WHO-Studie

Nur vier von fünf Kindern bewegen sich genug: Das empfehlen Kinderärzte in der Corona-Zeit

Waltroper Kinder haben Glück: Sie können den neu geschaffenen Parcours im Stadtpark nutzen. So wie der elfjährige Max, der hier mit Spaß seine Bauchmuskulatur trainiert.

Diese Zahl ist alarmierend: Vier von fünf Kindern im Alter von elf bis 17 Jahren bewegen sich zu wenig. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation WHO. Der Waltroper Mediziner Dr. Benjamin Bode nimmt die Eltern in die Pflicht.

Alarmierend dabei ist: Die Studie bezieht sich auf Daten der Jahre 2001 bis 2016. Jetzt, während der Corona-Pandemie, schrillen bei den Fachleuten die Alarmglocken noch viel lauter. So wie bei Dr. Benjamin Bode aus Waltrop. Der Mediziner ist zudem Jugend-Trainer bei den Basketballern des Gymnastikvereins Waltrop. „Ich musste nach dem ersten Lockdown im Frühjahr beobachten, dass da bereits bei Einigen die koordinativen Fähigkeiten nachgelassen hatten.“

Eine Stunde an der frischen Luft

Er stimmt der Forderung der WHO absolut zu. Die besagt: Kinder und Jugendliche müssen sich täglich mindestens eine Stunde an der frischen Luft bewegen. Bereits vor der Corona-Zeit hatte er in seiner Familien-Arztpraxis beobachtet, dass viele Kinder deutlich träger würden. „Die Neuen Medien sind für die Kinder eine Riesen-Verlockung“, sagt der Waltroper.

Training im Freien mit Freunden findet nicht statt

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Jetzt haben sich die Voraussetzungen noch einmal gänzlich geändert. Das Training mit Freunden im Sportverein findet nicht mehr statt. „Hier besteht auch das Problem, dass die so wichtige Struktur im Tagesablauf dann fehlt“, unterstreicht der Mediziner. Zudem sind die Schwimmbäder geschlossen. Der geliebte Ausflug ins Freizeitbad, der automatisch Bewegung mit sich bringt, fällt ebenfalls weg. Und dann ist es schon um 17 Uhr stockdunkel. Wo und wie sollen die Kinder dann noch an der frischen Luft aktiv sein?

Kein Vorwurf an die Eltern

Dr. Benjamin Bode, selbst Vater von zwei Jungs, weiß, dass hier die Eltern gefragt sind. „Gut wäre es zu schaffen, ein solch gutes Alternativprogramm anzubieten, dass dies den Reiz der Medien kleiner werden lässt.“ Denn der Mediziner weiß auch: „Im Moment sind für viele Eltern Mathe und Deutsch wichtiger. Da rückt die Bewegung in den Hintergrund.“ Er macht den Eltern überhaupt keinen Vorwurf. „Sie sind in ihrem Alltag gefangen und haben Sorgen.“

Geocaching ist eine gute Alternative

Er appelliert an die Eltern, sich die Notwendigkeit der Bewegung ins Bewusstsein zu holen. Eine gute Möglichkeit, Kinder vor die Tür zu bringen: Geocaching. Hier geht es mithilfe elektronischer Geräte auf die Schatzsuche. Natürlich sei es besser, eine Stunde zu rennen, an Ästen Klimmzüge oder auf dem Boden Liegestütze zu machen. „Aber mit dem Geocaching wäre es ja schon ein Erfolg, wenn die Kinder nicht zu Hause sitzen, sondern an der frischen Luft sind.“

Erwachsene sollen mit gutem Beispiel vorangehen

Es mag überraschen, dass Kinder, die sonst zwei- bis dreimal die Woche zum Training gehen, um sich auf die Spiele am Wochenende vorzubereiten, aus dem Takt geraten. „Da kann man beobachten, dass sie aus eigenem Antrieb nicht viel einfordern.“ Umso wichtiger sei es, ihnen Ziele zu setzen. „Und diese dürfen dann auch gerne mit Belohnungen unterfüttert werden“, betont Dr. Benjamin Bode. Und letztlich nimmt er auch hier die Eltern wieder in die Pflicht. „Die Kinder raus zu scheuchen und selbst auf der Coach liegen zu bleiben, bringt natürlich auch nichts. Dann sind eben auch die anderen Familienmitglieder gefragt.“

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