Ex-Schalker im Interview

Christian Pander weiß, wie man die Bayern schlägt

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Gelsenkirchen - Schalke im Keller – der nächste Gegner ist ausgerechnet einer, gegen den seit acht Jahren kein Liga-Sieg mehr gelang. Christian Pander weiß, wie man die Bayern schlägt – er war im Dezember 2010 dabei.

Die Ausgangsposition lässt keinen Interpretationsspielraum. Wenn am vierten Bundesliga-Spieltag der FC Schalke 04 den FC Bayern München empfängt (Sa. 18.30 Uhr/Sky), sind die Gäste nicht zum ersten Mal klarer Favorit. Während die Königsblauen noch punktlos sind, haben die Bayern als einziger Bundesliga-Klub die Maximalausbeute erreicht.

„Wir werden sie nicht mit schlotternden Knien empfangen“, hat Schalke-Manager Christian Heidel versprochen. Allerdings ist der letzte Schalker Liga-Sieg gegen die Bayern schon etwas länger her. Am 4. Dezember 2010 gab es einen 2:0-Erfolg. Mit dabei war Christian Pander – der gebürtige Münsteraner, der von 2001 bis 2011 für die Blau-Weißen spielte, weiß also wie es geht, die Bayern zu bezwingen.

Hatten Sie damals schon das Gefühl, die Partie war entschieden, als Sie eingewechselt wurden?

„Sicher kann man sich bei den Bayern nie sein. Aber wenn man 13 Minuten vor Schluss mit 2:0 führt, bin ich zumindest mit einem guten Gefühl in die Partie reingegangen.“

Waren Spiele gegen die Bayern für Sie etwas Besonderes?

„Auf jeden Fall. Nicht nur im Schalke-Trikot, sondern auch später bei Hannover 96. Gegen die beste Mannschaft Deutschlands, die die Bayern in den vergangenen Jahrzehnten waren, ist jeder Gegner besonders motiviert.“

Hat die Schalker Mannschaft nach dem Sieg die Partie besonders gefeiert?

„Nein. Damals war Felix Magath unser Trainer. Da wurde wenig gefeiert, aber viel trainiert.“ (lacht)

Also war einen Tag später Training?

„Zumindest für die Reservisten und diejenigen Spieler, die nicht so lange zum Einsatz kamen wie ich. Nach meiner Erinnerung hatte ich gerade erst wieder eine Verletzung überwunden und war froh, ein paar Minuten zum Einsatz zu kommen.“

Nach diesem Sieg konnten die Königsblauen gegen die Bayern nicht mehr dreifach in der Bundesliga punkten. Nur im DFB-Pokal gelang es Schalke einmal, den Münchnern ein Schnippchen zu schlagen. Am 2. März 2011 setzten sich die Königsblauen mit 1:0 durch ein Tor von Raul im Halbfinale bei den Bayern durch.

Wie muss man auftreten, um gegen die Bayern eine Chance zu haben?

„Vor allem muss man mutig spielen. Das heißt nicht, dass man 90 Minuten versucht, den Bayern spielerisch und läuferisch Paroli zu bieten. Das hält keine Mannschaft durch, weil die Bayern zu große individuelle Qualität in ihrem Kader haben. Es kommt darauf an, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Man muss immer wieder Nadelstiche setzen.“

„Erwartungshaltung ist realistischer geworden“

Das gelang Schalke im bisherigen Saisonverlauf nicht. Im Gegenteil, in Wolfsburg und in Mönchengladbach musste die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco immer frühen Rückständen hinterherlaufen.

Hat Sie der schwache Schalker Saisonstart überrascht?

„Schon ein wenig. Die letzte Saison war ja erfolgreich. Schalke hat zwar nicht so attraktiven Fußball gespielt, aber letztlich zählt einzig und allein die Punktausbeute.“

Kommt Schalke zurück in die Erfolgsspur?

„Davon gehe ich aus. Die Saison hat ja gerade erst begonnen. Und was ich so mitbekomme, ist die Erwartungshaltung im Umfeld des Vereins nicht mehr so groß wie früher, sondern realistischer geworden. Wenn wir damals Vizemeister geworden wären, hätte es geheißen: In der nächsten Saison müssen sie Meister werden.“

Mehr Realismus statt großer Euphorie – tut das Schalke gut?

„Schalke wird immer Schalke bleiben. Aber es ist wichtig, sich realistische Ziele zu setzen. Mit Christian Heidel hat Schalke einen sehr guten Manager, der den Verein in der Öffentlichkeit gut repräsentiert.“

Hatten Sie mal Kontakt mit Herrn Heidel?

„Ja. Einmal, als er noch Manager von Mainz 05 war. Er wollte mich dorthin holen. Es hat dann nicht geklappt, aber ich habe sofort einen sehr guten Eindruck von ihm gewonnen.“

Den wollen die Schalker auch am Samstagabend hinterlassen. Sollte es indessen die vierte Schlappe in Folge geben, hätte Königsblau schon so viele Heimniederlagen wie in der gesamten Vorsaison kassiert.

Wie wird Leon Goretzka empfangen?

„Er muss mit Pfiffen rechnen. Aber ich würde mir wünschen, dass die Schalker Fans ein Stück weit mehr die Spieler verstehen, wenn diese sich entscheiden, etwas anderes machen zu wollen.“

Was tippen Sie?

„Ich erhoffe mir ein 2:2.“

Ende des Jahres 2016 haben Sie Ihre Karriere beendet. Was machen Sie heute?

„Ich habe mich noch nicht genau festgelegt. Momentan absolviere ich ein Fernstudium im Sportmanagement-Bereich am IST-Institut in Düsseldorf. Außerdem mache ich den Trainerschein.“

Kicken Sie auch noch ab und zu?

„Ich habe Olaf Thon für die Schalker Traditionsmannschaft fest zugesagt. Aber ich werde erst anfangen, wenn ich regelmäßig dort spielen kann. Bisher war das aus Zeitgründen nicht möglich. Aber es wird wohl nicht mehr lange dauern.“

Wie geht es Ihnen gesundheitlich, nachdem Sie so oft von schweren Verletzungen ausgebremst wurden?

„Es geht. Sagen wir mal so: Ich stehe morgens nicht freudestrahlend auf.“

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