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Schiedsrichter Harm Osmers zeigt Herthas Jordan Torunarigha (r) die gelb-rote Karte.

Vorfall im Pokalspiel gegen Berlin

Rassismus-Eklat auf Schalke - jetzt meldet sich Jordan Torunarigha zu Wort

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Nach dem Rassismus-Eklat im Pokal-Achtelfinale auf Schalke ist die Empörung in der Bundesliga groß. Für Jordan Torunarigha gibt es Rückendeckung. DFB und Polizei ermitteln in der Sache.

  • Ein Rassismus-Eklat hat das Pokal-Achtelfinale zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC überschattet. 
  • Der Berliner Jordan Torunarigha wurde in der Verlängerung vom Platz gestellt. 
  • Zuvor war der Deutsch-Nigerianer von einzelnen Fans offenbar vor der Südkurve beleidigt worden.


Update, 7.2., 11.30 Uhr:

Jordan Torunarigha von Fußball-Bundesligist Hertha BSC leitet nach den Rassismus-Vorwürfen gegen Zuschauer im Pokalspiel beim FC Schalke 04 rechtliche Schritte ein. Der Spieler stelle "mit Unterstützung des Vereins Strafanzeige gegen Unbekannt", teilte der Berliner Club am Freitag auf Anfrage mit und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. 

Update, 7.2., 8.45 Uhr:

Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Markus Merk ist gegen eine Sperre für Hertha-Profi Jordan Torunarigha nach dessen Gelb-Roter Karte im DFB-Pokalspiel beim FC Schalke 04. 

"Wir wissen jetzt, was dieser Spieler während der Partie durchmachen musste. Das ist gravierend", sagte Merk dem Portal  t-online.de. "Als Mensch sage ich: Es wäre eine große Geste, Torunarigha nun nicht für das nächste Pokalspiel zu sperren."

Update, 6.2., 18.30 Uhr: 

Knapp zwei Tage nach dem Eklat in Gelsenkirchen hat sich Hertha-Profi Jordan Torunarigha mit deutlichen Worten gegen Diskriminierung zu Wort gemeldet. Er könne Äußerungen "von einigen Idioten" nicht verstehen, schrieb der frühere Junioren-Nationalspieler in einem emotionalen Statement bei Instagram. "Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!"

DFB, Polizei und Schalke 04 sind dabei, Bild und Videoaufnahmen zu sichten und auszuwerten. Hertha BSC teilte mit, der Vorfall habe sich in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve im Bereich von Block S5 ereignet. 

Viele Fußballkollegen solidarisieren sich unterdessen mit dem 22-Jährigen. "Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism", schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt. "#F%** Racism I am with you my man" (Ich bin bei dir), teilte Kevin-Prince Boateng mit.


Update, 6.2., 13.30 Uhr:

Nach dem Rassismus-Vorwurf beim Achtelfinale des DFB-Pokals zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC ermittelt jetzt die Polizei Gelsenkirchen.

"Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Im Pokal-Achtelfinale am Dienstag soll der Berliner Jordan Torunarigha laut Aussagen der Gäste mehrfach rassistisch beleidigt worden sein.

Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung, sagte der Polizeisprecher. Was während des Spiels konkret vorgefallen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege der Polizei nicht vor. Zuvor hatte auch der DFB-Kontrollausschuss eine Untersuchung eingeleitet.

Der Integrationsbotschafter des DFB, der ehemalige HSV-ProfiJimmy Hartwig, äußerte sich zu den Vorfällen auf Facebook und bringt die Kritik auf den Punkt. Er erwartet, dass sich die schweigende Mehrheit gegen einzelne Fans, die rassistische Äußerungen tätigen, erhebt: 

Auch Schalke-Legende Gerald Asamoah zeigt sich angesichts der Vorfälle während des Pokalspiels gegen Berlin tief berührt:

Update, 5.2., 12.30 Uhr: 

Das Ergebnis des Achtelfinalspiels tritt immer mehr in den Hintergrund angesichts der Rassismus-Vorwürfe gegen vereinzelte Fans in der Gelsenkirchener Arena. Doch was hätte in der Situation auf dem Platz geholfen? Für Jan Schultz, Journalist von onefootball.com, gibt es nur eine Konsequenz: Spielabbruch. "Die Partie in Gelsenkirchen hat jedenfalls einmal mehr gezeigt, dass es mit der momentanen, auf dem Rasen viel zu laschen Handhabe von rassistischen Vorfällen nicht weitergehen kann", schreibt er in einem Kommentar auf der Seite.

Schalke: Für David Wagner wären auch Spielabbrüche möglich 

Auch für David Wagner wäre ein solcher Schritt durchaus machbar: "Am Ende müssten beide Mannschaften, beide Offizielle und der Schiedsrichter das mitbekommen. Und wenn wir dann sagen, wir kicken nicht weiter, dann kicken wir nicht weiter. Da hätte ich überhaupt kein Problem damit. Aber das musst du 'während' mitbekommen und nicht 'danach'. Danach kannst du dich nur dafür entschuldigen."

