätte man die Arbeitsabläufe vorher überprüfen sollen. Das ist schwach“, sagt Lanczek. Als Bezirksligist muss der FC Marl 995 Euro fürs Jahr bezahlen. „Das ist für uns ungefähr die Summe, die wir in einem Monat durch Mitgliedsbeiträge einnehmen. Dafür muss ich bei Heimspielen schon einige Würstchen verkaufen“, rechnet der 60-Jährige vor.

In gewohnter Gelassenheit und mit der nötigen Sachlichkeit betrachtet Berthold Weidlich, seit Jahrzehnten Geschäftsführer beim Dattelner A-Ligisten SW Meckinghoven, die aktuelle Diskussion. „Dass die Rechnung kommt, ist ja keine Überraschung. Wir haben unsere 435 Mitglieder ja auch nicht beitragsfrei gestellt für die Zeit des Lockdowns und dürfen das ja auch gar nicht, um unsere Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren. Und genauso muss auch der Verband seine Beiträge von seinen Mitgliedsvereinen kassieren.“

Die meisten Mitglieder halten die Treue

Dass es bei der Zusendung der Beitragsbescheide seitens des Verbandes etwas unglücklich gelaufen sei, sieht auch Friedhelm Finzel so. Doch der Vorsitzende des VfB Waltrop übt sich ebenfalls sonst in Gelassenheit. Rund 400 Mitglieder hat der Klub – von einem Schwund könne aber auch in Pandemie-Zeiten nicht die Rede sein. „Und größere Ausgaben haben wir ja zurzeit auch nicht. Es ist aber einfach bitter, dass unserer Jugendabteilungen Einnahmen durch das Parkfest entgehen.“

„Das Thema ist zwar kein Aufreger, aber ganz entspannt sehe ich es auch nicht“, sagt Karl-Heinz Söbbe, Vorsitzender bei den Sportfreunden Stuckenbusch. „Dass der Verband ein Kommunikationsproblem eingestanden hat, hat uns natürlich erreicht. Aber vielleicht wäre es zuvor auch eine Alternative gewesen, auf einen Teil der Beiträge zu verzichten. Letztlich sei es in Stuckenbusch wie bei den meisten anderen Vereinen auch: Der Großteil der Mitglieder hält die Treue. Aber so manche Kosten bleiben eben auch während der Pandemie. Der Eigenanteil zur Erneuerung der Flutlichtanlage betrug 2700 Euro.

Dafür muss man schon eine Menge Würstchen verkaufen…

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