Genclikspor Recklinghausen gegen Erle 19
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Am 25. Oktober 2020 ging’s im Amateurfußball zum letzten Mal um Punkte in dieser Saison – auch im Eintrachtstadion in Recklinghausen, wo Hüseyin Kerter (r.) mit Genclikspor gegen die SpVgg Erle 1919 mit 2:3 verlor.

Fußball

Saisonabbruch oder weiterspielen? - das sagen die Kapitäne der Kreisligisten

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Soll man die Spielzeit im Amateurfußball noch fortsetzten oder nicht? Darüber sind sich die Kreisliga-Klubs längst nicht ganz einig

Seit Ende Oktober 2020 ruht in Deutschland der Amateurfußball. Der Corona-Lockdown legt seither den Spiel- und Trainingsbetrieb der Amateurkicker lahm. Alle müssen sich in Geduld üben. Wir wollten von den Fußballern wissen, ob sie die aktuelle Saison überhaupt noch fortsetzen wollen, wenn es wieder erlaubt ist, oder ob sie für einen Abbruch plädieren und haben dazu Mannschaftskapitäne der Kreisligisten befragt.

„Das ist ein schwieriges Thema, ich bin zwiegespalten“, sagt Niklas Matena (22) vom Recklinghäuser A-Kreisligisten SV Hochlar 28. Auf der einen Seite wolle man als erfolgreiches Team (die Hochlarer belegen derzeit punktgleich mit Tabellenführer FC 96 RE den zweiten Platz, haben aber zwei Partien weniger ausgetragen) so schnell wie möglich auf den Platz. Nur dürfe eine solche Entscheidung nicht über das Knie gebrochen werden. „Das Konzept muss stimmen. Und man muss sicher mindestens drei Wochen Trainingsphase einkalkulieren.“

Ganz ähnlich sieht es auch Mike Winter, Kapitän des B-Kreisligisten SV Titania Erkenschwick. Der 24-jährige Student betrachtet die Sache aus verschiedenen Perspektiven: „Natürlich fehlt uns allen die Gemeinschaft, das gemeinsame Bierchen nach dem Training oder Spiel. Aber solange die Schulen nicht wieder geöffnet haben, die Kitas, Restaurants oder Geschäfte, sollten wir den Amateurfußball nicht an erster Stelle sehen. Da gibt es Wichtigeres.“

Winter würde daher mit einem Saisonabbruch gut leben können und stattdessen bis zum Beginn der nächsten Spielzeit einfach Freundschaftsspiele bestreiten wollen, wenn das wieder möglich ist. „Natürlich sehen das die Vereine in den höheren Klassen anders. Da geht es ja auch schon um Geld“, sagt er. Auch von der 50-Prozent-Regel hält der Oer-Erkenschwicker nicht viel: „Nach der Hälfte der Spiele will ich nicht aufsteigen. Das fühlt sich irgendwie nur halb fertig an.“

Für Timo Brummund, Spielführer des A-Ligisten SC Marl-Hamm, gibt es als aktiver Fußballer aktuell kaum einen größeren Wunsch, als schnellstmöglich wieder auf den Platz zurückzukehren. „Das sind vor allem die sozialen Kontakte, die uns allen fehlen. Wir beim SC Marl-Hamm sind schließlich fast alle irgendwie befreundet“, sagt der 28-Jährige. Dabei geht es dem Kapitän der Hammer „Löwen“ nicht um Meisterschaft oder Abstiegskampf. „Sportlich geht es für uns ohnehin um nicht mehr viel. Das mag bei anderen anders aussehen“, sagt er. Natürlich sei der Wettbewerb auch für ihn und die Teamkollegen wichtig. „Aber wenn wir keine komplette Saison hinbekommen, dann sollten wir diese auch nicht werten und einfach im Sommer alle wieder bei Null anfangen.“

Die Spieler des Marler A-Ligisten halten sich zwar aktuell in einer Lauf-Challenge fit, auf einen Re-Start vorbereitet sei damit aber niemand. Brummund: „Und zwei Wochen reichen dafür auch keinesfalls aus.“

„So schade das sein mag, aber ich halte unter den aktuellen Umständen einen Abbruch für sinnvoller als irgendwie die Saison zu Ende zu spielen“, sagt Jan Leipe (25), Kapitän des Waltroper B-Kreisligisten FC Spvgg. Oberwiese. Allein sich in so kurzer Zeit durch Training wieder in Schwung zu bringen, sei schwierig. „Man muss vernünftig abwägen – und wenn man sieht, dass ein Re-Start keinen Sinn macht, dann müssen wir das akzeptieren.“

Eine ganz klare Meinung hat Nico Thoneick, Kapitän beim A-Ligisten SW Meckinghoven: „Brecht die Saison ab!“ Der 26-Jährige, in Personalunion Sportlicher Leiter im Dattelner Süden, hält nichts davon, die Saison bis zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu verlängern: „Wann will man dann fertig werden?“ Ein Abbruch ohne Wertung, eine Spielpause bis in den Sommer und dann ein Neustart unter regulären Bedingen hält Thoneick für den einzig sinnvollen Weg: „Das sage ich nicht nur, weil wir mit Meckinghoven Letzter sind. Ich fände es auch Mannschaften gegenüber unfair, nur die Hälfte einer Saison zu werten, die um einen Aufstieg mitspielen. Sportlich hätte das in meinen Augen keinen Wert.“

Sebastian Uhle vom B-Ligisten SV Westerholt ist zwiegespalten: „Einerseits wollen wir alle zurück auf den Platz, weil wir den Fußball lieben.“ Auf der anderen Seite ahnt der 32 Jahre alte Hertener: „Wenn man realistisch ist, könnten wir doch vor April gar nicht spielen – wenn überhaupt! Die Fallzahlen sind noch hoch, da muss man auch an die Gesundheit denken. Ich will zocken, aber nicht um jeden Preis.“

Ob eine Fortsetzung Sinn mache, „bleibt die Frage“. Wichtiger sei es, überhaupt ins Training zurückkehren zu können: „Wieder die Jungs sehen, das Bierchen nach dem Training – ich glaube, das fehlt den Fußballern am meisten.“

Schnieders glaubt an Saisonfortsetzung

Ein generelles Abbruchdatum der Amateurfußballligen wird es vonseiten des Fußball- und Leichtathletikverbandes (FLVW) nicht geben, wie der Vizepräsident Manfred Schnieders jüngst erklärte. „Das ist aufgrund der ungleichen Größe der einzelnen Staffeln nicht möglich.“ Dafür sei Schnieders aber optimistisch, „dass wir in dieser Saison noch einmal auf dem Platz stehen werden.“ Nicht jeder in der Runde zeigte sich in der Diskussion so hoffnungsvoll wie der FLVW-Mann.

Schnieders glaubt weiter an eine Fortsetzung der Saison. Der FLVW-Funktionär vermutet, dass die Fußballer am 4. März von der Sportministerkonferenz neue Signale erwarten könnten.

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