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Kai Welter, Mark Welter und Tino Leushacke (v.l.) vom Gladbach-Fanklub „Ponderosa Fohlen“ aus Oer-Erkenschwick haben ihre „Doppelgänger“ schon anfertigen lassen. Die „Pappkameraden“ wurden im Stadion installiert.

Fußball

Trotz Corona sind drei Gladbach-Fans aus Oer-Erkenschwick stets im Borussia-Park

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Wenn Bayer 04 Leverkusen am 23. Mai bei Borussia Mönchengladbach aufläuft, dann sind drei Fans aus Oer-Erkenschwick trotz Geisterspiel auf der Tribüne mit dabei - ganz sicher.

  • Borussia Mönchengladbach stellt Pappfiguren im Stadion auf
  • Auch die Ponderosa-Fohlen aus Oer-Erkenschwick sind "echte Pappkameraden"
  • Ein Fanclub-Mitglied schafft es sogar auf's Cover vom kicker

Bislang haben sie in der laufenden Saison noch kein Spiel von Borussia Mönchengladbach verpasst. Ob auswärts oder im Borussia-Park – mindestens eine Handvoll „Ponderosa Fohlen“ aus Oer-Erkenschwick war immer live vor Ort. Auch die zwei internationalen Auftritte des Traditionsvereins hat beispielsweise Kai Welter, zweiter Vorsitzender des offiziell als Nummer 582 eingetragenen Fanklubs, nicht verpasst, war in Rom und Graz im Stadion.

Und jetzt? Ende der Woche startet die Bundesliga wieder. Gladbach spielt am Samstagabend bei Eintracht Frankfurt, empfängt dann eine Woche später Bayer Leverkusen. Grundsätzlich findet alles natürlich vor leeren Rängen statt. Es ist schließlich Corona-Zeit, Lockdown, Geisterspiele. Wie am 11. März, als die Borussia im bislang ersten und einzigen dieser Art das rheinische Derby gegen den Erzrivalen 1. FC Köln mit 2:1 gewann. Und in leeren Stadien soll es weitergehen. Für den sonst mit über 50.000 Zuschauern stets ausverkauften Borussia-Park stimmt das aber wohl nicht ganz.

Leere Stadien? Das muss nicht sein, hatte sich Ingo Müller (51) gedacht. Der Fan der Borussia ist beruflich als Filmproduzent in Berlin angesiedelt, hat seinen Zweitwohnsitz aber in Mönchengladbach und seinen Plan in die Tat umgesetzt. Mit der Aktion „Sei dabei. Trotzdem!“, gibt er den Fans die Möglichkeit, irgendwie doch im Stadion zu sein, wenn die Borussia spielt.

Ein Papp-Aufsteller kostet 1900 Cent

„Eigentlich hatte meine Frau mich auf die Idee gebracht“, verrät Müller im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Online-Anwendung funktioniert dabei ganz einfach: Name, E-Mail-Adresse eingeben. Geld überweisen. 1900 Cent – in Anlehnung an Gladbachs Gründungsdatum – kostet ein Pappkamerad. Man wird nach seiner Wunschplatzierung gefragt und dort „verankert“, meist mit einer Holzkonstruktion, die hinter dem Pappaufsteller versteckt ist.

Überwältigende Resonanz

Längst stehen mehr als 13.000 Papp-Fans im Stadion – viele weitere sind in der Produktion. Sogar ein paar Auswärts-Zuschauer stehen bereits im Gästeblock. „Mit so vielen hatten wir zu Beginn wirklich nicht gerechnet“, sagt Müller. Am Ende soll der „Park“ wieder ausverkauft sein. „Das wäre ein Traum!“ Fangesänge wird es nicht geben. Das hat die DFL untersagt.

Das Trio vom Stimberg mit Kai und Mark Welter sowie Tino Leushacke sitzt bei den Heimspielen auch sonst immer nebeneinander. In der Nordkurve, wo die „echten“ Borussia-Fans mitfiebern – Block 16A, Reihe 4 auf den Plätzen 31 bis 33 stehen nun ihre Doppelgänger aus Holz, Pappe und Kunststoff und warten auf den Anpfiff.

Kaufmanns „Kopp“ sogar auf dem Kicker-Cover

„Eine coole Aktion, die wir natürlich gerne unterstützen“, sagt Polizist Kai Welter, Altherren-Torwart von Grün-Weiß Erkenschwick. Andere aus dem Fanklub haben ebenfalls schon ihren „Pappkopp“ im weiten Rund platziert. Torsten Kaufmann beispielsweise, ebenfalls Mitglied der „Ponderosas“ und in der heimischen Fußballszene als Trainer bekannt, schaffte es letztens sogar aufs Cover des Kicker mit seinem „Doppelgänger“. Das Fußball-Fachmagazin hatte über die Aktion von Ingo Müller berichtet.

Bei der geht es übrigens nicht um Kommerz. Die 19 Euro werden einzig und allein in die Produktion der Pappkameraden gesteckt, ein Teil ans Fanprojekt gespendet. Keiner verdient daran. Ingo Müller ist es aber ganz wichtig, dass seine Aktion richtig verstanden wird. „Eigentlich bin ich auch gegen Geisterspiele. Und um das klar zu stellen: Unsere Pappkameraden ersetzen die Fans nicht. Ich sehe sie als Mahnmal an den Fußball. Ohne Fans funktioniert der Fußball nicht!

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