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Vangjel Frasheri (links) und der VfB verpassten in Dorsten zwar zuletzt den ersehnten Befreiungsschlag, ein Schritt nach vorne war das 1:1 aber vor allem bei der Defensivleistung aber allemal.

Fußball

Krise oder Momentaufnahme?

MARL - Es gab Zeiten, da führten Marler Teams in allen Ligen die Tabellen an. Zurzeit sieht es anders aus – sind die Kicker in der Krise oder handelt es sich um eine Momentaufnahme?

Wenn die Saison jetzt zu Ende wäre, hätte Marl einen Oberligisten, einen Landesligisten (wenn es beim TSV weitergehen sollte), zwei Bezirksligisten und drei A-Kreisligisten. Das wäre keine schlechte Bilanz, aber es sah auch schon einmal besser aus.

Das gilt für das gehobene Amateurfußball-Niveau, wo es auch schon Partien in der dritthöchsten Spielklasse gab. Und es gilt auch für die Kreisliga: Alle drei A-Kreisligisten sind in Abstiegsgefahr, mit der DJK Germania Lenkerbeck stellt ein ehemaliger A-Kreisligist seit dem Winter nur noch ein Team: in der Kreisliga C. Die Frage auf den Punkt gebracht: Bröckelt es im Marler Fußball?

„Ja“, sagt Christos Karaissaridis, Sportlicher Leiter des TuS 05 Sinsen, der als aktueller Verbandsliga-Spitzenreiter erstmals die Speerspitze des Marler Fußballs und die große Ausnahme ist: An der Bezirkssportanlage geht’s bergauf.

„Es ist auch ein Generationenproblem“, sagt Karaissaridis. Darin pflichtet ihm sein Kollege Holger Jahnke vom VfB Hüls bei: „Die jungen Leute sitzen häufig lieber vor dem Computer als nach draußen zu gehen, wo es kalt ist“, sagt er. „Wir waren immer draußen zum Pöhlen“, so Jahnke. Und so bleibe der Nachwuchs oftmals aus.

Beim TSV Marl-Hüls (Verbandsliga), der sehr erfolgreiche Jugendarbeit betreibt, kennen sie solche Probleme nicht. Aber auch Jugendleiter Sebastian Nowak sagt: „Wir müssen aufpassen, dass der Fußball nicht schneller kaputt geht, als es uns allen lieb ist.“ Denn ihm ist klar: „Die kleinen Vereine haben es schwer.“

Claus Lanczek, Vorsitzender des Bezirksligisten FC Marl, meint, die aktuelle Lage könne auch nur eine Momentaufnahme sein. „Vor allem in den unteren Ligen, auch bei uns in der Bezirksliga, können ein oder zwei Spieler dafür verantwortlich sein, wie die Saison verläuft“, sagt er. Also könne es manchmal auch schnell wieder bergauf gehen. Grundsätzlich sieht aber auch Lanczek große Probleme: „Wenn früher die SpVg Marl gespielt hat, gab es eine Völkerwanderung“, sagt er. Heute sei das Zuschauerinteresse doch sehr überschaubar, was natürlich auch mit dem sinkenden sportlichen Niveau zu tun habe.

„Die Straßenfußballer werden weniger“, sagt Lanczek. Zudem seien die wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht mehr so gegeben wie früher, und in Marl müsse man sich Gedanken machen, ob es nicht zu viele Vereine gebe, die sich die Spieler untereinander wegnehmen. Auch bei den Ehrenamtlern sehe es schlecht aus. „Wir werden es erleben, dass ein Verein sich auflöst, weil er keinen Vorstand mehr findet“, sagt Lanczek. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Verein heute wie ein Unternehmen geführt werden müsse, weil so viel Verwaltungsarbeit anfalle, sei das bedenklich.

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