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Feilen noch an Nuancen: (v.li.) Sören Henkel, Andreas Erdtmann und Christian Ifland.

Rudern

Die Wissenschaft ist mit im Boot

WALTROP - Dienstagnachmittag am Datteln-Hamm-Kanal: Drei Tage vor der wichtigen Regatta in Hamburg verkabelt Christian Ifland, Diplom-Sportwissenschaftler vom Olympiastützpunkt NRW/Rhein-Ruhr, den Einer von Sören Henkel. „Mithilfe von komplexen mechanischen, elektronischen und bildgebenden Verfahren können wir physikalische Größen erfassen“, erläutert Christian Ifland.

Zuletzt hat er am 13. Mai die Trainingsleistungen des 17-jährigen Waltropers unter die Lupe genommen. Im Endspurt um die Qualifikation für einen der acht Plätze im Skull-Bereich der Junioren A für die Weltmeisterschaft in Tokio vom 7. bis 11. August ging es nun wieder gemeinsam auf den Kanal.

Sören Henkel saß in dem Einer, Christian Ifland gemeinsam mit Trainer Andreas Erdtmann im Motorboot. Auf einem eingebauten Monitor kann der Athlet auf dem Wasser seine Werte selbst verfolgen. Sein Bestreben: den Ist-Wert möglichst nah an den Soll-Wert heranzubringen. „Das ist schon richtig gut, wenn man dafür nicht immer ’rüberschreien muss“, sagt auch Andreas Erdtmann.

Als WM-Bronzemedaillengewinner von 2018 und Silbermedaillengewinner bei der EM vor zwei Wochen in Essen muss Henkel natürlich nicht das Rudern neu beigebracht werden. Zudem ist er sehr trainingsfleißig, achtet auf seine Ernährung und ist auch sonst diszipliniert.

„Mitglieder des Bundeskaders sind schließlich keine Wald- und Wiesensportler. Sie sind internationale Spitzenathleten. Aber am Ende können Nuancen viel ausmachen. Letztendlich geht es um die Optimierung der gesamten Leistung. Wir reden da im Bereich des Spitzensports von minimalen Details. Aber genau das ist unsere Aufgabe – wirklich das letzte Quäntchen herauszuholen“, sagt Christian Ifland.

Er selbst kommt aus dem Kanusport. „Ich habe meine Jugend hier am Ruderverein Waltrop verbracht und freue mich jetzt, dem Verein mit meiner Arbeit etwas zurückgeben zu können“, erzählt der Dattelner. Alleine am 13. Mai hatten die Sensoren so viele Daten geliefert, dass diese 217 Dateien ergaben. Sportler, Trainer und Wissenschaftler werteten diese dann aus.

Andreas Erdtmann weiß aus Erfahrung, dass es viele Athleten gibt, die ungern derart überwacht rudern. Wie das Messboot-Fahren bei dem Waltroper Abiturienten ankommt? „Ich mache das gerne. Ich finde das Feedback, das ich dann bekomme, sehr gut.“ Wenn Christian Ifland Sportler „erwischt“, die überhaupt nicht mehr auf ihr Gefühl achten, sondern auf dem Wasser nur noch auf den Monitor starren, dann hat er die Möglichkeit, diesen vom Motorboot aus auszuschalten. Diese letzte Messboot-Fahrt vor dem Start in Hamburg hatte letztlich ein Ziel: „Sie soll Sören bestärken, dass er befreit an diese wichtige Aufgabe rangehen und ein gutes Rennen fahren kann“, sagt der Sportwissenschaftler.

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