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Der Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft (hier im Länderspiel in Frankreich) zieht Kreise auch an der fußballerischen Basis.

Fußball

Salutieren per Militärgruß - Recklinghäuser Mannschaft erklärt: "Mit der Geste wollte..."

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Das Salutieren durch türkische Fußballer hat auch im Fußballkreis Recklinghausen für Unruhe gesorgt: Jetzt hat das Verbandssportgericht Urteile gefällt.

Update 8. November 11.15 Uhr: Jetzt hat das Verbandssportgericht entschieden. Die drei betroffenen Vereine wurden zu Geldstrafen verurteilt. Allerdings gehen die Gelder nicht in die Verbandskasse, sondern sie müssen gemeinnützigen Organisationen wie Sea Watch und Unicef gespendet werden. Hier geht es zum Artikel: 

Update 18. Oktober, 10.16 Uhr: Nach der Geschäftsführung der SG Hillen hat nun auch die betroffene zweite Mannschaft Stellung zu den Militärgrüßen bei der Parte gegen SuS Bertlich 2 am Wochenende bezogen. In der schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Wir versichern, dass es sich am Sonntag nicht um eine politisch motivierte Geste handelte. Von solchen Motiven distanziert sich unser Verein. Wir möchten politisch und religiös neutral bleiben und vertreten die demokratischen Grundprinzipien in Deutschland. Alle Spieler dieser Mannschaft wurden in Deutschland geboren und sind hier aufgewachsen."

Mannschaft aus Recklinghausen: "Kennen und teilen die Werte der Demokratie"

Darüber hinaus erklärt das Team, wieso die Geste als Torjubel gewählt wurde: "Wir kennen und teilen die Werte der Demokratie. Mit der Geste wollte ein Teil der Mannschaft nur den Wunsch äußern, dass die Soldaten gesund zu Ihren Familien zurückkehren. Wir distanzieren uns vom Krieg und der Gewalt und möchten uns bei allen entschuldigen, die diese Geste verärgert hat. Unsere Intention war es niemals Leute zu diskriminieren oder zu provozieren."

Abschließend folgt eine Entschuldigung: "Dies ist eine Aktion, die ausschließlich der 2. Mannschaft und nicht dem Verein zugeordnet werden sollte. Die SG Hillen ist eine Bereicherung für die Stadt Recklinghausen und ein Beispiel für eine multikulturelle Aufstellung eines Sportvereins. Außerdem möchten wir uns als 2. Mannschaft der SG Hillen beim gesamten Verein und bei den Verantwortlichen des Sportverbandes entschuldigen"

Verein aus Recklinghausen gibt Stellungnahme ab

Update 16. Oktober, 18.58 Uhr: Die SG Hillen hat am Abend eine Stellungnahme zu einem Kabinenfoto im Rahmen der Partie zwischen SuS Bertlich 2 vs. SG Hillen 2 veröffentlicht. Hier waren Spieler mit Militärgruß zu sehen. 

Nach Militärgruß in Recklinghausen: Verein distanziert sich

Die Stellungnahme des Vereins: "Die mittels eines Facebook-Bildes (Salut-Gruß) überbrachte Botschaft steht in keinerlei Verhältnis zur grundsätzlichen multikulturellen Aufstellung des Sportvereins. Die sich daraus ergebenden Provokationen oder Diskriminierungen stehen in keinem Einklang mit den jahrelang vertretenen Werten der SG Hillen. Dies ist eine Aktion, die ausschließlich der Mannschaft zugeordnet werden muss, diese wird vom Gesamtverein auf das Tiefste missbilligt."

Nun will die Vereinsführung Konsequenzen aus der Aktion ziehen: "Die Vereinsführung wird zeitnah über die sich ergebenden Konsequenzen beraten. Wir weisen ausdrücklich auf die vom Verein gelebten Werte, wie Fairness, Respekt, Toleranz, Integration und Anerkennung hin."

Update 16. Oktober, 12.15 Uhr:

Mittlerweile hat Muharrem Gürbüz, Geschäftsführer von Genclikspor Recklinghausen, Stellung genommen: "Die Aktion war einfach eine Gedankenlosigkeit, niemand wollte damit provozieren." 

Gürbüz bekräftigt: "Bei uns im Verein geht es um Sport, nicht um Politik. Hier haben in der Vergangenheit schon Kurden, Aleviten, Albaner und Türken in einer Mannschaft gespielt, nie hat es Probleme gebeben. Wieso sollten wir jetzt ein Statement abgeben?"

Einem Verfahren vor dem Verbandssportgericht sieht der Funktionär, der seit 25 Jahren bei Genclik in verantwortlicher Position tätig  ist, mit gemischten Gefühlen entgegen: "Ich weiß nicht, ob jetzt so ein Fass aufgemacht werden muss, nur weil einige sich dumm verhalten."   

