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Bei der Hallenstadtmeisterschaft in Oer-Erkenschwick war es im Spiel zwischen Titania und Rot-Weiß zu einer Rudelbildung gekommen.

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Geldbuße: Was passiert, wenn der Verurteilte nicht zahlen will 

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Verhängt das Kreisportgericht eine Geldbuße gegen ein Vereinsmitglied, darf nicht die Gemeinschaft zur Kasse gebeten werden. Doch was passiert, wenn der Verurteilte nicht zahlen will? 

  • Das Kreissportgericht verhängt eine Geldbuße gegen einen Co-Trainer von RW Erkenschwick.
  • Der Verurteilte akzeptiert die Strafe nicht und will die Geldbuße nicht zahlen. 
  • Jetzt droht ihm unter Umständen sogar der Vereinsausschluss. 

Es komme nicht allzu häufig vor, dass er in seinen Urteilen persönliche Strafen in Form von Geldbußen verhängt, sagt Dieter Lasarz, seit dem 1. Juli 2019 stellvertretender Vorsitzender beim Kreissportgericht. „In dieser Saison waren es im Kreis genau drei Fälle, soviel ich weiß“, sagt der 60-jährige Maschinenbau-Ingenieur aus Datteln. Zu Beginn der Saison hatte es zwei Trainer erwischt, die sich unsportlich verhalten hätten. Bei der Hallenstadtmeisterschaft in Oer-Erkenschwick Anfang Januar gab es dann den dritten Fall, der die Rot-Weißen jetzt beschäftigt.

125 Euro für unsportliches Verhalten

Bei den Titelkämpfen in der Willi-Winter-Halle war es im Spiel zwischen SV Titania und Rot-Weiß zu einer Rudelbildung gekommen. Eray Aksahin, spielender Co-Trainer bei RWE, der im Spiel zuvor bereits die Rote Karte gesehen hatte und daher auf der Tribüne saß, hielt es in der Szene offenbar nicht auf seinem Platz, wie einige andere auch. „Wir hatten die Aussagen der beiden Schiedsrichter und wir hatten auch Bildmaterial. Es war eindeutig, dass er während des Spiels aufs Feld gestürmt war. Und dort hatte er absolut nichts zu suchen. Er war zu dem Zeitpunkt schließlich nur noch Zuschauer“, klärt Lasarz den Sachverhalt auf. 

Von der Tribüne direkt ins Getümmel

Das Kreissportgericht sah es als erwiesen an, dass „Aksahin von der Tribüne auf die Spielfläche gestürmt ist und sich dort ins Getümmel eingemischt hat“, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Kammer wertete das Verhalten Aksahins daher als grob unsportlich und verhängte eine Geldbuße in Höhe von 125 Euro gegen den Spielertrainer, zu zahlen innerhalb von 14 Tagen an die Kreiskasse. Zudem muss der Verein die Kosten des Verfahrens in Höhe von 15 Euro übernehmen. „Wir haben jetzt auch eine Rechnung darüber bekommen“, sagt Ingo Cinkus, Geschäftsführer bei RWE. Doch wer zahlt diese? „Wir haben dem Spieler bereits eine schriftliche Aufforderung zukommen lassen, nachdem er sich im Gespräch geweigert hat, die 140 Euro zu zahlen“, sagt Cinkus. 

Vereine sind für ihre handelnden Personen verantwortlich 

Aksahin selbst verteidigt sein Verhalten. „Hier wurde mit zweierlei Maß gemessen. Die Entscheidung ist lächerlich. Ich war schließlich nicht der einzige Zuschauer auf dem Platz. Ich werde das aus Prinzip nicht zahlen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Vereine sind grundsätzlich für ihre handelnden Personen verantwortlich, können also auch in Mithaftung genommen werden“, erklärt der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey dazu. Allerdings wird den Verantwortlichen in solchen Fälle auch auferlegt, dass sie sich das Geld vom Verursacher zurückholen müssen. 

Geld vom Verursacher zurückholen

„Viele Vereine regeln das mit ihren Trainern über die Aufwandsentschädigung. Da bekommt der Übungsleiter dann eben einen Monat mal kein Geld“, sagt Dieter Lasarz dazu. Was aber tun, wenn eine solche monatliche Zahlung gar nicht vereinbart ist? „Wir werden uns das Geld auf jeden Fall zurückholen, notfalls auf juristischem Wege“, versichert Ingo Cinkus. „Machen wir das als Verein nämlich nicht, gefährden wir unsere Gemeinnützigkeit. Es kann ja nicht sein, dass unsere Minikicker mit ihren Mitgliedsbeiträgen für solche Rechnungen mitbezahlen müssen“, echauffiert sich der RWE-Funktionär. 

Satzung für alle Mitglieder bindend

Schließlich stehe das auch so in der Satzung. „Und die hat jedes Mitglied bei Vereinseintritt anerkannt“, sagt Cinkus. Das Thema habe er übrigens auch auf die Agenda für die nächste Vorstandssitzung gesetzt, wo man auch über einen möglichen Vereinsausschluss beraten will. „Der Imageschaden, der entstanden ist, ist in meinen Augen noch viel größer als diese 140 Euro“, sagt Ingo Cinkus.

Bei der Stadtmeisterschaft hatte es weitere Platzverweise gegeben. 

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