0:0 in Augsburg

Schalker Stillstand unter Di Matteo

  • vonFrank Leszinski
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Gelsenkirchen - Kürzlich gewährte Jens Keller der „Mallorca-Zeitung“ einen Einblick in sein Seelenleben. Der vom FC Schalke 04 im Oktober 2014 gefeuerte Trainer wies auch darauf hin, dass seine Bilanz bei den Königsblauen gar nicht so schlecht gewesen sei. „Zeitweise war ich sogar der beste Schalke-Trainer, was die Punkteausbeute betrifft. Und seit meiner Entlassung ist sie auch nicht so viel höher als mit mir“, sagte der 44-Jährige.

Wo er Recht hat, hat er Recht. Nach dem 0:0 in Augsburg kann die Mission seines Nachfolgers Roberto Di Matteo schon nach dem 27. Spieltag als gescheitert eingestuft werden. Denn das Saisonziel, die Qualifikation für die Champions League, die Keller von der Klubspitze nicht mehr zugetraut wurde, wird der 44-Jährige wohl verpassen. Schalke muss sich sogar noch Sorgen machen, dass die Saison mit einem Desaster endet könnte. Denn der Vorsprung zu den Mitkonkurrenten um einen Europa-League-Platz stellt beileibe kein Ruhekissen dar. 1899 Hoffenheim ist als Tabellensiebter gerade drei Punkte entfernt.

Königsgraues Mittelmaß

Das liegt daran, dass die Königsblauen in der Rückrunde lediglich königsgraues Mittelmaß repräsentieren. Nur 13 Punkte holte Schalke in den zehn bisher absolvierten Spielen. Wie dramatisch dieser Abwärtstrend einzuschätzen ist, zeigt schon der Vergleich zu Borussia Mönchengladbach. Nach 17 Spieltagen waren beide Mannschaften noch punktgleich, jetzt liegt Schalke mit zehn Zählern hinter den Borussen zurück. Kein Wunder, dass Spieler und Offizielle weder Lust haben, sich mit der Tabellensituation öffentlich auseinanderzusetzen noch gar Rechenspiele zu beginnen, wie die Königsklasse noch zu erreichen sei. „Es bringt jetzt nichts, zu rechnen. Wir müssen schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen“, forderte Manager Horst Heldt die ausschließliche Konzentration auf die eigenen Aufgaben.

In Augsburg gelang es Schalke wieder einmal nicht, wie eine Spitzenmannschaft aufzutreten. Es gab zwar einige Möglichkeiten, um zum Torerfolg zu kommen, aber diese wurden wieder einmal nicht genutzt. Vor allem die Ladehemmung von Huntelaar und Choupo-Moting wird mehr und mehr zum Problem. Beide Stürmer haben im Jahr 2015 noch kein Bundesligator für die Königsblauen erzielt. Huntelaar, sonst ein Meister der Effizienz, vergab die große Möglichkeit zum Schalker Sieg recht kläglich, als er FCA-Torhüter Hitz den Ball in aussichtsreicher Position in die Arme schoss.

Huntelaar und Choupo-Moting laufen ihrer Form hinterher

„Natürlich musst du solche Situationen ausnutzen. Wenn du das nicht machst, gehst du nicht als Sieger vom Platz,“ nahm Heldt den Torjäger in die Pflicht. Der rackert und kämpft zwar vorbildlich, doch seine Torflaute hält nun schon in der Bundesliga seit 918 Minuten an.

Auch Sturmpartner Choupo-Moting ist weit von seiner Form der Hinrunde entfernt. Vor allem in der ersten Halbzeit tauchte der 25-jährige auf dem Spielfeld unter. Dass ausgerechnet Leon Goretzka bei seinem Startelfdebüt nach langer Verletzungspause schon früh wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden musste, passte ins triste Bild. Heute wird sich Goretzka einer Kernspinuntersuchung unterziehen.

Die Hoffnungen, dass Di Matteo in der Winterpause den Kader so in Schuss bringt, dass nach 34 Spieltagen wieder die Qualifikation für die Königsklasse steht, sind längst verflogen. Deshalb muss auch Schalke-Boss Tönnies umdenken, der es vor dem 27. Spieltag noch abgelehnt hatte, sich mit der Europa League zu beschäftigen. Es geht für Königsblau nur noch darum, Platz fünf oder sechs zu verteidigen, alles andere hat keinen Realitätsbezug. Ob das auf Schalke jeder begriffen hat?

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