Mahmut Karatas (SV Titania Erkenschwick)
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An diesen Moment erinnert sich Mahmut Karatas noch gerne. Im vergangenen Jahr stand er bei der Stadtmeisterschaft mit seinem Sohn Hüseyin, damals Torwart bei der Spvgg. Erkenschwick, gemeinsam auf dem Fußballplatz.

Fußball

Sein Name ist Karatas - was ein Straßenfußballer alles zu erzählen hat

  • vonOlaf Nehls
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Sein Vater weinte nach seinem ersten Oberligaspiel - das ist nur eine von vielen Geschichten, die Mahmut Karatas vom SV Titania Erkenschwick erzählen kann.

Mahmut Karatas gehört sicher zu den ältesten noch aktiven Feldspielern im Seniorenbereich im Kreis. Immerhin hat es der Familienvater – zwei Söhne im Alter von 16 und 21 Jahren – in der Saison 2004/2005 auf drei Einsätze für die Spvgg. Erkenschwick in der Oberliga Westfalen gebracht. Heute schnürt er für den SV Titania die Schuhe, seiner ersten und wohl auch seiner letzten Station im Fußball. „Bei Titania will ich meine Laufbahn beenden. Das habe ich unserem Vorsitzenden Dirk Zaufke versprochen“, sagt Karatas, der mit seiner Familie auf dem Kiesenfeldweg in Oer-Erkenschwick lebt.

Es gibt wohl kaum einen, auf den der Begriff „Straßenfußballer“ besser zutrifft als auf Mahmut Karatas. „Ich habe in der Jugend nie in einem Verein gespielt. Obwohl ich das immer wollte“, erzählt der als Lagermeister bei einer großen Bäckerei tätige Fußball-Oldie. Weil seine Mutter immer Angst hatte, dass ihr Sohn sich beim Fußball verletzen könnte, durfte er sich lange nicht in einem Verein anmelden. „Ein Nachbarsjunge hatte sich beim Fußball mal ein Bein gebrochen. Ab da war meine Mutter strikt dagegen“, erzählt Karatas.

In „Klein-Kreta“ wurde kräftig gebolzt

Trotzdem war er als Kind jeden Tag unterwegs auf den Bolzplätzen in „Klein-Kreta“, wie die Blumenthaler-Kolonie entlang der Dortmunder Straße in Recklinghausen genannt wurde, oder auf dem Bolzplatz an der Canisiusstraße in der nahegelegenen Lohsiedlung. „Mein Vater hat damals gesagt, wenn ich verheiratet bin, dann darf ich machen, was ich will, auch Fußball spielen in einem Verein – vorher nicht“, sagt der Offensivspieler, der auch heute im hohen Fußballalter noch immer zu den Schnellsten in den Kreisligen gehört. Karatas heiratete schon im zarten Alter von 18 Jahren. „Einen Tag später bin ich in ein Sportgeschäft und hab’ mir meine ersten Fußballschuhe gekauft und mich kurz darauf beim SV Titania angemeldet.“

Das war 1997. Der Verein von der Esseler Straße hatte zu der Zeit eine türkische Mannschaft gemeldet. „Für die wollte ich spielen, weil ich einige kannte“, erzählt der 41-Jährige. Doch nach nur einem halben Jahr und ein paar Einsätzen auch für die A-Jugend folgte der Wechsel zu Eintracht Recklinghausen. Drei Aufstiege feierte Karatas dort, war dreimal der Torschützenkönig. Norbert Sander lockte ihn daraufhin zur Spvgg. Erkenschwick. „Die wollten bei der Spvgg. eine neue zweite Mannschaft aufbauen. Das hat mich gereizt“, sagt Karatas. Und als er bei den Schwarz-Roten auch in der Bezirksliga Tore am Fließband produzierte, durfte er schließlich im Oberliga-Team von Cheftrainer Michael Pannenbecker mittrainieren. Am 3. April 2005 gab er schließlich sein Debüt in der ersten Mannschaft. Im Heimspiel gegen SV Lippstadt war das.

Gesunde Ernährung und kein Schluck Alkohol

Beim 3:0-Sieg kam der Flügelflitzer von der Bank und trug sich prompt auch dort in die Torschützenliste ein – mit einem sehenswerten Treffer per Flugkopfball. „Dass ich da in der Ersten spielen durfte, das hatte ich Hermann Silvers zu verdanken. Der hatte mich schon länger beobachtet“, erzählt der Stürmer rückblickend. Warum er noch immer mit den Jungen mithalten kann (auch in der Corona-Saison 19/20 war er mit 17 Treffern wieder weit vorne in der Torschützenliste der Kreisliga B4), das weiß er genau. „Ich ernähre mich gesund, habe noch nie einen Schluck Alkohol getrunken“, versichert er. Seine Karriere in der Oberliga dauerte derweil nicht lange. Im nächsten Heimspiel gegen den VfB Hüls stand er nur drei Tage nach dem Lippstadt-Spiel zwar bereits in der Startelf, später in der Begegnung beim SC Hassel (1:1) zog er sich aber eine schwere Rippenprellung zu und fiel längere Zeit aus.

Torschütze gegen den Sohn

Bei der Frage, welches denn sein größter und wichtigster Moment im Fußball war, muss Mahmut Karatas nicht lange überlegen. „Das war ein Spiel bei den Stadtmeisterschaften. Da haben wir mit Titania gegen die Spvgg. gespielt. Und bei denen stand mein Sohn Hüseyin im Tor“, erzählt er. Das Duell ging an den Vater. Beim 4:1-Sieg hatte Mahmut Karatas gleich den ersten Treffer erzielt. „Ich wollte immer mal mit ihm zusammen auf dem Platz stehen oder eben gegen ihn spielen“, sagt Karatas.

Seinem eigenen Vater (76) war er übrigens nie böse, dass er ihn in jungen Jahren nicht zum Fußball lassen wollte. „Als ich nach meinem ersten Oberligaspiel nach Hause kam, da hat mein Vater geweint. Er hatte sich das Spiel angeschaut und war natürlich sehr stolz auf mich und auch traurig, weil er dachte, dass er meiner Karriere vielleicht geschadet habe“, erinnert sich Karatas. „Doch alles ist gut so, wie es gelaufen ist.“

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