Vor Gladbach

Demonstrative Gelassenheit auf Schalke

GELSENKIRCHEN - Nach zwei Niederlagen ist Schalke beim West-Duell in Gladbach gefordert. Trainer Domenico Tedesco ist vor dem Hammer-Programm mit sieben Spielen in drei Wochen schon als Krisenmanager gefragt und will an den richtigen Stellschrauben drehen.

Demonstrative Gelassenheit oder begründetes Selbstbewusstsein? Nach zwei Niederlagen zum Saisonstart wächst der Druck auf den FC Schalke 04 vor dem Westduell bei Borussia Mönchengladbach. Doch Schalkes Trainer Domenico Tedesco scheint die knifflige Lage zum Auftakt der englischen Wochen mit sieben Spielen binnen 21 Tagen fast schon zu genießen. "Natürlich hätten wir die ersten zwei Spiele gerne gewonnen. Es ist eine spannende Situation, irgendwie geil", sagte Tedesco am Freitag. "Jetzt können wir an den richtigen Stellschrauben drehen, um wieder die Mannschaft zu werden wie im Vorjahr. Dass wir wieder eklig sind."

Der 33 Jahre alte Coach könnte erstmals in seiner Amtszeit drei Bundesliga-Pleiten hintereinander kassieren. Dennoch bleibt er positiv: "Für mich ist das auch eine neue Situation. Wir reden nichts schön, verlieren aber nicht die Ruhe." Allerdings sehnen alle angesichts des Hammerprogramms mit dem Champions-League-Auftakt gegen den FC Porto am Dienstag und dem folgenden Heimspiel gegen Bayern München ein Erfolgserlebnis herbei.

Balance und Sicherheit

"Wichtig ist, die richtige Balance zu finden und Sicherheit zu gewinnen. Und wir wollen mutig spielen", sagte Tedesco vor dem Spiel am Samstag (18.00 Uhr/Sky) im Borussia-Park. Zurück in der Elf nach seiner Rotsperre ist Matija Nastasic. Er soll der Abwehr wieder mehr Stabilität verleihen.

Tedesco weiß, dass sich der Kredit der Vorsaison, als er den Revierclub zur Vizemeisterschaft führte, irgendwann aufbrauchen könnte. "Ich bin nicht der Blauäugige, der sagt: Ich bin vergangene Saison mit Schalke in die Champions League gekommen, jetzt möchte ich die Lorbeeren der vergangenen Spielzeit einsammeln und endlos Kredit haben", sagte der Coach unlängst im "Sport Bild"-Interview.

Vertrauen ist riesig

Doch das Vertrauen in den Trainer ist riesig. Die Situation sei mit der vor zwei Jahren, als Schalke mit Markus Weinzierl sogar mit fünf Bundesliga-Pleiten startete, "überhaupt nicht vergleichbar", betonte Sportvorstand Christian Heidel. "Damals war alles neu: der Trainer, der Manager, die Spieler. Jetzt sind wir eine gewachsene Einheit. Es muss sich keiner Gedanken machen, dass hier irgendjemand unruhig wird. Wir werden alles daransetzen, dass wir wieder Tore schießen und Spiele gewinnen."

Laut Kapitän Ralf Fährmann besitze man dank Tedesco das Rüstzeug, mit Rückschlägen umzugehen. "Das Fundament, das wir in der vergangenen Saison gelegt haben, gibt uns die Sicherheit, jetzt cool zu bleiben", sagte der Torhüter im Interview der Funke-Mediengruppe. Tedesco habe dem Team eine "gewisse DNA" gegeben.

Viel Druck von außen

Gladbachs Trainer Dieter Hecking, dessen Team mit vier Punkten gut in die Saison kam, lässt sich von Schalkes schwachen Auftritten in Wolfsburg (1:2) und gegen Hertha (0:2) nicht blenden. "Vor außen wird viel Druck auf die Mannschaft aufgebaut. Aber es wäre fatal, Schalke lediglich an den ersten beiden Bundesligaspielen zu messen", mahnte er. Schließlich sei der Gegner vom Kader her noch ein Stück besser aufgestellt als die Borussia. "Und Domenico Tedesco wird seine Mannschaft total akribisch auf uns vorbereiten und wird alles versuchen, diesen kleinen negativen Trend zu revidieren", sagte Hecking, in dessen Team Neuzugang Alassane Pléa wohl sein Startelfdebüt für den angeschlagenen Raffael feiern dürfte.

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