Adolf Urban beigesetzt

Heimkehr nach 70 Jahren

GELSENKIRCHEN - Für wenige Minuten wird es auf der Schalker Jahreshauptversammlung mucksmäuschenstill. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erzählt eine Geschichte, die vielen der anwesenden 8700 Mitglieder in der Veltins-Arena zu Tränen rührt. Es geht um einen früheren Schalker, der Vereinsgeschichte geschrieben hat, aber nur 29 Jahre alt wird: Adolf („Ala“) Urban.

„Am 27. Mai war ich am späten Nachmittag allein im Büro, als das Telefon klingelte“, erzählt Tönnies, dessen Stimme immer wieder stockt, wenn er sich an dieses Gespräch erinnert. Am anderen Ende der Leitung ist der 89-jährige Schalke-Fan Karl Brockmann, der sich bitter darüber beklagt, dass Schalke für den früheren Meisterspieler Adolf („Ala“) Urban noch nie eine Gedenkminute eingelegt hat. Er habe auf seine entsprechenden Anträge in den Jahren 2001 und 2006 noch nicht einmal eine Antwort erhalten. Tönnies: „Als ich das gehört habe, habe ich mich fremdgeschämt.“ Denn Urban ist nicht irgendein Schalker Spieler. Er gehört zu den besten deutschen Spielern in den 30er und 40 Jahren. Zwischen 1935 und 1942 trägt er 21 Mal das Nationaltrikot und schießt dabei elf Tore. Die Gegner fürchten besonders seine Schrägschüsse, „die rissen fast das Tordach ab“, wie ein Zeitgenosse urteilt.

Urban gewinnt mit den Königsblauen fünf deutsche Meisterschaften. Doch der Zweite Weltkrieg zerstört sein Leben. Das Infanterie-Regiment 422, dem er angehört, ist an der Ostfront in die Kämpfe um Demjansk verwickelt. Brockmann steht neben Urban, als ihn der Tod ereilt.

Anfang der 50er Jahre erhält die Redaktion des Schalker Kreisels einen Brief eines Fußballfreundes, der über die letzten Stunden von „Ala“ Urban berichtet und originalgetreu in einer Ausgabe des Schalker Vereinsorgans abgedruckt wird: „Als Soldat war ich Sanitäter im Ortslazarett Alexino. Eines Mittags kam ein Sanitäter und brachte ihren lieben Adolf Urban. Alles war im Laufen um ihn, denn Urban war doch bekannt als Linksaußen der Schalker. Er hatte eine Kopfverletzung und einen Lungenschuss. Noch am selben Tage wurde er operiert. Danach wurde ein Blutspender gesucht. Aber alle Bemühungen reichten nicht aus, um sein Leben zu retten. Am nächsten Tag ist Adolf Urban gestorben.“ Er findet in der Kriegsgräberstätte Korpowo die letzte Ruhestätte.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Tönnies, bewegt vom Schicksal Urbans und durch Karl Brockmann sensibilisiert, setzt sich mit Finanzchef Peter Peters und Aufsichtsratsmitglied Rolf Rojek ins Flugzeug, um einen Kranz am Grab von Urban niederzulegen und die Möglichkeit zu prüfen, die sterblichen Überreste des Meisterspielers nach Gelsenkirchen zu überführen.

Erfolgreich: 70 Jahre nach seinem Tod wird „Ala“ Urban bald auf dem Schalker Feld, dem „vereinseigenen“ Friedhof, seine wirklich letzte Ruhe finden.

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