Hier Vorgaben des Verbandes, da Auflagen der Stadt und Richtlinien an die eigenen Trainer: Die Corona-Beauftragten der PSV-Handballer, Frank Schuhmann (l.) und Lutz-M. Cebulla, haben inzwischen einen dicken Ordner voll
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Hier Vorgaben des Verbandes, da Auflagen der Stadt und Richtlinien an die eigenen Trainer: Die Corona-Beauftragten der PSV-Handballer, Frank Schuhmann (l.) und Lutz-M. Cebulla, haben inzwischen einen dicken Ordner voll

Handball

Training mit Abstand  und in Kleingruppen - in kleinen Schritten zurück zur Normalität

  • Meike Holz
    vonMeike Holz
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Am 8. März war bei den Handballern der  Polizeisportvereinigung (PSV) Recklinghausen die Welt noch in Ordnung.  Wenige Tage später sah es plötzlich ganz anders aus, das Coronavirus bremste alle aus.

  • Nach Topspiel-Wochenende bei der PSV Recklinghausen kommt virusbedingt die große Leere
  • Vorstand erarbeitet akribisch den Plan zurück ins Training
  • Mit mulmigem Gefühl in die erste Einheit

Spitzenspiel der Oberliga-Handballerinnen Recklinghausen gegen die Ibbenbürener SpVg., zuvor das Halbfinal-Hinspiel um die Westfalenmeisterschaft der weiblichen C-Jugend gegen die HSG Blomberg-Lippe. Frank Schuhmann, der stellvertretende Geschäftsführer der Reckllinghäuser Handball-Abteilung, erinnert sich noch gut an den 8. März.

An jenem Sonntag ist die Tribüne in der Halle Nord an der Halterner Straße während beiden Spielen voll besetzt und die Stimmung bestens – doch ein unsichtbarer Gegner naht mit Riesenschritten: das Coronavirus.

Von jetzt auf gleich von 100 auf 0

"Innerhalb von wenigen Tagen", sagt Schuhmann rückblickend, " ging es von Hundert auf Null herunter. Es war plötzlich eine ziemliche Leere." Mitte März wurde der Spiel- und Trainingsbetrieb ausgesetzt, die Sporthallen im Stadtgebiet waren gesperrt. "Keiner wusste, wie es weitergeht", führt er fort. Für Vorstandsmitglieder, Trainer und Spieler (nicht nur) des Recklinghäuser Handballvereins begann eine Zeit des Ungewissen.

"Auch wenn wir uns nicht viel für das Rückspiel ausgerechnet haben", sagt Markus Fricke, Trainer der eingangs wähnten PSV-C-Jugend, "die Mannschaft hatte richtig Bock darauf." So wie die jungen Handballerinnen nach der letztlich dreimonatigen Zwangspause, die das Trainerteam um Markus Fricke mit Video-Work-outs und Lauf-Challenges so gut es ging überbrückt hat, möglichst schnell wieder in die gewohnte sportliche Umgebung zurückkehren wollten.  "Alle waren glücklich", wieder in die Halle zu dürfen. Für Kinder war es doch eine harte Zeit", gibt der Teamchef einen Einblick in die Stimmungslage der Jugendlichen, die seit wenigen Tagen endlich ihre Freunde wiedersehen.

"Wir haben eine Riesenverantwortung"

Bei aller Vorfreude über die ersten kleinen Schritte zurück zur Normalität "hatte ich bei der ersten Einheit ein mulmiges Gefühl", räumt Fricke offen ein. Frank Schuhmann pflichtet bei: "Wir haben eine Riesenverantwortung."

Daher hat der Vorstand nichts übers Knie gebrochen, sondern akribisch die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs geplant. Erste Ansprechpartner sind die Corona-Beauftragten Frank Schuhmann und Lutz-M. Cebulla, der im Abteilungsvorstand für das Sozial- und Informationsmanagement zuständig ist. Wie umfassend die Planungen sind, zeigt ein großer gelber Order, der inzwischen prall gefüllt ist. "Ich bin noch von der alten Schule", schmunzelt Cebulla, "ich drucke mir Vieles aus."

Wiederholt hat der Recklinghäuser in den letzten Tagen und Wochen in den verschiedenen Richtlinien nachgeschlagen, um etwas Licht ins Dunkel zu bekommen. "Wir kennen uns damit nicht aus. Die Sache hat uns doch alle überrascht."

DHB erstellt Stufenplan

Die Handballer wussten zunächst nicht, wer den Weg aus der Krise vorgibt. Der Deutsche Handball-Bund (DHB), der westfälische Verband oder die Stadt als Eigentümer der Sporthalle? Der DHB veröffentlichte Ende April einen Stufenplan zur Rückkehr in den Spielbetrieb. "Dieser ist rechtlich nicht bindend", sagt Frank Schuhmann. Für den Abteilungsvorstand war er aber Anlass genug, redensartlich die Köpfe zusammenzustecken und erste Schritte zu besprechen.

Trainer müssen die Daten aller Teilnehmer erfassen

Eine Woche später verkündete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die ersten schrittweisen Lockerungen und gab damit den Corona-Beauftragten den Weg frei. Lutz Cebulla, Frank Schuhmann und Co. verschafften sich einen Überblick und gaben die Richtlinien schließlich an die Trainer weiter: Abstands- und Hygiene-Regeln, kontaktloses Training in Kleingruppen, unterschiedlicher Ein- und Ausgang in der Halle und vieles mehr. Stichprobenartig kontrolliert der Vorstand, ob alle Vorgaben eingehalten werden. Zu beanstanden hatten sie bislang nichts.

"Jeden Tag bekomme ich 15 E-Mails", sagt Cebulla. Alle Übungsleiter müssen in jeder Trainingseinheit die Kontaktdaten der Teilnehmer erfassen, die der Coronabeauftragte für den Notfall sammelt. Der bleibt hoffentlich aus, damit bald wieder richtig Handball gespielt werden kann – mit Kontakt.

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