Ahmet Bakare (r.) spricht über Anfeindungen und Rassismus im Alltag und Amateurfußball.
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Ahmet Bakare (r.) spricht über Anfeindungen und Rassismus im Alltag und Amateurfußball.

Fußball

Rassimus im Amateursport: Ahmet Bakare hat "einfach zu viel Bock auf Fußball"

  • Jochen Sänger
    vonJochen Sänger
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Proteste in den USA haben das Thema Rassismus weltweit in den Fokus gerückt. Ahmet Bakare vom FC Marl spricht über seine Erfahrungen.

  • Ahmet Bakare ist Mittelfeldspieler beim Bezirksligisten FC Marl
  • Der 28-Jährige erlebt immer wieder auf's Neue Rassismus
  • Der gebürtige Nigerianer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Die aktuellen Proteste in den USA haben das Thema Rassismus weltweit in den Fokus gerückt. Welche Erfahrungen haben Sportler aus dem Kreis gemacht? Wir haben nachgefragt – bei Ahmet Bakare vom Bezirksligisten FC Marl.

Links rein und rechts raus – das ist ein Grundsatz, den Ahmet Bakare zu seinem eigenen Schutz beim Fußball verfolgt. Denn: Der dunkelhäutige Mittelfeldspieler des FC Marl 2011 bekommt so einiges zu hören auf den Plätzen der Bezirksliga.

"Viele rufen Neger oder sonst etwas Beleidigendes"

„Ein Gegenspieler fragt mich nach einem harten Zweikampf, was ich überhaupt in Deutschland zu suchen hätte“, nennt der 28-Jährige ein Beispiel. „Zuschauer beschimpfen mich als Neger oder rufen sonst etwas Beleidigendes.“

Auf dem Platz stehen dem schnellen Bakare die eigenen Mannschaftskameraden zur Seite. „Die sind alle korrekt, coole Jungs. Wir gehen sehr respektvoll miteinander um“, lobt der Mittelfeldmann aus Nigeria. Eine hohe Meinung hat er vom Vorstand des FC Marl, von der sportlichen Leitung sowie Trainer Mani Mulai und seinem „Co“ Saiffo El Batal. „Beide sind immer da, wenn etwas ist. Ich fühle mich voll akzeptiert.“

Neben dem Platz fällt es Ahmet Bakare schwerer, den alltäglichen Rassismus hinzunehmen. „Beim Einkaufen spüre ich die Blicke hinter mir. In Discos winken die Türsteher grundsätzlich ab, wenn ich komme“, ärgert sich der schnelle Offensivspieler.

Talent in der Leichtathletik

In der afrikanischen Heimat hat er sein Talent in der Leichtathletik bewiesen. „Doch Fußball fand ich schon als Kind besser. Ich hatte lange den Traum, Profi zu werden“, gibt Bakare zu. Während seines Studiums in den Niederlanden absolvierte er ein Probetraining beim Zweitligisten Go Ahead Eagels Deventer.

Vor sechs Jahren kam der Nigerianer nach Deutschland, lebte zuerst in Süddeutschland und spielte für den Landesligisten Bayern Kitzingen. Wegen der Liebe folgte der Umzug nach Nordrhein-Westfalen. Von 2017 bis 2019 trug er das Trikot des SV Dorsten-Hardt und wechselte dann vor einem Jahr an die Hagenstraße.

In Marl wohnt er gemeinsam mit seiner Frau. Seine bessere Hälfte hatte ihm zuerst nicht geglaubt, dass auf dem Fußballplatz nicht selten ein rauer Umgangston herrscht. „Als sie die Zuschauer gehört hat, kam es ihr vor, als wenn sie es am eigenen Leib erlebt. Sie hat richtig Ärger gemacht“, berichtet Ahmet Bakare, der den Profi-Traum längst abgehakt hat und sein Geld als Lkw-Fahrer verdient. „Mein Business-Management-Studium habe ich damals nicht abgeschlossen.“

Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen

Probleme, sich zu motivieren und nach dem Job noch zum Training zu fahren, hat der Marler Bezirksliga-Kicker nicht. „Wenn man etwas liebt, dann macht einem das nichts aus.“ Seine Bilanz der ersten Saison für den FC Marl, die wegen Corona vorzeitig endete: 13 Spiele und zwei Tore.

Bakare war mehrfach angeschlagen und gesteht selbstkritisch ein, dass er vielleicht länger hätte warten sollen. „Ich habe einfach zu viel Bock, Fußball zu spielen.“ Und auf dem Platz gilt: Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen.

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