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Bald wieder vereint oder nicht? Bundestrainer Otto Becker (l.) und Springreiter Christian Ahlmann.

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Ahlmann: Championate nicht um jeden Preis

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MARL - Daniel Deußer ist in der vergangenen Woche vorgeprescht. Deutschlands aktuell erfolgreichster Springreiter sagte, er könne sich durchaus vorstellen, bei Welt- und Europameisterschaften demnächst für Belgien zu starten.

Wie sein Reiterkollege Christian Ahlmann auch, weigert sich der 37 Jahre alte Weltranglistenfünfte, die Athletenvereinbarung der FN zu unterschreiben. Die hatte der Verband 2017 eingeführt.

Christian Ahlmann berichtet am Rande der Zangersheide-Hengstschau in Alt-Marl, dass er seit Deußers Ankündigung „bestimmt 30, 40 Interviewanfragen zu dem Thema“ hatte. Sich öffentlich geäußert hat er bislang nicht.

In der Reithalle Rohmann wirkt der Marler am Dienstagabend entspannt. „Ich bin kurz vor der Rente, ich muss mir da keine grauen Haare wachsen lassen“, scherzt Ahlmann. Er weiß: Bundestrainer Otto Becker hätte gerne ihn und Daniel Deußer im Team.

In der Weltrangliste rangieren nur noch drei deutsche Springreiter unter den Top 30: Deußer (5.), Ahlmann (18.) und Marcus Ehning auf Platz vier. Auf zwei von ihnen muss Becker bislang verzichten – weil sie die Athletenvereinbarung ablehnen.

Deußer hat sich bislang am ausführlichsten geäußert. Seine Hauptkritikpunkte an der Vereinbarung sind diese:

• Den Reitern wird im Streitfall der Gang vor ein ordentliches Gericht untersagt.

• Der Reiter muss 90 Tage im Voraus alle Maßnahmen und Aufenthaltsorte dokumentieren. Reiter aus anderen Nationen würden nicht solchen Einschränkungen unterliegen.

• Der Reiter haftet alleine – auch für einen Medikationsbefund, den etwa der Tierarzt zu verantworten hat: Weil dieser bei einem erkrankten Pferd die Karenzzeit falsch berechnet hat. Dazu sei die angedrohte Strafe (sie reicht von einer Geldbuße bis zu einer Sperre von zwei Jahren) überhaupt nicht definiert.

Christian Ahlmann denkt ähnlich, er findet es gut, dass Daniel Deußer die Diskussion neu entfacht hat. Auch Ahlmann hält die Vereinbarung in der aktuellen Form für nicht akzeptabel.

Einen Nationalitätenwechsel ist bei ihm, der wie der in Wolvertem tätige Daniel Deußer weite Teile seiner Zeit in Belgien verbringt, wohl keine Option, wie er in Alt-Marl sagt: „Championate sind schön und ich habe sie immer gerne gemacht. Aber nicht mehr um jeden Preis.“

Die FN scheint bemüht, eine Lösung zu finden. In diesem Jahr steht die Europameisterschaft an, im kommenden Olympia: Bleiben dort die Medaillen aus, droht eine Kürzung der Sportförderung durch den Bund.

Ob Christian Ahlmann noch einmal das rote Jackett mit dem Bundesadler überziehen wird, lässt er offen: „Es muss Spaß machen, und man muss vertrauensvoll zusammenarbeiten können“, sagt er. Den in Kürze folgenden Gesprächen mit der FN, die auch Daniel Deußer führen will, sieht der 44-Jährige gelassen entgegen.

Graue Haare will er sich ja keine wachsen lassen, so kurz vor der Rente.

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