Chef-Suche

Wer ist bei Schalke der Boss auf dem Platz?

Gelsenkirchen - Schalke fehlen offensichtlich Spieler, die in turbulenten Phasen die Übersicht behalten, Kommandos geben, den Rhythmus bestimmen – der Trainer alleine kann von außen nicht auf alles Einfluss nehmen.

Eine Stunde lang lief alles wie geplant, dann brach die Schalker Welt zusammen. Bei der 0:3-Niederlage in Frankfurt war das erste Gegentor durch Luka Jovic der Anfang vom Ende. Überhaupt konnte Schalke vom Pokalspiel in Köln abgesehen in dieser Saison noch kein Spiel nach einem Rückstand „umbiegen“. In der vergangenen Saison galten die „Königsblauen“ als „Mentalitäts-Monster“, die gern mal das Unmögliche noch möglich machten – wie beim 4:4 bei Borussia Dortmund nach 0:4-Rückstand.

Auffällig: Schalke fehlen offensichtlich Spieler, die in turbulenten Phasen die Übersicht behalten, Kommandos geben, den Rhythmus bestimmen – der Trainer alleine kann von außen nicht auf alles Einfluss nehmen. Spieler mit Qualitäten, die allgemein von einem „Chef“ auf dem Platz gefordert werden. „Typen“, die die Dinge, wenn es haarig wird, wie ein verlängerter Arm des Trainers vor Ort regeln. Aber hat Schalke überhaupt so einen „Chef“?

Wer ist hier der Boss oder: Schalkes schwierige Chef-Suche – fünf Beispiele:

Ralf Fährmann: Als Kapitän eine logische Führungspersönlichkeit – als Torwart ist er vom zentralen Geschehen aber zu weit weg, um in schweren Zeiten auf dem Platz die ordnende Hand sein zu können.

Naldo:

Als Abwehrchef war er in der vergangenen Saison die Schalker Führungsfigur, sein bestes Argument war seine eigene Leistung. Naldo verpasste keine Pflichtspiel-Minute, er bestimmte, was auf dem Platz passierte. Mittlerweile ist der 36-Jährige „austauschbar“ geworden, sitzt im Rotations-Modell von Trainer Domenico Tedesco häufiger auf der Bank. In den letzten drei Pflichtspielen kam er nicht mehr zum Einsatz. Von der Ersatzbank aus kann Naldo kein Chef sein.

Salif Sané:

Im Gegensatz zu Naldo war er bislang „unrotierbar“. Spielt Schalke mit einer Dreierkette, ist Sané dort zwar die zentrale Figur – aber insgesamt ist der Senegalese auch aufgrund seiner schwierigen Startphase noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um anderen helfen zu können. In Frankfurt ging er mit unter.

Sebastian Rudy:

Vom Status her (Top-Neuzugang vom FC Bayern, Nationalspieler) wäre die Chef-Rolle für den Mittelfeldspieler quasi wie auf den Leib geschneidert – wenn Rudy häufiger spielen würde. Dass Rudy nun gegen die Rotation „aufmuckte“, ist zumindest ein Zeichen dafür, dass er sich mit einer Mitläufer-Rolle nicht zufrieden geben will.

Nabil Bentaleb:

Fußballerischer Feingeist, für eine Chef-Rolle aber in seinen Leistungen viel zu schwankend. Ein überzeugendes „Ärmel-Aufkrempeln“ ist anderen Spielern mehr in die Wiege gelegt worden.

Auch auf Schalke gibt es davon einige, zur Chef-Rolle bedarf es aber noch mehr. Die Frage bleibt also offen: Wer ist hier der Boss? Schaden könnte ein solcher Spieler Schalke aktuell nicht.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen (dpa)

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