Das Sportgericht des Fußballkreises Recklinghausen befragt einen Zeugen.
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Zeugenbefragung mit Video-Unterstützung: Das Kreissportgericht in Recklinghausen mit (v.l.) Cornelia Eckold, Thomas Michalczak, Dieter Lasarz und Kai Moczyk bei der Arbeit.

Fußball

Kreissportgericht: Nach dem Abbruch gibt es gleich zwei Verlierer

  • Thomas Braucks
    vonThomas Braucks
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Ein Spielabbruch hat den Saisonauftakt in der Kreisliga A1 am 4. September überschattet. 1. SC BW Wulfen und Fenerbahce Marl bekommen nun die Quittung für die Tumulte auf dem Platz. Das Kreissportgericht erklärt das Spiel für beide als verloren. Außerdem verhängt es Ordnungsgelder und Sperrstrafen.

Dass es ein umkämpftes Kreisliga-Spiel war, dass auf dem Platz reichlich verbale Giftpfeile abgefeuert wurden, das registrierte auch Marius Burrichter. Aber niemals hätte er geglaubt, so der Schiedsrichter vor dem Kreissportgericht, dass die Begegnung zwischen dem 1. SC BW Wulfen und Fenerbahce Marl am 4. September im Chaos enden würde.

Zuschauer stürmt auf den Platz

Zumindest bis zur 70. Minute. Burrichter hatte beim Stand von 0:1 einen Foulelfmeter gepfiffen. Der Ball lag auf dem Punkt, der Wulfener Schütze stand bereit. Da gerieten am Strafraum zwei Spieler aneinander. Kommt vor, könnte man meinen. Was nicht vorkommen darf: Ein Zuschauer stürmte auf den Platz und ging auf den Fenerbahce-Kicker los.

Über seine Identität gab es beim Gastgeber zunächst Verwirrung. Bis sich herausstellte, so Dennis Pohlmann, Vorsitzender des 1. SC Blau-Weiß: „Es war der Bruder vom Harun.“ Einer der beiden Streithähne am „Sechzehner“. Nach Wulfener Recherchen habe er sich durch Beleidigungen gegen Bruder und Familie herausgefordert gefühlt.

„Sonst wäre die Sache noch schlimmer ausgegangen“

Augenblicke später war der Tumult auf dem Rasen voll im Gange, wie Videos zeigen. Zwei Dutzend Spieler, Betreuer und Zuschauer gingen aufeinander los. Rempelten, traten, schlugen. Fast alle, so ergaben die Befragungen, hätten in „Notwehr“ gehandelt oder seien nur herbeigeeilt, um zu „schlichten“.

Mit bescheidenem Erfolg. Was auch daran lag, dass einige „Schlichter“ ihre Aufgaben darin sahen, sich munter an der Keilerei zu beteiligen. Auf beiden Seiten habe es aber auch besonnene Akteure gegeben, so das Sportgericht. „Sonst wäre die Sache noch schlimmer ausgegangen“, sagte Thomas Michalczak, der Vorsitzende (VfB Hüls).

Faustschlag schickt den Trainer auf den Boden

Zu diesen Akteuren gehörte Fenerbahce-Trainer Ilker Ciloglu. Mit ausgebreiteten Armen stürzte sich der Marler ins Getümmel, um Streitende zu trennen. Ciloglu hätte besser auf seine Deckung geachtet. „Ich habe noch gesehen, wie einer ausgeholt hat“, berichtete der Übungsleiter vor dem Sportgericht. Dann kassierte er eine Gerade gegen den Kopf und ging zu Boden. Die Folge: ein Hämatom, zwei Wochen Krankenschein.

Elf Zeugen hörte das Sportgericht an, ging immer wieder ein Video von den Tumulten durch. Für Thomas Michalczak und seine Kollegen stand am Ende fest: Beide Klubs haben maßgeblich zum Abbruch beigetragen. Das Spiel neu anzusetzen (wie BW Wulfen hoffte) oder mit einem „Dreier“ für Fenerbahce zu werten (wie die Marler anregten), kam für die Sportrichter daher nicht infrage.

Bis zu neun Monate Sperre

Es wird für beide mit 0:2 gewertet. Dazu verhängte das Gericht Ordnungsgelder – für das Verhalten der Fans, fehlende Ordner und den Abbruch. Für Gastgeber BW Wulfen summieren sich die Strafen auf 250 Euro, Fenerbahce muss 350 Euro zahlen.

Außerdem sprach das Sportgericht Sperren aus. Die längste gegen einen Kicker der Blau-Weißen, der wegen Tätlichkeiten für neun Monate gesperrt ist – drei setzte das Gericht zur Bewährung aus. Ein Gästespieler muss vier Spiele zuschauen, ein anderer zwei Monate. Ein Fenerbahce-Vereinsmitglied, das auf den Platz stürmte, darf drei Monate lang keinen Platz im Fußballkreis betreten.

Beim nächsten Mal droht der Ausschluss

Damit nicht genug: Sollte sich einer der beiden Vereine im Verlauf der Saison einen weiteren Abbruch zuschulden kommen lassen, geht es nicht mehr um Ordnungsgelder – dann droht der Ausschluss vom Spielbetrieb. Corona setze dem Sport schon genug zu, mahnte Thomas Michalczak: „Werdet jetzt nicht zu Totengräbern des Amateurfußballs.“

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