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Alles hört bald nicht mehr auf sein Kommando: Nils Müller (r.) erklärte seinen Rücktritt als Headcoach der Recklinghausen Chargers.

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"Bin unendlich dankbar"

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RECKLINGHAUSEN - Drei Jahre lang betreute Nils Müller die Recklinghausen Chargers als Headcoach. Der 26-Jährige erklärte seinen Rücktritt – weil er strukturelle Probleme erkannt hat.

Als Jürgen Klopp erklärte, dass er Borussia Dortmund am Saisonende verlassen werde, begründete er das mit tiefgreifenden Änderungen: „Ein großer Kopf muss weg – und das ist meiner.“ Weil er nicht mehr das Gefühl hatte, „der perfekte Trainer für diesen außergewöhnlichen Verein“ zu sein. Worte, die Nils Müller sofort unterschreiben würde.

Seit 13 Jahren ist der Recklinghäuser in den verschiedensten Funktionen für die Hohenhorster aktiv. Zunächst als Spieler, bis eine Verletzung die aktive Karriere beendete. Dann wechselte der heute 26-Jährige in den Trainerstab, konzentrierte sich zunehmend auf die Offensive und wurde schließlich im August 2015 Nachfolger von Headcoach Heiko Czarnotta. „Ich bin dem Verein unendlich dankbar. Das sind Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann.“

Allerdings sagt der Student der Theologie auch: „Ein Weiter so kann es nicht geben.“ In der Trainersitzung vor gut einem Monat bot der Headcoach seinen Posten an. „Es sind einige Dinge in dieser Saison schiefgelaufen. Dafür übernehme ich die Verantwortung“, sagt der Recklinghäuser über die Sieglos-Saison mit dem Abstieg aus der Oberliga.

„Seit zwei Jahren hatten wir ein Momentum“, blickt der Cheftrainer auf den Durchmarsch von der Landes- und die Oberliga zurück. Aber: „Was uns erfolgreich gemacht hat, ist uns auf die Füße gefallen.“ Beim Neuaufbau setzte der 26-Jährige auf „Teamspirit und Demokratie“. Müllers Analyse: „ In der Anfangsphase hat diese Atmosphäre uns getragen. Als es nicht mehr lief, hat sie uns geschadet.“

In der sportlichen Krise wollte Müller aber nicht den autoritären Führungsstil wählen: „Leuten, mit denen ich jahrelang am Tisch saß und in lockerer Runde ein Bier getrunken habe, sollte ich nun im rauen Ton erklären, dass nur Ergebnisse zählen? Nein. Das ist nicht mein Stil.“ Für Müller ein Fehler im System – der große Kopf, der weg muss. „Der Verein kann das nur mit einer Person von außen lösen. Einem neuen Headcoach, der frischen Wind reinbringt.“

Eine Nachfolge-Regelung gibt es nicht. Fest steht aber, einen totalen Neuaufbau gibt es nicht: „Die Strukturen sind vorhanden, der Kader bleibt im Kern erhalten“, führt Müller aus. Aus den Junioren (siehe Info) erhofft man sich in Kürze einige Zugänge.

Und Müller? „Eine kleine Auszeit“ werde sich der 26-Jährige schon nehmen. „Die letzten Jahre waren schon sehr aufregend.“ Als Autor eines Buchs über College-Football, als TV-Experte für ranNFL, Trainer der NRW-Auswahl und Vollzeit-Student werde ihm die Beschäftigung schon nicht ausgehen, witzelt Müller. Seinem Heimatverein bleibt der ehemalige Headcoach natürlich verbunden. „Wenn es brennt, bin ich ja nur einen Anruf entfernt. Ich kenne Football im Prinzip nur von den Chargers. Aber es wird Zeit, etwas Neues kennenzulernen.“

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