Interview

Top-Talent Weston McKennie über seine erste Profisaison auf Schalke

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GELSENKIRCHEN - Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland ist die Nachwuchsförderung in Deutschland zu einem großen Thema geworden. Einer, der schon mit 18 Jahren den Sprung in die Bundesliga geschafft hat, ist der Schalker Weston McKennie. Im Interview mit dieser Zeitung verrät der US-Boy, auf was es ankommt, um sich im Profibereich durchzusetzen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 20. Mai 2017?

McKennie: Das war ein besonderer Tag für mich, mein Bundesligadebüt in Ingolstadt. Ich bekam die Info, dass ich zum Profikader gehören würde und konnte das zunächst gar nicht glauben. Dann rief ich sofort meine Familie in den USA an, weil ich so aufgeregt war. Sie haben sich natürlich mit mir gefreut.

Überhaupt nicht. Ich war völlig perplex, als ich nach 77 Minuten eingewechselt wurde. Es stand 1:1, Benjamin Stambouli hatte die Rote Karte gesehen. Ich hatte eigentlich mit der Einwechslung von Klaas-Jan Huntelaar gerechnet. Aber es kam anders, und ich war voller Adrenalin. Nach den ersten Ballkontakten legte sich dann meine Nervosität.

War alles gut. Ich konnte ruhig schlafen und war glücklich über meine ersten Bundesligaminuten.

Auf keinen Fall. Ich bin vor jedem Spiel etwas aufgeregt, egal, ob es sich um Spiele in der Bundesliga, im Pokal oder bald in der Champions League handelt. Ich denke, dass muss aber auch so sein, sonst würde jedem Profisportler etwas fehlen.

Das könnte auch für mich zutreffen. Die anderen Vereine werden mich jetzt mehr auf der Rechnung haben. Sie wissen jetzt, was ich kann. Aber ich mache mich nicht verrückt und werde weiterhin hart arbeiten.

Ich wünsche mir, dass ich so viele Einsatzzeiten wie möglich bekomme und vielleicht auch mal ein Tor für Schalke in der Bundesliga schieße. Das ist mir bisher leider noch nicht gelungen.

Wir sprechen viel. Er gibt mir ständig Tipps und sagt mir, was ich noch besser machen kann. Auch zu A-Jugendtrainer Norbert Elgert besteht noch Kontakt. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Ich hoffe, dass Domenico Tedesco und Norbert Elgert mit meiner Entwicklung zufrieden sind.

Zweimal. Einmal gegen Hamburg und dann beim legendären 4:4 in Dortmund. Nach dem 0:4-Rückstand waren sie sehr niedergeschlagen, doch als uns noch der Ausgleich in letzter Minute durch Naldo gelang, waren auch sie aus dem Häuschen. Das war ein Erlebnis, an das ich mich sehr gerne erinnere, auch wenn ich damals früh ausgewechselt wurde. Aber aufgrund des sensationellen Spielverlaufs kann ich das locker verschmerzen.

Er hat erkannt, wie sehr ich den Wechsel wollte und wie viel ich dafür geopfert habe. Als er gesehen hat, wie ich mich hier entwickelt habe, war er einverstanden mit meiner Entscheidung. Mein Vater gehört nicht zu den Eltern, die ihre Kinder zu etwas zwingen. Er will nur das Beste für mich und daher war es ihm wichtig, dass ich alle Optionen abwäge, bevor ich meine endgültige Entscheidung treffe.

(lächelnd) Ich bin eine Frohnatur. Es braucht schon sehr viel, um mich wirklich wütend zu machen. Wenn mich etwas auf die Palme bringt, dann vielleicht Personen, die schlecht über mich und meine Familie sprechen, auf dem Platz, wenn die gegnerischen Spieler ständig hart foulen.

Hatten Sie mit Ihrem Einsatz gerechnet? Und danach? Sind Bundesligaspiele mittlerweile Routine für Sie? Oft gilt der Satz, dass das zweite Profijahr für junge Spieler besonders schwierig wird. Um was zu erreichen? Wie beurteilt Trainer Domenico Tedesco Ihre Entwicklung? Haben Ihre Eltern Sie auch schon einmal live in der Bundesliga spielen sehen? Dabei war Ihr Vater sehr skeptisch, als Sie zu Schalke wechselten. Sie machen immer einen fröhlichen und gut gelaunten Eindruck. Können Sie auch böse werden?

Kann Schalke den tollen Erfolg der Vorsaison wiederholen?

Für uns geht es darum, unsere Entwicklung weiter voranzutreiben. In unserer Mannschaft steckt sehr viel Potenzial. Was mich betrifft, so habe ich in meinem ersten Profi-Jahr viel gelernt. Vor allem Nabil Bentaleb und Leon Goretzka haben mir wertvolle Ratschläge gegeben. Solche Tipps sind gerade für junge Spieler sehr wichtig.

Auf ihrer Position im defensiven Mittelfeld herrscht enormer Konkurrenzkampf. Haben Sie davor keine Angst?

Nein. Das war ja auch schon in der vergangenen Saison so. Der Trainer hat viele Alternativen. Die sind auch nötig, weil wir uns für die Champions League qualifiziert haben.

Ich bin noch jung und mache keine Ansagen. Ich höre zu, was die Führungsspieler zu sagen haben und versuche, es auf dem Feld dann umzusetzen. Aber wenn ich eine Idee habe, bin ich auch nicht der schüchterne Typ und behalte sie für mich, sondern schlage sie vor.

Machen Sie als junger Spieler in der Kabine auch schon mal den Mund auf?

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