 

Update, 16. Oktober, 9.30 Uhr:

Drei Amateurfußball-Vereine aus dem Kreis Recklinghausen müssen sich wegen des Militär-Saluts ihrer Spieler nun vor dem Verbandssportgericht verantworten. Kreisvorsitzender Hans-Otto Matthey bestätigte, dass es sich dabei um dieSG Hillen, um Genclikspor Recklinghausen und um die zweite Mannschaft der DTSG Herten handelt. 

"Wir lassen uns nicht auf der Nase rumtanzen und von Minderheiten kaputtmachen", sagte Matthey nach einer Sitzung des Kreisvorstandes am Dienstagabend zur dpa. Dem Gremium lagen Bilder vor, die die Fälle dokumentieren. "In einem Fall handelte es sich um die komplette Mannschaft, bei den anderen ging es um Gruppierungen von fünf bis sechs Spielern", erläuterte Matthey.

Starkes Zeichen des Fußballverbands

Das Vorgehen solle natürlich auch als Zeichen der Abschreckung dienen. "Wir wollen vermeiden, dass sich solche Vorgänge wiederholen. Deshalb halte ich es für ein starkes Zeichen des Verbandes, dass die Fälle vor seinem höchsten Sportgericht verhandelt werden", erklärte der Kreisvorsitzende: "Ich gehe davon aus, dass wir am nächsten Wochenende keine politisch geprägten Zwischenfälle haben werden."

So berichteten wir bisher:

Der Redaktion bekannt sind drei Vorfälle, wobei zwei, dokumentiert auf Facebook, unmittelbar nach Intervention des Fußballkreises zu Wochenbeginn wieder gelöscht wurden. 

"Politische Bekundungen sind verboten"

Trotzdem droht den Vereinen SG Hillen und Genclikspor Recklinghausen, die die Fotos bei Facebook veröffentlicht hatten, eine Geldstrafe. „Das sind eindeutige politische Bekundungen, die nach den Satzungen des Westdeutschen Fußballverbands verboten sind“, so der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey. „Darüber werden wir nicht hinweggehen.“ 

Der Kreisvorstand will bei seiner turnusgemäßen Sitzung am Dienstagabend das Thema unter anderem auf den Tisch bringen. Da dürfte dann auch das Foto, das die Spieler von DTSG Herten II am letzten Sonntag im Spiel gegen Meckinghoven II beim Torjubel zeigt, ein Thema sein.

DTSG Herten II postet Bild sogar auf DFB-Plattform fussball.de

Das ist sogar auf der offiziellen Ergebnisplattform des DFB – fussball.de – zu sehen. Auch die DTSG erwartet nun eine Strafe. DTSG-Trainer Serkan Sahin distanziert sich auf Nachfrage von den Vorkommnissen: „Sport ist Sport, da gehört Politik nicht dazu.“ 

Auf dem Bild zu erkennen sind fünf salutierende DTSG-Spieler. Sahin: „Der Gruß wird oft missinterpretiert, man zeigt damit eigentlich nur die Ehre für Soldaten.“ In den vergangenen Jahren habe es vielfach ähnliche Bilder von türkischen Fußballprofis gegeben, die seien aber nie Gegenstand irgendwelcher Diskussionen gewesen.

Strafen reichen von Geldbußen bis zu Punktabzügen

In Paragraf 12 der Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes ist geregelt, welche Strafen drohen, wenn sich Spieler und Offizielle „politisch extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend“ verhalten. Das Strafmaß reicht von Geldbußen und Sperren bis zu Punktabzügen.

Zweitligist FC St. Pauli hat dem türkischen Nationalspieler Cenk Sahin gekündigt, weil dieser die militärische Syrien-Offensive seines Heimatlandes in einem öffentlichen Netzwerk begrüßt hatte. Das stehe nicht im Einklang mit den Werten des Vereins, heißt es.

In Bottrop musste die Polizei am Mittwochabend eine Kurden-Demo auf dem Pferdemarkt überwachen. Nach der Veranstaltung kam es jedoch zu tumultartigen Szenen.

Auch die deutschen Fußball-Nationalspieler Emre Can und Ilkay Gündogan sind unter Beschuss. Beide haben ein Foto des türkischen Siegtorschützen Cenk Tosun vom Salut-Jubel zunächst bei Instagram „gelikt““.

Eine Kurden-Demo in Herne gegen den türkischen Militäreinsatz in Syrien eskalierte: Mehrere Teilnehmer attackierten auf ihrem Weg durch die Stadt ein türkisches Cafe und einen Kiosk.

mit dpa-Material

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