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Außer sich: Schalke-Trainer Huub Stevens ist sauer auf seine Spieler.

Abstiegskampf

Schalke: Trainer und Mannschaft leiden unter der aktuellen Situation

Nürnberg/Gelsenkirchen - Schalke-Trainer Huub Stevens leidet unter den Leistungen seiner Spieler. Ein großes Schalker Problem ist die Unerfahrenheit, mit der aktuellen Situation nervlich fertig zu werden.

Als Huub Stevens Mitte März als Nachfolger von Domenico Tedesco vorgestellt wurde, versicherte Schalkes Jahrhunderttrainer, dass es ihm gesundheitlich gut gehe. „Sonst hätte ich diese Aufgabe nicht übernommen“, betonte der 65-Jährige, der wegen Herzrhythmusstörungen im Februar 2016 seine Tätigkeit in Hoffenheim aufgegeben hatte.

Nach dem desolaten Schalker Auftritt in Nürnberg muss man Stevens die Daumen drücken, dass ihn seine Mannschaft mit weiteren Gruselvorstellungen wie im Frankenland verschont. Denn der sichtlich angegriffene Coach sieht sich sonst genötigt, wohl bald ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Ich muss meinen Kardiologen anrufen“, hatte er nach dem 1:1 in Nürnberg gesagt – und das schien nicht ironisch gemeint zu sein.

Schalke macht krank

Schalke macht krank – so weit ist es mit dem noch amtierenden Vizemeister gekommen, der es einzig und allein der Schwäche der Konkurrenz zu verdanken hat, nicht noch tiefer in den Abstiegskampf verwickelt zu sein. Es mutete wie ein Treppenwitz der Fußballgeschichte an, dass Schalke trotz des fußballerischen Offenbarungseides der letzten Wochen und Monate gegenüber der Konkurrenz in der Abstiegsregion sogar einen Zähler gut gemacht hat.

Sechs Punkte und das bessere Torverhältnis gegenüber dem Relegationsplatz, auf dem der VfB Stuttgart steht, scheinen fünf Spieltage vor dem Saisonende ein großes Polster zu sein. Indes wird man das Gefühl nicht los, dass selbst dieser Vorsprung von dieser Mannschaft, die keine ist, noch verspielt werden könnte, weil Schalke momentan in allen Belangen wie ein Absteiger agiert. Der Auftritt in Nürnberg war ein klarer Rückfall nach dem leichten Aufwärtstrend.

Angst vor dem Absturz

Deshalb fällt es den Spielern auch immer schwerer, eine Enttäuschung nach der anderen zu kommentieren. „Wir trainieren unter der Woche gut. Aber wir müssen das auch am Wochenende zeigen. Wir haben jetzt nur ein Ziel: Wir müssen in der Bundesliga bleiben. Ich weiß, dass ich mich oft wiederhole. Aber es ist so,“ sagte Benjamin Stambouli, der als Führungsspieler seiner Mannschaft in Nürnberg nicht helfen konnte, weil er selbst eine Unzahl eigener Fehler produzierte. Ein großes Schalker Problem ist die Unerfahrenheit, mit der aktuellen Situation nervlich fertig zu werden. Ständig reden die Spieler davon, dass Schalke doch ein „großer Verein“ sei. Doch die sportliche Wirklichkeit ist eine ganz andere. Je weniger Erfolgserlebnisse, desto größer die Unsicherheit. Längst geht die Angst um, noch enger mit dem Abstiegskampf in Berührung zu kommen.

Das ist auch Jochen Schneider bewusst. „Die Nerven spielen eine Rolle, die Angst etwas zu verlieren“, weiß der Schalker Sportvorstand, der mit dem VfB Stuttgart zweimal in verantwortlicher Position Abstiegskampf pur erlebte. Der 48-Jährige macht sich keine Illusionen: „Die Mannschaft ist den Druck im Tabellenkeller nicht gewohnt. Es wird nicht einfacher, aber wir dürfen uns jetzt nicht runterziehen lassen, sondern müssen gegen Hoffenheim eine andere Leistung und Einstellung zeigen“.

Dass Schneider noch keinen Sportdirektor und Kaderplaner verpflichtet hat, spielt für ihn in der aktuellen Situation überhaupt keine Rolle. „Ob wir am 13. April, 23. April oder 2. Mai einen Sportdirektor verpflichten, ändert an unserer Lage nichts“, betonte das Vorstandsmitglied.

Schneider bleibt ruhig

Dass auf Schalke alles etwas intensiver und emotionaler diskutiert wird, bereitet dem Funktionär keine Sorgen: „Je unruhiger das Umfeld ist, desto ruhiger werde ich.“ Schalkes Fans sind mittlerweile jedoch in Alarmbereitschaft. Die „Außer Nübel könnt ihr alle gehn“-Rufe lieferten einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte, wenn die Spieler nicht zu Grundtugenden wie Kampf und Einsatzbereitschaft zurückfinden.

„Unsere Leistung war einfach schlecht. Wenn wir uns jetzt nicht zusammenreißen, holen wir nicht mehr viele Punkte“, warnte Guido Burgstaller, der durch seine Körpersprache auf dem Platz verriet, dass er den Ernst der Lage erkannt hat. Dies lässt sich jedoch nicht von allen Schalker Spielern sagen.

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