Artur Wojtyczka (Fechttrainer)
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Trainer Artur Wojtyczka hat auch während seiner Tätigkeit in Recklinghausen den Fechtsport international etabliert. Heute lebt und arbeitet er in Bonn.

Fechten

Hieb- und stichfest - das macht Erfolgstrainer Artur Wojtyczka heute

  • Jochen Börger
    vonJochen Börger
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Sentimental zurückschauen will Artur Wojtyczka gar nicht. Doch mehr als zwei Jahrzehnte nach großen Erfolgen als Trainer in RE ist eine Erinnerung fällig.

„Diplom-Sport- und Fechtlehrer, Inhaber der A-Trainerlizenz, langjähriger und erfolgreicher Bundestrainer in Deutschland und Österreich, Stoßwaffenspezialist, qualifizierter Fechttheoretiker sowie Ausbilder mehrerer EM- und WM-Medaillengewinner sowie Olympiateilnehmer“ steht auf seiner Homepage geschrieben. Stimmt natürlich alles, es spiegelt auch seine jahrelange Arbeit wider. „Aber ich habe mir beinahe schon abgewöhnt, über die alten Zeiten zu reden“, sagt der Coach, der einst Recklinghausen zu einer der Hochburgen des deutschen Nachwuchs-Fechtsports machte. Aber ein bisschen Erinnerung darf heute mal sein…

Viele Kontakte hat Wojtyczka inzwischen nicht mehr in Richtung Festspielstadt – abgesehen davon, dass sein Sohn Alexander dort immer noch wohnt. Als der Vestische Fechtclub 1995 aufgelöst wird, arbeitet der Coach zunächst beim Nachfolgeverein FG 95 Recklinghausen und beim TV Neheim sowie als Erziehungspädagoge im Förderschulinternat Schloss Horneburg. Mitte der 1990er Jahre kommt die Zeit, als das vermeintlich kleine Recklinghausen auf der nationalen und schon kurze Zeit später auch internationalen Fecht-Landkarte geradezu hervorsticht. 1996 geschieht es gar, dass die Kadetten in der Rangliste den Kollegen aus dem scheinbar übermächtigen Tauberbischofsheim einen Stich versetzen und sich auf Rang eins katapultieren. Das ist in etwa so, als ob im Fußball ein mittelgroßer Klub aus dem Kreis Recklinghausen plötzlich dem FC Schalke oder dem BVB die Grenzen aufzeigt.

André Weßels in die Weltspitze gebracht

Freilich kommt das Ganze damals nicht überraschend. Wo auch immer der Trainer Wojtyczka wirkt, es geht um den Erfolg. Der Mann eckt bei so manchen Verbands- oder Vereinsoffiziellen an, wird gleichwohl ob seiner akribischen Arbeit geschätzt. Das ist auch in den goldenen Recklinghäuser Zeiten so. Wer eben über jene Glanzzeit spricht, kommt unweigerlich auf André Weßels zu sprechen. 39 Jahre ist der einstige deutsche Spitzenfechter aus Recklinghausen inzwischen alt, lebt in Berlin. Als hochveranlagter Schüler betritt er damals die Planche. Der Coach entdeckt das Talent – und vor allem zwischen 1998 und 2001 sammelt Weßels internationale Medaillen am Stück. Unvergessen ist sein erster Junioren-WM-Coup im Jahr 2000 in South Bend (USA). Und einmal gut in Form, verteidigt er 2001 diesen Titel in Danzig. Es ist der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere, gekrönt mit Olympia-Bronze 2012 in London mit dem deutschen Florett-Team.

Von Recklinghausen nach Österreich

„Ja, André war ein Ausnahmetalent“, sagt sein ehemaliger Coach. Doch die Faszination und der Erfolg des Fechtsports in Recklinghausen habe damals mehrere Gründe. Teamgeist und der Wille, sich verbessern zu wollen, gehören dazu. Jann Tinkloh, Moritz und Heiner Daerr, Simon Flaßpöhler, Edna und Pia Lüddecke, sie stehen damals für DM, EM, WM oder Weltcup. Ein bisschen „Generation Gold“ in einer Stadt, die gelb und grün zu ihren Farben auserkoren hat.

Ein kompletter Farbenwechsel hin zu rot-weiß vollzieht sich im Leben von Wojtyczka kurz nach der Junioren-WM 2000. „Vienna Calling“ lautet das Motto, er wird österreichischer Bundestrainer im Herrenflorett, führt seinen Schützling Roland Schlosser dreimal zu Olympischen Spielen und zu Platz sechs bei der WM in Havanna. Von 2008 bis 2013 folgt das Engagement als deutscher Nachwuchs-Bundestrainer, dann wird er Cheftrainer des MTV München – und in gleicher Funktion nun bei „Der Fechtverein Bonn“. 63 Jahre ist Wojtyczka jetzt alt, unterrichtet aktuell auch an einer weiterführenden Schule. An Ruhestand ist in Sachen Fechten noch lange nicht zu denken. „Ich habe hier im Verein eine sehr engagierte Übungsgruppe, manchmal ist es wie eine kleine Zirkustruppe. Aber sehr wissbegierig!“ So ähnlich klang es vor 25 Jahren irgendwie in Recklinghausen auch...

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