Schalke 04 und der TSV liegen Gerd Nowak besonders am Herzen. Am Ball war der Angreifer aber auch für den SC Recklinghausen, wie das historische Foto zeigt.
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Schalke 04 und der TSV liegen Gerd Nowak besonders am Herzen. Am Ball war der Angreifer aber auch für den SC Recklinghausen, wie das historische Foto zeigt.

Fußball

"Pelés" Sternstunde: Einmal ins lange, einmal ins kurze Eck

  • Thomas Braucks
    vonThomas Braucks
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  • Frank Zander
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Eine Marler Fußball-Ikone feiert 70. Geburtstag: Gerd "Pelé" Nowak hat in den 70er-Jahren in einem Pflichtspiel für die SpVg Marl ein Kunststück vollbracht, das wohl keinem anderen Kicker gelungen ist.

  • Gerd Nowak hat seine Laufbahn beim TSV Marl-Hüls begonnen.
  • Bei der SpVg Marl hat der 70-Jährige für Aufsehen gesorgt.
  • Später hat sich Nowak für die Traditions-Elf des FC Schalke 04 engagiert.

Der Volkspark in Alt-Marl Anfang der 70er-Jahre: Die Spielvereinigung Marl empfängt Teutonia Münster in der Landesliga (damals die vierte Spielklasse). 0:1 steht es in der 70. Minute, als sich Gerd Nowak den Ball zum Eckball hinlegt.

Und der Angreifer, den alle wegen seiner feinen Technik nur „Pelé“ rufen, macht seinem Spitznamen alle Ehre: Nowak zwirbelt den Ball mit mächtig Drall aufs lange Eck, wo er zum 1:1 einschlägt.

Kurz vor Abpfiff scheint die Partie verloren, in der 89. Minute treffen die Gäste zum 1:2. Es bleibt: ein Eckball in der Nachspielzeit. Erneut ein Fall für Nowak, der gerade vom TSV Marl-Hüls zur SpVg gewechselt ist. Wieder jagt er den Ball mit seinem schnellen „Abzug“ aufs Tor – wieder schlägt er ein. Diesmal ins kurze Eck. 2:2. Abpfiff.

„Nowaks Netzer-Eckstöße“ heißt am Tag darauf in der Presse. Was dem Kunstschützen noch immer sauer aufstößt. „Als wenn Günter Netzer jemals zwei Eckbälle in einem Spiel direkt verwandelt hätte“, knurrt Pelé, der an diesem Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. „Gibt‘s überhaupt einen?“

Seine Karriere beginnt Gerd Nowak beim TSV Marl-Hüls, wo er es bis in die erste Mannschaft in die Verbandsliga bringt. Von der Spvg. Marl zieht es ihn zum SC Recklinghausen, wo er zusammen mit seinem Schwager, Bundesliga-Legende Heinz van Haaren, am Ball ist. Später wechselt er noch zum FC Rhade.

Nach Ende seiner Karriere wagt Gerd Nowak einen mutigen Schritt: Er gibt seinen Job in der Lokwerkstatt der Zeche Auguste Victoria auf und übernimmt 1983 mit seiner Schwester Rita die kultige Lotto-Annahmestelle in unmittelbarer Nähe der Gelsenkirchener Glück-Auf-Kampfbahn.

Eine Marler Institution „auf Schalke“

Hier tritt er dieNachfolge der Schalke-Legenden Ernst Kuzorra und Reinhard Libuda an. Direkt an der Fan-Meile gelegen, findet der Marler schnell den nötigen Draht zu den Anhängern. Die kaufen bei ihm nicht nur Zeitungen und Zigaretten, sondern auch die Eintrittskarten für die Spiele der Königsblauen. Pelé Nowak wird „auf Schalke“ zu einer Institution.

Bei Hochbetrieb übernimmt schon mal Olaf Thon die Lottoschein-Annahme, Mike Büskens verkauft Zigaretten. Und im Hinterzimmer wird zu Peter Neururers Zeiten schon mal die Mannschaftssitzung durchgeführt. Mit dem Fußball-Lehrer verbindet Nowak seit gemeinsamen Tagen bei der SpVg Marl eine Freundschaft.

„Der Gerd hat mich während meines Studiums regelrecht durchgefüttert“, sagtPeter Neururer. „Auf dem Platz war er der Mann für das Fußballspielen, während ich ihm auf eher rustikale Art den Rücken freihielt.“

Seit 1983 gehört Pelé Nowak zur Traditions-Mannschaft von Schalke 04. Zunächst als Spieler, sodass er mit seinen Lieblingen wie Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Rüdiger und Volker Abramczyk, Erwin und Helmut Kremers, Hannes Bongarz oder eben Olaf Thon persönlich auf dem Platz steht. Später als Vorstandsmitglied und als verantwortlicher Obmann.

„Man kann getrost sagen, dass Gerd die gute Seele dieser Elf ist. Ohne ihn hätte es diese in den 80er-Jahren schon nicht mehr gegeben“, sagt Olaf Thon, bis heute ein enger Freund. Und so wird der Weltmeister von 1990 heute sicher bei seinem Kumpel in Marl vorbeischauen und gratulieren.

Worüber gesprochen wird? Ganz sicher über Nowaks Ecken im Volkspark. „Heute“, sagt Pelé, „käme ich wahrscheinlich gar nicht mehr so weit.“ Es sei ihm verziehen.

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