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Datenschutz verbildlicht: Spielernamen waren zuletzt nicht mehr öffentlich im Ergebnisportal SIS-Handball. Das soll sich mit der Umstellung auf „Siebenmeter“ ändern.

In der neuen Saison soll im Netz auch die Aufstellung wieder zu sehen sein

"Siebenmeter" löst in Westfalen SIS-Handball ab

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REGION - Im hiesigen Amateurhandball endete am Samstag ein digitaler Abschnitt: Das erweiterte Präsidium des Handballverbandes Westfalen (HVW) stimmte dafür, die Plattform SIS-Handball nicht mehr zu nutzen, trotz eines bis 30. Juni 2020 gültigen Vertrags.

Das Portal bleibt zwar als Ergebnisplattform bestehen, hat aber als Tool für die Spielplan- und Saisongestaltung ausgedient. Der Schritt war lange angekündigt und dürfte die Spieler an der Basis kaum ernsthaft berühren.

Funktionären fällt der Abschied von der in die Jahre gekommenen Plattform nicht schwer: „Es wurde zum Schluss ja auch nichts mehr weiterentwickelt“, sagt Helmut Reimus, TK-Vorsitzender des Handballkreises Industrie.

Auf einmal waren alle Spielernamen weg…

Der HV Westfalen wird zur neuen Saison die Plattform „Siebenmeter“ an den Start bringen, ein Programm, das in anderen Landesverbänden wie Baden und Schleswig-Holstein bereits etabliert ist. Im Kreis soll es zeitnah Schulungen geben, damit zum Saisonbeginn im September ein reibungsloser Übergang garantiert ist. „Das ist alles keine Hexerei“, sagt Reimus und nimmt den betroffenen Geschäftsführern und Zeitnehmern ein wenig die Angst. „Vieles ist selbsterklärend.“

Andreas Tiemann aus Hille, TK-Vorsitzender im HV Westfalen, hofft, dass die Vereine ab Mitte Juni mit „Siebenmeter“ arbeiten können: „Sie müssen schließlich ihre Hallenzeiten einpflegen.“

Auch der Funktionär aus Ostwestfalen ist sicher: „So eine große Umstellung ist das nicht. Die meiste Arbeit haben die Staffelleiter, die komplette Ligen und Spielpläne erstellen müssen.“

Moderner und schneller soll „Siebenmeter“ sein und vor allem: Es soll ein Problem verschwinden, das vor wenigen Wochen im gesamten Verbandsgebiet für ein kleines Erdbeben gesorgt hatte. Denn buchstäblich über Nacht verschwanden in allen elektronischen Spielberichten sämtliche Nachnamen von Spielern.

Der Landesdatenschutzbeauftragte schaltete sich ein

„Es gab eine Beschwerde aus dem Niederrhein, nach der uns der Landesdatenschutzbeauftragte ziemlich eindeutig nahegelegt hatte, auf die Nennung von Namen zu verzichten“, erläutert Tiemann.

Offenbar hatte sich im westdeutschen Handball über Jahre niemand ernsthaft mit den Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung auseinandergesetzt. „Als ich vor 35 Jahren meinen Pass bekommen habe, hat nie einer gefragt, ob meine Daten öffentlich sein dürfen“, erklärt Tiemann. „Das trifft im Prinzip auf alle Spielerpässe zu, die älter als zwei, drei Jahre sind.“

Nachdem vom Landesdatenschutzbeauftragten eine kräftige Strafandrohung im Raume gestanden habe, habe man halt reagieren müssen und sich dazu entschlossen, in den elektronischen Spielberichten nur noch Vornamen zu nennen.

93.000 Spielerpässe für die Tonne?

Zur neuen Spielzeit soll im Rahmen der Systemumstellung auf „Siebenmeter“ auch ein Tool installiert werden, mit dem das Problem behoben werden soll: Dann wird jeder Spieler dazu aufgefordert, sich zu entscheiden, ob sein Name veröffentlicht werden darf oder nicht.

Anders komme man aus der Problematik wohl nicht heraus, so Tiemann: „Die Alternative wäre, alle 93.000 Spielerpässe in Westfalen in die Tonne zu kloppen. Aber ich glaube, das kann auch nicht im Sinne des Erfinders sein.“

Wieso es überhaupt zu einer solchen Entwicklung kommen musste und ob die zuständigen Stellen nicht schon eher hätten reagieren müssen, lässt der Funktionär offen: „Ich sage da lieber nichts zu, da ich noch nicht so lange im Amt bin. Aber das Problem an sich ist seit Jahren bekannt.“

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