Triathlet und Motivationscoach

Der „Willensschaffer“ - was Andreas Niedrig in seinem neuen Büro plant

  • Olaf Krimpmann
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Corona hat auch die Arbeit von Andreas Niedrig verändert. Seminare leitet der 53 Jahre alte ehemalige Profi-Triathlet jetzt vorzugsweise vom Büro aus

Andreas Niedrig führt stolz durch sein frisch bezogenes Büro. Das liegt im Seitentrakt des Lichthofs der ehemaligen Zeche Ewald-Fortsetzung mitten in Oer-Erkenschwick, einem geschichtsträchtigen Ort. „Mein Opa hat hier die Kohlen aus der Erde geholt, mein Vater hat hier gearbeitet, und eben jetzt ich“, sagt Andreas Niedrig mit Stolz in der Stimme. Zu den Büro-Utensilien gehört eine Webcam, das ist klar. Schon seit dem ersten Lockdown tritt Niedrig vor Schulen, Firmen und Institutionen zunehmend virtuell in Erscheinung. Es sei eine große Umstellung gewesen, nicht mehr direkt vor Menschen aufzutreten und zu sprechen, ihre Reaktionen zu sehen, sagt er. Jedoch ist das Leben ein ständiger, beinahe täglicher Beginn, so sieht er das.

„Am Ende geht es immer um Zufriedenheit“

„Willensschaffer“ steht auf den Flyern, die auf dem Bürotisch ausliegen. Wer will, der kann, das ist sein Credo. „Am Ende geht es immer um Zufriedenheit“, erläutert er: „Glück ist, finde ich, mittlerweile etwas überstrapaziert, das hört sich zu groß an. Aber eine Zufriedenheit mit sich selbst kann jeder erreichen.“ Was auch zu seiner Büro-Ausstattung gehört, sind ein Laufband und eine „Rolle“, also ein fest montiertes Rennrad, auf dem er sich fit hält. Fit ist Andreas Niedrig auch mit 53 Jahren, möglicherweise fitter denn je.

Er wird die Fitness brauchen. Anfang Dezember wird er die Namib-Wüste in Namibia auf dem Mountainbike durchqueren, 370 Kilometer. Das Zeitlimit: 24 Stunden. Man könnte meinen, es ist eine dieser verrückten Ideen, die ihm immer wieder einfallen, so ist es auch. Anfang 2021 will er den Kilimandscharo besteigen, Afrikas höchsten Gipfel. „Ich habe noch ganz viele Sachen im Kopf, die ich erleben will“, sagt er. Als Sportler, der er nach wie vor ist, hat ihm Corona die Saison verhagelt. Damit steht Andreas Niedrig nicht allein, das betrifft wohl alle Radsportler, Läufer, Ruderer, Schwimmer. Dass manche in ein tiefes Loch fallen, da ein Jahr Strapazen umsonst waren, kann er nachvollziehen. „Scheitern, und etwas nicht machen zu dürfen, obwohl man lange darauf hintrainiert hat, ist ja so ähnlich, gehört dazu“, sagt Andreas Niedrig. „Trotzdem bleiben Ziele. Jeder hat Ziele, und zu denen benötigt man einen Plan.“

Bitterer Moment im Oktober 2019

Es sind Sätze, die Andreas Niedrig so oder ähnlich Woche für Woche in seinen Seminaren sagt, vor Schülern wie vor hoch bezahlten Managern. Es sind keine Worthülsen, denn scheitern und sich wieder neu aufstellen, das hat Andreas Niedrig („Ich kenne keine Motivationsprobleme“) schon oft müssen. Zuletzt im Oktober 2019. Bei der Ironman-WM auf Hawaii musste der Oer-Erkenschwicker aufgeben – Hexenschuss. Es war ein bitterer Moment, in seiner Altersklasse hatte sich der damals 52-Jährige einiges ausgerechnet, hatte sein ganzes Jahr auf diesen Wettkampf ausgerichtet. Einen Monat später startete Niedrig beim Ironman-Wettkampf in Mexiko („Die Form war ja da!“), holte den Altersklassensieg und damit erneut die Quali für Hawaii.

Seinen Startplatz will er erst 2022 in Anspruch nehmen. Diese Möglichkeit haben die Veranstalter allen Qualifizierten eingeräumt, nachdem auch Hawaii 2020 in diesem Oktober abgesagt werden musste. Es ist eins der Ziele über Corona hinaus, die bleiben. Der Sportler Andreas Niedrig hat einen Plan und er klingt damit zufrieden. Und mehr, so ist seine Überzeugung, brauche es nicht.

Rubriklistenbild: © Olaf Krimpmann

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