Celina Rothe mit ihrem Pferd Aalyah
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Freude über eine gute Vorstellung, wie sie Celina Rothe mit ihrem Pferd Aalyah zeigt, war 2020 selten: Gerade für den Nachwuchs gab es so gut wie keine Reitturniere

Reitsport

Die Reiterliche Vereinigung hat eine ernüchternde Turnierbilanz gezogen - so sieht es aus bei den Vereinen

  • Olaf Krimpmann
    vonOlaf Krimpmann
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Die Reiterliche Vereinigung (FN), der Dachverband der deutschen Reiter, hat Turnierbilanz für 2020 gezogen. Überraschend sind die Ergebnisse nicht, aber doch besorgniserregend.

Pandemiebedingt ist die Zahl der Reitturniere um satte 50 Prozent eingebrochen: Wurden 2019 national noch 3567 Turniere ausgerichtet, waren es im Corona-Jahr 2020 nur 1880. Der Ausblick auf 2021 verheißt nichts Gutes: Wegen des grassierenden Equinen Herpesvirus sind bis Ende der Woche ohnehin alle Reitveranstaltungen untersagt. Profis hatten zuletzt verstärkt für sogenannte Late-entry-Turniere gemeldet, die einen ungeheuren Boom erfahren (von 354 in 2019 auf 698 im Jahr 2020). Dort waren unter Hygienebestimmungen Starts möglich. Um die Ausbreitung des Herpesvirus zu stoppen, wurden allerdings auch diese Turniere von der FN verboten.

65 Prozent weniger Prüfungen für Anfänger und Einsteiger

Ganz arg hat es durch Corona allerdings die reiterliche Basis getroffen: Die Startmöglichkeiten bei A- (Anfänger) und E-(Einsteiger)-Prüfungen sind 2020 um rund 65 Prozent zurückgegangen. Grund: Erst der Lockdown im Frühjahr, dann die Hygienebestimmungen bei Veranstaltungen aller Art. „Bei Turnieren auf A- und E-Basis brauchen die Reiter einen Fahrer, da sind Mama und Papa, Oma und Opa dabei“, erläutert Jörg Niepel, Sprecher aus dem Vorstandsteam des LZRFV Marl. „Das kann man als Veranstalter auch mit einem Hygienekonzept gar nicht händeln.“

Late-entry-Turniere immer beliebter bei den Profis

Der kreisweit wohl mitgliederstärkste Verein ist gebeutelt: 2020 mussten sowohl die traditionellen Turniere auf dem Hof Thier als auch bei Ostgathe und Rohmann abgesagt werden. „Bei Thier haben wir wenigstens einen Reitertag hinbekommen“, blickt Niepel zurück. „Aber das ist kein Vergleich.“ Für 2021 rechnet der Sprecher nicht mit einer baldigen Besserung. „Ernsthaft planen können wir – wenn überhaupt – mit einem Turnier im September“, sagt Niepel. Was weitreichende Folgen für den Verein habe: Die oft mehrtägigen Turniere werfen durch den Verkauf von Speisen und Getränken wichtiges Geld für die Vereinskasse ab. Geld, das selbst durch die populären Late-entry-Turniere nicht hereinkommt: Dort sind in der Regel Profis zugegen, die eben nicht – wie Reiter auf Turnieren nach WBO, der Wettbewerbsordnung – die ganze Familie mitbringen. „Ein Turnier muss sich rechnen“, so Niepel. Hufschmied, Richter und Tierarzt müssten immer bezahlt werden, egal ob Zuschauer auf der Anlage sind oder nicht.

LZRFV Marl halbiert die Mitgliedsbeiträge

Der Marler Fusionsverein war ambitioniert ins Jahr 2020 gestartet. Nach einem Jahr Pandemie ist man froh, den Zusammenschluss hinbekommen zu haben: „Ohne die Fusion wäre es vielleicht eng geworden“, räumt Niepel ein. Dennoch muss der Klub der Situation Tribut zollen. Der Vorstand hat sich dazu entschlossen, die Mitgliedsbeiträge zu halbieren. Zum einen, weil er seinen Mitgliedern keine Lehrgänge anbieten oder Turnierstarts ermöglichen kann. Zum anderen, um den Mitgliedern entgegenzukommen, die möglicherweise selbst (etwa durch Kurzarbeit) von der Pandemie betroffen sind. Die Stimmung gerade unter den Nachwuchsreitern sei zwar nicht mies, aber auch nicht unbedingt gut. Niepel: „Die Kinder dürfen ihre Pferde bewegen, aber es ist schade, dass sie das Erlernte nicht bei Turnieren zeigen können. Jedes Kind freut sich doch über eine Schleife.“ Der Wunsch nach Normalität sei riesengroß. Die Mitgliederzahlen seien zum Glück stabil, so der Marler. Aber das sei trügerisch: „Wir haben 2020 kein neues Mitglied gewinnen können. Die Folgen werden wir wohl erst später zu spüren bekommen.“

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