Wagner konnte direkt nach dem Spiel nicht mehr mit dem Berliner Abwehrspieler Kontakt aufnehmen: „Ich habe mit dem Jungen nicht selber gesprochen, er war schon im Bus. Aber ich habe für mich, beziehungsweise stellvertretend für Schalke 04 dafür gesorgt, dass er weiß, dass wir uns dafür entschuldigen möchten“, berichtete Wagner: „Das geht nicht, das bauchen wir nicht, das wollen wir nicht.“

Update, 5.2., 11.05 Uhr: 

Der FC Schalke 04 hat mittlerweile auf seiner Homepage eine Stellungnahme des Vorstands veröffentlicht und reagiert darin auf die Rassismus-Vorwürfe der Hertha: "Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen", heißt es unter anderem. Und der FC Schalke 04 schreibt weiter: "Ein solches Verhalten verstößt nicht nur gegen Stadionordnung, Leitbild und Satzung des FC Schalke 04, sondern widerspricht auch all unseren Werten."

Schalke 04 schaltet Polizei und Sicherheitsdienst ein

Gemeinsam mit der Polizei Gelsenkirchen, dem Sicherheitsdienst in der Arena sowie "internen Quellen" werde man den Fall intensiv prüfen und zur Anzeige bringen. 

Die Polizei hatte auch vor dem Spiel in Gelsenkirchen einiges zu tun. 

So haben wir bisher berichtet:

Gelsenkirchen - Herthas Abwehrspieler Jordan Torunarigha ist beim Pokal-Aus der Berliner am Dienstagabend (4.2.) beim FC Schalke 04 nach Angaben von Trainer Jürgen Klinsmann von Zuschauern rassistisch beleidigt worden. "Mehrfach" sei es dazu gekommen, sagte Klinsmann nach der 2:3-Niederlage seines Teams nach Verlängerung. Man habe die Schiedsrichter auch sofort darauf hingewiesen. "Der Junge ist beleidigt worden und war aufgepusht", erläuterte Klinsmann. 

Hilflose Geste: Auch Schalke-Trainer David Wagner verstand im DFB-Pokal-Achtelfinale die Welt nicht mehr. Sein Team nutzte die Chancen nicht und wurde eiskalt von Hertha BSC Berlin ausgekontert.

"Da braucht man dann Fingerspitzengefühl und muss ihm nicht später in der Situation noch die zweiten Gelbe Karte geben." Hertha-Kapitän Niklas Stark ergänzte, die Rufe von den Rängen seien "unmenschlich und in jeglicher Form abstoßend" gewesen.

Stark hat sich nach den Rassismus-Vorwürfen rund um das Pokalspiel beim FC Schalke 04 für ein Signal des deutschen Fußballs ausgesprochen. "Wenn ich mich da auch nur ein bisschen hineinversetze, kommt mir schon alles hoch und ihn trifft es noch viel mehr", sagte Nationalspieler Stark. 

"Sowas geht gar nicht, das würde zumindest auch teilweise erklären, was da noch passiert ist. Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen! Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist kein Verhalten."

Nach Ausraster vom Platz gestellt

Der in Chemnitz geborene Torunarigha war in der Verlängerung (102. Minute) von Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover nach einem Zweikampf mit Omar Mascarell mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden. Zuvor war er auch noch unabsichtlich mit Schalkes Trainer David Wagner zusammengestoßen und hatte einen Getränkekasten zu Boden geworfen. Nachdem Wagner dem Hertha-Profi nach eigener Aussage aufhelfen wollte, sah dieser von Osmers nach Videobeweis die Rote Karte und musste den Innenraum verlassen.

Wagner entschuldigt sich bei Spieler und Mannschaft

"Ich habe null Erklärung für die Rote Karte", sagte Wagner in der Pressekonferenz, als er nach den Gründen für seinen Ausschluss gefragt wurde. 

"Der Schiedsrichter hat mir erklärt, dass ich den Spieler am Nacken gepackt habe. Aber ich wollte nur dafür sorgen, dass er die Balance wiederfindet."

Darüber hinaus entschuldigte sich Wagner im Namen des FC Schalke bei den Berlinern und dem dunkelhäutigen Abwehrspieler mit nigerianischen Wurzeln, sollte dieser rassistisch beleidigt worden sein. Wenn so was aufkommt, "ist da in der Regel auch was dran", sagte Wagner. "Da bin ich ganz bei Jürgen. So etwas gehört sich nicht. Dafür möchte ich mich im Namen von Schalke 04 bei Hertha und dem Jungen entschuldigen."

Anteilnahme auch von anderen Fußballern und Fans

Am Tag nach dem Pokalspiel reagierten zahlreiche Fans und Fußballkollegen aus der Bundesliga auf die Rassismus-Vorwürfe der Berliner: So äußerte sich der ehemalige Schalke-Spieler und TV-Trainer Hans Sarpei auf seinem Twitter-Account: 

Aber auch Schalke-Fans appellierten an die Verantwortlichen im Verein und beim DFB, die Sache aufzuklären: 

tob/dpa

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