Fußball - Kreissportgericht

Kostspieler Spielabbruch

RECKLINGHAUSEN - Die Saison ist noch lang, und im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Aber ob in dieser Spielzeit noch eine Begegnung in der Kreisliga C3 so kostspielig wird wie das Duell zwischen Titania Erkenschwick III und SuS Bertlich II am 28. Oktober? Fraglich.

Auf der Sportanlage an der Esseler Straße war nach rund 80 Minuten Schluss. Als der Unparteiische dem dritten Bertlicher die Rote Karte vor die Nase hielt, marschierte ein Sponsor von SuS auf den Platz, schob den Schiedsrichter zur Seite – oder schubste, wie der zu Protokoll gab – und ordnete an: „Schluss! Wir spielen nicht weiter!“

Seine Begründung vor dem Sportgericht: „Wenn man so verpfiffen wird, macht es keinen Sinn.“ Die Fußballrichter hatten wenig Verständnis: „Auch als Sponsor und Vereinsmitglied haben Sie nicht das Recht, auf den Platz zu laufen und den großen Mann zu spielen“, merkte der Vorsitzende Bruno Ruch an.

Wegen grob unsportlichen Verhaltens brummte das Gericht dem Bertlicher eine Geldstrafe von 250 Euro auf, 100 Euro kostet SuS der Spielabbruch. In einem eigenen Verfahren hatte das Kreissportgericht bereits Bertlichs Trainer wegen Beleidigung des Schiris zu einer Geldstrafe von 75 Euro verurteilt.

450 Euro – eine ziemlich teure Niederlage

Macht inklusive Verfahrenskosten rund 450 Euro. Eine teure Niederlage für SuS Bertlich – denn das Spiel wird 5:0 für Titania gewertet. So stand es beim Abbruch.

Das Bemerkenswerte: Der betroffene Schiedsrichter hatte sich, weil kein Unparteiischer da war, spontan zur Verfügung gestellt – als gelernter Schiri wohlgemerkt. Ganz anders bei DTSG Herten III gegen SV Horneburg II am 4. November.

Bei der Partie in der Kreisliga C4 übernahm ein Fußballfreund aus den Reihen der Gastgeber, ein „echter“ Schiri war nicht angesetzt. Man habe bei den Horneburgern nachgefragt, wie es sich gehört. Die hätten zugestimmt. „Dann habe ich halt angepfiffen“, sagte der Unparteiische vor dem Sportgericht. Aus seiner Sicht war es dann ein normales Spiel.

Bis zur 88. Minute. Oder bis zur 81. Das ist strittig, ein Spielbericht wurde nie angefertigt. Der Aushilfs-Schiedsrichter jedenfalls pfiff beim Stand von 3:2 Foulelfmeter für DTSG. Der habe das Fass zum Überlaufen gebracht, berichtete Horneburgs Trainer Steven Redl. Einwürfe, Fouls, irreguläre Tore: „Es waren so viele Dinger gegen uns. Da konnte bei uns kein Spiel aufkommen.“ Da sei man eben vom Platz gegangen.

Gelbe oder Rote Karte? „Habe ich nicht dabei“

Tiefpunkt aus Sicht der Gäste: Ein Hertener habe einen Gästekicker im Beisein des Schiedsrichters beleidigt. Ein Wort, das mit „H“ beginnt und auf der Silbe „sohn“ endet. Die Sanktion des Unparteiischen blieb aus. Er sei ja kein richtiger Schiedsrichter, habe der gemeint, er könne niemand vom Platz stellen. Und Karten habe er gar nicht dabei.

Hinten im Saal des Sportgerichts sackte Harald Woller, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, als Zuschauer in seinem Stuhl zusammen. Die Szene lässt erahnen, was droht, wenn immer weniger aktive Schiedsrichter zur Verfügung stehen.

Immerhin, bei der entscheidenden Szene war der Herr über alle Schiris im Kreis auf der Seite des Hertener Aushilfs-Referees. Der Angriff, der zum Foulelfmeter führte, ist in einem Handyvideo festgehalten. Woller nach Studium der Bilder: „Den kann man geben.“

Elfmeter oder nicht – das Sportgericht hatte in der Sache keinen Zentimeter Spielraum. DTSG Herten II muss wegen der Umstände der Partie 50 Euro Ordnungsgeld berappen, der SV Horneburg II für den eigenmächtigen Spielabbruch die vorgesehene Strafe von 100 Euro.

Die Partie wird mit 2:0 für DTSG gewertet. Womit das Gericht dem Schlusslicht den größten Saisonerfolg beschert hat: Statt eines Zählers hat DTSG III nun satte vier Punkte auf dem Konto.

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