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Im Jugendfußball kommt auch in Westfalen die Reform. Nur wann? Und wie?

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Reform im Jugendfußball: Funiño finden nicht alle lustig

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Jugendfußball: Nur noch Drei gegen Drei ohne Torwart? Der jüngste Vorstoß der Verbände für ein neues Spielsystem bei den jüngsten Kickern stößt im Kreis auf Ablehnung.

Die vermeintlich großen Themen waren beim Kreisstaffeltag des Jugendfußballs schnell abgearbeitet. Die Gestaltung des Spielbetriebs in der kommenden Saison, flexible Spielansetzungen und fehlende Schiedsrichter oder der darbende Mädchenfußball im Kreis. 

Um die Sache abzurunden, kündigte Bernd Trockel, Koordinator Spielbetrieb, kurz an, der Kreis werde künftig ein paar Turniere im neuen Funiño-Modus anbieten. Nur mal so, zur Probe. Funiño? Das Wort langte – und schon war Stimmung im Saal. 

Drei gegen Drei auf vier kleine Tore

Zur Erklärung: Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für Spaß und dem spanischen für Kind. Funiño klingt lustig. Dahinter aber verbirgt sich eine ernsthafte Reform des Spielbetriebs für die Jüngsten. 

Von den Minikickern bis E-Junioren sollen weniger Spieler pro Mannschaft am Ball sein, die Tore werden kleiner und Torhüter überflüssig. Eine Spielform dabei: Drei gegen Drei auf vier kleine Tore ohne Torwart. 

Funiño-Modus erregt die Gemüter

Das neue Kinderspiel, das der DFB propagiert, es erregt die Gemüter der erwachsenen Ehrenamtler an der Basis. Andere Landesverbände – wie etwa Bayern – gehen voran und setzen die Reformideen schon zur neuen Saison um. In Westfalen mahlen die Mühlen langsamer. 

Aktuell wird das Thema in einer Arbeitsgruppe des Verbandes behandelt. In der, so ist zu hören, sollen Befürworter und Skeptiker um eine Lösung ringen. Angesichts der Brisanz des Themas dringt derzeit nicht viel nach außen. 

„Ich kann euch keinen Stand geben, die Diskussion ist im Fluss“, sagte Dominik Lasarz, Vorsitzender im Kreisjugendausschuss. Eins dürfte aber feststehen: Im Fußballkreis – das zeigte die Diskussion in der Mensa der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule – werden die Reformer dicke Bretter bohren müssen.

"Das machen wir doch - im Training"

Überflüssig, kontraproduktiv, Mumpitz vom DFB – kaum einer, der sich beim Staffeltag zu Wort meldete, ließ ein gutes Haar an den Plänen. „Das machen wir doch alles schon – im Training!“, moserte Thomas Breimann vom VfB Waltrop. „Im Spielbetrieb braucht das keiner.“ 

Wobei der VfB mit seiner leistungsorientiert arbeitenden Jugendabteilung das Programm wohl umsetzen könnte. Aber die „kleinen“ Vereine? Die könnten mit ihren bescheidenen Möglichkeiten das doch gar nicht realisieren, so der Tenor.

 „Was auf uns zukommt, wissen wir noch nicht“ Dominik Lasarz versuchte, die Wogen zu glätten. „Wir können hier noch stundenlang diskutieren. Aber was genau auf uns zukommt, wissen wir nicht.“ Abwarten also?

Die Reform kommt - aber keiner weiß wie 

Aus seinem Heimatverein bekam Lasarz eine kernige Empfehlung: „Richte denen in Kamen doch bitte aus, dass wir total dagegen sind“, sagte Gunhild Hirschmann, Jugendleiterin der DJK Sportfreunde Datteln. 

Ob das etwas bringt? So ziemlich alle Jugendfußball-Vordenker sehen in der Reform einen Weg, die Ausbildung zu verbessern und junge Fußballer länger bei der Stange zu halten. Beim „Fußball-Talk in der Kaue“ des SV Vestia Disteln hielt Anfang des Jahres noch Schalkes Nachwuchschef Peter Knäbel ein flammendes Plädoyer für neue Spielformen. 

Im Moment sei schwer abzuschätzen, wie die Reform in Westfalen umgesetzt werde, so Dominik Lasarz: „Aber dass da etwas kommt, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

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