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Das Schild am Loekamp zeugt von weit glorreichen Zeiten als sie der TSV aktuell durchmachen muss.

Fußball - der Fall TSV Marl-Hüls

Trotz Forderungen von über 1 Mio.: Insolvenzverwalter sieht Hoffnung für TSV

MARL - Drei Monate dauert das Insolvenzprüfverfahren bereits, auf mehr als eine Million Euro belaufen sich die Forderungen der Gläubiger gegen den TSV Marl-Hüls. Der vorläufige Insolvenzverwalter sieht dennoch Chancen, den Traditionsverein zu retten.

Dies erläuterte Dr. Dirk Andres von der Kanzlei Andres Partner mit Sitz unter anderem in Essen und Düsseldorf auf der Delegiertenversammlung des TSV Marl-Hüls im Hotel Loemühle.

Das Geld für die Kosten des Verfahren seien zusammen, so der vorläufige Insolvenzverwalter. Um dem TSV tatsächlich einen Neustart zu ermöglichen, müsse sich nun der Klub bewegen.

„Es muss ein Ruck durch den Verein gehen“, sagte der Jurist. Dazu gehört für Andres nicht nur eine neue Vorstandsmannschaft: „Neue Gesichter, die nach außen glaubhaft für den Aufbruch stehen. Leute, die sagen: Dies ist unser Plan und den ziehen wir durch.“

Notwendig sind auch klare Vorstellungen von sportlichen Ambitionen und einem künftigen Budget, mit verbindlichen Zusagen möglicher Geldgeber. In dem Zusammenhang versicherte Dirk Andres: „Das Geld, das dem Verein jetzt zukommen soll, geht nicht in Altlasten. Es ist für den Neustart bestimmt. Es wird dem Verein und seinem Sportbetrieb komplett zur Verfügung stehen.“

Verunsicherung in den Abteilungen ist groß

Finanziell neu zu beginnen, sollte für den TSV möglich sein. Den größten Kostenfaktor gibt es nicht mehr: eine Fußballmannschaft im hochklassigen Amateurfußball, die Jahr für Jahr eine sechsstellige Summe verschlingen könnte.

Denn: Überlebt der Verein, wird der TSV Marl-Hüls künftig in der Kreisliga B spielen. Der Vorsitzende Udo Lichtenstein stellte klar: „Wir reden hier nicht mehr über die Regionalliga oder ähnliche Fantastereien. Es geht nicht mehr um schillernden Seniorenfußball, sondern um die Kreisliga B.“ Um Hobbyfußball also, der außer Verbandsabgaben nichts kosten sollte.

Schwerer dürfte dem TSV der personelle Neustart fallen. Was die Versammlung den Delegierten gezeigt hat: Die Verunsicherung in den Abteilungen ist groß, der Zorn auf die Fußballabteilung, die alles ausgelöst hat, nicht minder. Die Bereitschaft, sich für das große Ganze zu engagieren, ist derzeit nicht besonders ausgeprägt.

Die entscheidende Frage dürfte damit sein: Wie groß ist der Wille im Klub, dass es weitergeht mit dem TSV Marl-Hüls? Als Verein mit Fußball und einem halben Dutzend weiterer Disziplinen?

Jurist Dirk Andres warb auf der Delegiertenversammlung im Hotel Loemühle eindringlich dafür, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und mitzumachen: Das Insolvenzverfahren biete dem Verein die einmalige Chance, „komplett neu anzufangen“.

Jetzt werden neuen Köpfe im Vorstand gesucht

Allerdings: Spontan fanden sich im Hotel Loemühle keine Kandidaten, die für einen solchen Neuanfang zur Verfügung stehen. Im Klub soll in den kommenden Tagen weiterdiskutiert werden. Mit Blick auf das Verfahren habe der TSV dafür aber nicht mehr unbegrenzt Zeit, so Dirk Andres: „Es muss in vier bis sechs Wochen eine Lösung her.“

Findet sich bis dahin keine neue Führungsmannschaft, kein plausibles Konzept, so hat der Insolvenzverwalter keine andere Wahl, als den Geschäftsbetrieb nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens stillzulegen: In der daraufhin folgenden Gläubigerversammlung könnten die Gläubiger nicht anders als das Ende des TSV Marl-Hüls zu beschließen – und damit einen Schlussstrich unter einen 107 Jahre alten, bedeutenden Teil Marler Sportgeschichte ziehen.

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