Sportanlage SSC Recklinghausen
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Bestes Fußballwetter herrschte am Mittwochmorgen auf dem Platz des SSC Recklinghausen. Doch auch hier sind für die Amateurfußballer die Tore verschlossen.

Fußball

Couch für den Coach - was Trainer und Funktionäre über die Zwangspause denken

  • Jochen Börger
    vonJochen Börger
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  • Olaf Nehls
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Der Amateur-Fußball ruht, die Corona-Pandemie hat auch den Sport fest im Griff. Aber wie bewerten Trainer und Funktionäre eigentlich die Tatsache, dass Profis spielen dürfen?

Wenn die Couch für einen Coach an einem Sonntagnachmittag im November statt der Seitenlinie zur neuen Heimat wird, ist irgendetwas nicht normal in Amateur-Fußball-Deutschland. Die Corona-Pandemie erwischt die Vereine härter denn je in diesem Monat. Die Profis sind indes weiter am Ball. Was sagen die Vertreter an der Basis?

Christoph Meyer sieht die Sache ganz pragmatisch. „Dass wir jetzt nicht mehr spielen können, daran können wir nichts ändern“, sagt der Trainer des Recklinghäuser Bezirksligisten SG Suderwich. Auf der anderen Seite müsse man akzeptieren, dass es sich bei Profi-Vereinen um Wirtschaftsbetriebe handelt. „Dass in der Bundesliga weitergespielt wird, kann ich auch irgendwie nachvollziehen. Für uns ist einfach wichtig, dass wir gesund bleiben. Und dass wir zumindest noch Bundesliga oder Champions League im Fernsehen schauen können, ist ja auch nicht schlecht.“

„Irgendetwas ist skurril!“

„Das ist ein Thema, das man differenziert betrachten muss“, urteilt Thomas Droste, Trainer des A-Kreisligisten SuS Bertlich. Für die wirtschaftlichen Zwänge eines Profi-Vereins äußert er durchaus Verständnis. „Und natürlich hat die Gesundheit immer Vorrang. Aber wenn ich sehe, dass ein Serge Gnabry bei Bayern München erst positiv getestet wird und dann negativ, mit der Mannschaft aber nichts passiert, wir in Bertlich aber gleich 14 Tage in Quarantäne geschickt wurden, ist das alles etwas skurril.“

Für Holger Gehrmann, Nachwuchstrainer bei der Spvgg. Erkenschwick, ist es eine „echte Sauerei“, dass die Profis munter weiterkicken, die Amateure das aber nicht dürfen. „Mir ist nicht ein Fall bekannt, wo sich jemand beim Amateurfußball angesteckt hat. Das passiert ganz woanders“, echauffiert sich der A-Lizenzler. „Bei uns stehen 22 Mann auf einem riesigen Spielfeld zusammen. Das ist jetzt verboten. In Schulbussen sitzen die Jugendlichen dann morgens aber wieder dicht an dicht“, sagt Gehrmann und fordert gleiches Recht für alle: „Wenn ich den Amateuren ihren Sport verbiete, kann ich ihn den Profis nicht gleichzeitig erlauben. Das hat auch etwas mit Vorbildfunktion zu tun.“

„Profiklubs haben andere Möglichkeiten“

Das sieht Bernd Spriewald, Seniorentrainer bei Teutonia SuS Waltrop, etwas differenzierter. „Der Aufwand, den wir zuletzt im Verein an den Spieltagen betreiben mussten, damit alle Regeln eingehalten werden können, war enorm und auch personell nicht mehr zu leisten. Da haben die Profiklubs ganz andere Möglichkeiten mit ihren vielen Angestellten“, sagt er. „Und dann werden die Profis ja auch fast täglich getestet. In unserem Umfeld hatte ein Spieler eindeutige Symptome, wollte daher unbedingt einen Test machen und hat den aber erst zwei Tage später bekommen. Da hatte er schon seine komplette Berufsschulklasse infiziert. Das passiert bei den Profi-Fußballern nicht.“

„Eine gewisse Ungerechtigkeit ist da natürlich nicht von der Hand zu weisen“, sagt Dominik Lasarz aus dem Vorstand der DJK SF Datteln. „Der Sport ist doch der gleiche, ob nun im Amateurbereich oder bei den Profis. Das einzige, was dahintersteckt, ist doch das Geld“, vermutet der Funktionär, der auch Vorsitzender des Kreisjugendausschusses im Fußballkreis Recklinghausen ist. „Die Maßnahmen sind sinnvoll. Richtig wäre es, wenn auch der Spielbetrieb in der Bundesliga eingestellt würde.“

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