Abschluss des Film-Festivals im Fußball-Museum

Assauer-Film als „emotionaler Höhepunkt“

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Dortmund - Als bekennender Schalke-Fan sind Aufenthalte in Dortmund für den Schauspieler Peter Lohmeyer natürlich eher pragmatisch geprägt. Der am vergangenen Freitagabend dient ihm dazu, um am Hauptbahnhof in den Zug nach Hamburg umzusteigen. Die ungefähr 20 Minuten Verweildauer nutzt er zu einem Abstecher hinüber auf die andere Straßenseite. „Für Rudi“, so Lohmeyer, „sollte man das machen“.

Peter Lohmeyer ist der Überraschungs-Gast im Deutschen Fußball-Museum, in dem ca. 200 Besucher zum Abschluss des 1. Fußball-Film-Festivals im Revier „Spiel ab, dat Dingen“ auf den Beginn von „Rudi Assauer. Macher.Mensch.Legende“ warten. Bis es „Film ab“ heißt, erinnert sich Lohmeyer an seine früheren Begegnungen mit dem an Alzheimer erkrankten langjährigen Schalke-Manager.

„Er hat das gesagt, was er auch gedacht hat“, imponiert Lohmeyer besonders Assauers Direktheit. Die Sympathie zu Assauer ging für ihn soweit, dass er sich für einen Film, in dem ausgerechnet er einen BVB-Fan spielen musste, das dafür unvermeidbare schwarz-gelbe Trikot mit dem Namen „Assauer“ habe beflocken lassen. Bei einem Kuba-Aufenthalt sei ihm dieses Trikot, wie auch immer, abhanden gekommen. „Da bin ich aber gar nicht böse drüber“, schmunzelt Lohmeyer, „wenn da auf Kuba jetzt jemand mit einem Assauer-Trikot rumläuft. Ich finde: Einen Typen wie Rudi sollte es überall geben.“

Mehr als „nur“ Manager

Dass der von Regisseur Don Schubert gedrehte Assauer-Film am Ende des Festivals läuft, ist kein Zufall. Moderator Knut Hartwig kündigt die Dokumentation als „emotionalen Höhepunkt“ der Reihe an – damit hat er wohl nicht übertrieben. Mehrmals werden Taschentücher gezückt, wenn im letzten Drittel des Films von Assauers Zwillingsschwester Karin über seine Erkrankung gesprochen wird, aber auch schon vorher, wenn beispielsweise an die dramatische 4:38-Minuten-Meisterschaft von 2001 erinnert wird, die noch heute jedem Schalke-Fan die Tränen in die Augen treibt und wegen der Rudi Assauer dann auch ganz offiziell den Glauben an den Fußball-Gott verloren hatte.

Viele langjährige Wegbegleiter von Rudi Assauer kommen in dem nun auch auf DVD erhältlichen Film zu Wort, sowohl aus dem Berufs- als auch aus dem Privatleben. Rainer Calmund, Marcelo Bordon, Jörg Böhme, Tomasz Waldoch, Mike Büskens, Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens, Olaf Thon, Andreas Müller – für sie war Assauer mehr als „nur“ Berufskollege, Chef oder Manager. „Typisch ‚Assauer“ ist irgendwie die Episode, die Gerald Asamoah erzählt: „Als ich bei der WM 2002 in Japan/Südkorea war, konnte ich eine Nacht nicht schlafen. Da hab’ ich einfach mal die Nummer der Schalker Geschäftsstelle gewählt. Assauer war dran. Ich hab‘ ihm gesagt: ,Manager, ich kann nicht schlafen!‘ Erst hat er sich kaputtgelacht. Aber dann hatten wir noch ein ganz tolles Gespräch.“

Drei „Meilensteine“

Gut herausgearbeitet in dem Film sind die drei „Meilensteine“, die Rudi Assauer auf Schalke entscheidend auf den Weg gebracht und beeinflusst hat: Die Rettung der höchst gefährdeten Lizenz im Jahr 1993, der Aufbau der UEFA-Cup-Sieger-Mannschaft von 1997 und der Arena-Bau. Es ist ein Film über Rudi Assauer, es ist (natürlich) also auch ein Film, der allein ihn zum Protagonisten hat und ausspart, dass zum Beispiel am Arena-Bau auch andere Schalker Führungspersönlichkeiten ihren Anteil hatten. Von den Vorstandsmitgliedern, mit denen Rudi Assauer viele Jahre lang zusammen arbeitete, kommt in dem Film jedenfalls niemand zu Wort.

Das mag auch an Assauers Aus auf Schalke liegen – es bleibt trotz aller vielleicht nachvollziehbaren Argumente bezüglich seiner damals schon wirkenden Krankheit ein unwürdiges Ende. „Sie haben ihn gebrochen“, beschreibt Assauers ihn seit Jahren in Herten-Langenbochum pflegende Tochter Bettina Michel das 10:0-Abstimmungsergebnis des Aufsichtsrates gegen Assauer, durch das er im Mai 2006 quasi zum Rücktritt gezwungen wurde.

Die Film-Premiere in der Veltins-Arena am 4. Mai dieses Jahres konnte Rudi Assauer, im Rollstuhl sitzend, noch vor Ort verfolgen. Ein Ausflug nach Dortmund war nicht mehr möglich. „Die Krankheit“, so Bettina Michel, „befindet sich in einem weit, weit fortgeschrittenen Stadium. Zumal jetzt auch die Motorik meines Papas nachlässt.“

Rudi Assauer ist jetzt 74. Der Zug, in dem er sitzt, bietet keine Umsteigemöglichkeit. Und aufhalten lässt er sich schon gar nicht.

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