Vor 40 Jahren

Als Bayern seine Schuld einlöste...

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OER-ERKENSCHWICK - Fast wäre es in diesem Jahr zu einem WM-Finale zwischen Deutschland und den Niederlanden gekommen. Wie schon damals, am 7. Juli 1974 im Olympiastadion München. Gerd Müller schoss damals den entscheidenden Treffer. Nur fünf Monate zuvor spielten Müller, Beckenbauer, Maier, Hoeneß und Co. mit dem FC Bayern München im Stimbergstadion in einem Freundschaftskick gegen die Spvgg. Erkenschwick. Auf dem Feld stand dabei auch der damals 24-jährige Peter Anders.

„Das ist schon so lange her. Darüber darf man gar nicht nachdenken“, so Anders. Der heutige Jugend-Trainer der Spvgg. hat es sich im Vereinsheim auf einem Stuhl bequem gemacht und überlegt kurz. „Die Bayern hatten damals etwas gutzumachen“, erinnert er sich. Sieben Jahre vorher, am 4. Februar 1967, trafen beide Klubs bereits im DFB-Pokal-Achtelfinale aufeinander. Gerd Müller hatte beim 1:3-Auswärtserfolg der Münchner mit zwei Treffern entscheidenden Anteil am Einzug ins Viertelfinale. Nach der Partie trafen sich die Mannschaften und Vereinsvertreter noch in der Gaststätte „Stadion-Klause“ am ehemaligen Hallenbad. Am Tresen unterhielten sich Spvgg.-Geschäftsführer Heinz Cichutek und Bayern-Manager Robert Schwan. „Damals hat er dem Schwan das Versprechen abgeluchst, noch einmal zu einem Freundschaftsspiel vorbeizukommen“, weiß Anders.

Jahre vergingen. Im Frühjahr 1974 machten die Klubs dann endlich Nägel mit Köpfen. Bayern gastierte am 22. Bundesliga-Spieltag samstags beim Wuppertaler SV, einen Tag darauf machte die Mannschaft von Trainer Udo Latte einen Abstecher in die Stimbergstadt. „Das war für uns natürlich eine tolle Sache“, blickt Anders zurück. „Die kamen hier mit dem Bus an. Wir waren natürlich sehr motiviert.“ Kein Wunder: Bayern war damals auf dem Weg zur fünften Deutschen Meisterschaft und zum ersten Triumph im Europapokal der Landesmeister. Knapp 11 000 Zuschauer ließen sich das Spektakel im Stimbergstadion nicht entgehen.

Und zur Freude der Oer-Erkenschwicker Fangemeinde hielten die Jungs ganz gut mit. „Das war ein Spiel auf Augenhöhe“, beschreibt Anders. Karl-Heinz Seidenkranz brachte die Gastgeber sogar überraschend mit 1:0 in Führung. Die Favoriten aus München drehten die Partie noch. Immerhin: Die Spielvereinigung erzielte noch zwei weitere Treffer. Durch Dieter „Jonny“ Renfert und Peter Anders, der nicht unbedingt als Torjäger bekannt war. „Ich hatte in der Partie einen schweren Gegenspieler. Ich war ja schon schnell. Aber Uli Hoeneß hatte mit Ball so einen Speed drauf, dass es nicht leicht war, den Anschluss zu halten“, berichtet Anders. An seinen Treffer, den er gegen Nationaltorwart Sepp Maier schoss, kann er sich allerdings nicht mehr genau erinnern. „Ich war eh meist nur bemüht, gegnerische Angriffe abzuwenden.“

Nach der Partie ging es natürlich standesgemäß in die „Stadion-Klause“. Vereinswirt Kubzik tischte reichhaltig auf. Zigeuner- oder Jägerschnitzel. Dazu Kartoffeln und Gemüse. „Am Essen haben alle teilgenommen. Auch die Bayern-Spieler. Wir haben gemeinsam gegessen und danach auch noch ein paar Gläschen getrunken. Anschließend sind die Jungs wieder nach Düsseldorf gefahren, um ihren Flieger nach München zu erwischen.“ Anders schwärmt noch heute von der tollen Atmosphäre nach dem Spiel. „Das waren ganz natürliche Jungs, ein total lockeres Essen in einer öffentlichen Kneipe. So etwas wäre heute unvorstellbar.“

Ausgerechnet ohne Torerfolg an diesem Tag blieb Gerd Müller. Anders: „Ihn haben wir ganz gut neutralisiert.“ Das können nur die wenigsten Mannschaften von sich behaupten. Das bekam auch die Niederlande fünf Monate später zu spüren...

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