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Die Schiedsrichter-Kabine beim SV Hochlar 28 werden (v.l.) Benedikt Ledabil, Luca Malik, Hendrik Ehm und Benedict Heinrich nicht nutzen, wohl aber die anderer Vereine in der Region. Denn das Quartett wird weiterhin für die Recklinghäuser Fußballer spielen.

Fußball

"Warum tust du dir das an?" - Junioren des SV Hochlar haben keine Angst vor dem Schiri-Job

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Fünf Juniorenspieler des SV Hochlar 28 absolvieren die Schiedsrichter-Ausbildung. Die Berichte über Attacken auf Unparteiische lassen sie kalt. Die Sichtweise habe sich verändert.

  • Juniorenspieler des SV Hochlar 28 haben Schiedsrichter-Ausbildung absolviert
  • Zunächst leiten die Jung-Erwachsenen mit einem Paten die Spiele
  • Ziel ist die Junioren-Bundesliga

Daraus macht Benedikt Ledabil keinen Hehl. Als er Freunden erzählte, dass er Schiedsrichter werden möchte, reagierten ein paar ein wenig irritiert und fragten: „Warum tust du dir das an?“

Der 18-Jährige kann die Skepsis nicht verstehen. „Für mich ist das eine tolle Erfahrung.“ Eine Erfahrung, die er ab sofort mit weiteren A-Jugend-Fußballern des SV Hochlar 28 teilt.

Hendrik Ehm, Benedict Heinrich, Benedikt Ledabil und Luca Malik gehörten wie Kevin Hönscheid (spielt inzwischen für die DJK Sportfreunde Datteln) zu den Teilnehmern des jüngsten Anwärterlehrganges der Kreisschiedsrichtervereinigung.

Den dreitägigen Crashkurs beim FC Marl beendeten die 18-Jährigen erfolgreich und gehören nun zu den sieben Schiedsrichtern, die für den Recklinghäuser Fußball-Verein pfeifen.

Neulinge werden von Paten begleitet

Zunächst aber nur in Freundschaftsspielen. Und das nicht allein, sondern in den ersten Partien als Tandem mit einem erfahrenen Schiedsrichter-Kollegen. „Jeder bekommt einen Paten“, schildert Luca Malik.

Das gebe den Neulingen Sicherheit und nehme ihnen vor der Premiere die Nervosität, ist Benedict Heinrich überzeugt. „Es ist auch ein Vorteil, dass es zunächst nur Freundschaftsspiele sind“, führt der 18-Jährige fort.

In den ersten Spielen stehen die Jung-Schiris zudem unter Beobachtung. Fällt deren Begutachtung positiv aus, dürften sie alsbald Spiele alleinverantwortlich leiten.

Jung-Schiris werden weiter spielen

Die Sorge, dass die Fußballer ihre eigenen Spiele verpassen, wurde schnell zerstreut. „Das ist nur ein Schreckgespenst“, sagt Christian Ehm, der zusammen mit Arno Recker beim SV Hochlar 28 der Ansprechpartner für die Schiedsrichter ist. „Darauf wird geachtet“, pflichtet ihm Benedict Heinrich bei. Auf ihren Sport wollen die Recklinghäuser nämlich nicht verzichten.

Die Idee, Fußballspiele aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen, hatten die fünf Vereinskameraden. „Das ging von uns aus“, sagt Benedict Heinrich. Das war im Frühjahr dieses Jahres. Den nächstfolgenden Anwärterlehrgang verpassten die jungen Männer wegen zeitgleich stattfindender Abiturfeiern. Aufgeschoben bedeutete aber nicht aufgehoben. Ende November setzten die jungen Fußballer ihr Vorhaben um.

Attacken haben keinen Einfluss auf Entscheidung

Obwohl in der Zwischenzeit häufiger von Attacken auf Schiedsrichter berichtet wurde. „Das hatte keinen Einfluss auf unsere Entscheidung“, versichern die Recklinghäuser. Weil sie selbst schon etliche Fußball-Spiele bestritten, die sportlich fair über die Bühne gingen.

Dass über Entscheidungen der Spielleiter diskutiert wird, wissen die Hochlarer Jung-Schiedsrichter aus Erfahrung, die sie in eigenen Spielen oder als Zuschauer in den Stadien oder vor dem Fernseher machen. Durch ihre Ausbildung hat sich die Sichtweise geändert. Es überwiegt Verständnis darüber, dass Fehler passieren können.

Hendrik Ehm stellte seit dem Anwärterlehrgang fest, dass er in Fußballspielen häufiger den Unparteiischen im Blick hat. „Man achtet darauf, wie die Schiedsrichter entscheiden“, erklärt der 18-Jährige. Wie verhält er sich dem Fußballer gegenüber? Auf welche Regel greift er zurück?

Keine Probleme beim Fitnesstest

All das lernten Hendrik Ehm, Luca Malik, Benedict Heinrich, Benedikt Ledabil und Kevin Hönscheid im Crashkurs in Theorie und Praxis. Weil die Fußballer die Spielregeln seit Kindertagen kennen, war dieser Prüfungsteil ebenso kein Problem wie derpraktische Teil mit einem Ausdauerlauf und Sprint. „Das hätte mich auch gewundert“, schmunzelt Arno Recker, der die Hochlarer A1-Jugend mit Holger Möbuß trainiert.

Zusammen mit Christian Ehm steht Recker den 18-Jährigen zur Seite, wobei auch die anderen Hochlarer Schiedsrichter wertvolle Tipps geben. „Sie sollen darauf achten, dass sie sich eine Pfeife holen, die laut und schrill ist“, verrät Ehm.

Die Recklinghäuser können es sich gut vorstellen, irgendwann gemeinsam als Gespann aktiv zu sein. Voraussetzung ist hierfür der Aufstieg in höhere Spielklassen, den die Hochlarer durchaus anstreben. Und zwar nicht nur bei den Senioren. „A- oder B-Jugend-Bundesliga wäre auch schön“, sagt Benedikt Ledabil. „Wenn es schon als Spieler nicht geklappt hat“, wirft Benedict Heinrich lachend ein.

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