Schwimmen

Spitzensport trifft Campingidylle

Recklinghausen - „Ganz schön kühl hier“, meinte Alexandra Wenk – und damit war sie kein Einzelfall. Nicht wenige Athleten, die beim 4. Nachtschwimmen des SV Blau-Weiß nach ihren Rennen dem Becken entstiegen, legten erst einmal einen zusätzlichen Spurt hin, um möglichst schnell in wärmende Decken oder Bademäntel zu schlüpfen.

Immerhin: Zumindest Alexandra Wenk kann auf Dauer geholfen werden, schließlich stehen in vier Wochen die Weltmeisterschaften an – in Barcelona, wo es garantiert ein paar Grad wärmer sein wird. Und damit ist auch klar: Die Münchnerin repräsentierte im Freibad Mollbeck die Abteilung Spitzensport, zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Ex-Blau-Weißen Marius Kusch, gab sie sich am Samstag die Ehre. Und natürlich schwamm das Duo allen davon: Jeweils vier Starts über 50 m Schmetterling und Rücken standen für beide auf dem Programm, vier Mal pflügten sie sich als Gewinner durch das 23 Grad warme Wasser.

Ein Mini-Makel: Über 50 m Schmetterling lag nach der offenen Vorlaufwertung einer vor Kusch, Florian Zellin (SV Blau-Weiß) war in einem anderen Vorlauf ein paar Hundertstel schneller gewesen. Im Endlauf drehte Kusch dann aber richtig auf und kam bis auf gut drei Zehntel an seine Bestzeit heran (24,89 sec).

Dass Alexandra Wenk ihre Topleistungen nicht ganz erreichte, war überaus verzeihlich: „Ich bin gerade in der harten Trainingsphase für die WM, das sollte mich sehr wundern, wenn ich hier Rekorde erziele.“

Dafür sorgten beide jedoch allemal für ein bisschen Glamour: „Wir mussten schon einige Fotos machen und haben auch Autogramme gegeben“, bestätigte Marius Kusch, der sich als frischgekürter Abiturient noch einmal den Spaß gönnte, im Recklinghäuser Norden „alte Bekannte wiederzutreffen“, ehe er im August oder September nach München übersiedeln wird.

Höhepunkt der Wochenendveranstaltung waren zweifelsfrei auch diesmal wieder die vier Finalrennen, die am Samstag nach 22 Uhr unter Flutlicht ausgetragen wurden und die wie immer Leistung und Atmosphäre in besonderer Weise zusammenführten.

Doch das Nachtschwimmen des SV Blau-Weiß ist noch viel mehr: Überall im Freibad sah man Zeltdörfchen, in denen kleine und große Schwimmer der teilnehmenden Vereine übernachteten. Und als am Samstag die letzte Bahn absolviert war, ging es neben dem großen Nichtschwimmerbecken erst richtig los. Da machte die Band Kraftrock ihrem Namen alle Ehre und ließ es mal so richtig krachen. Getränke und Gegrilltes rundeten die Szenerie ab: Campingidylle unter Sportlern. Die „Stargäste“ Wenk und Kusch waren da allerdings schon wieder weg und zogen gemauerte Wände zum Nächtigen vor.

Aber ein anderes und vor allem auch überraschendes Wiedersehen hatte es bereits am frühen Abend gegeben: Klaus-Uwe Becker war samt Gattin zu einem Spontanbesuch in der Mollbeck aufgetaucht – und der Mann ist nicht einfach irgendwer: 1971 wurde Becker Deutscher Meister über 200 m Lagen, er startete damals für den SV Blau-Weiß. Und das Außergewöhnliche an diesem Erfolg ist: Weder vor noch nach Becker kam ein Deutscher Meister im Schwimmen aus Recklinghausen – das ist im reinsten Wortsinne einzigartig. Und Becker kam der Aufforderung, ein paar Siegerehrungen zu übernehmen, gerne nach

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