Michael Langer im Interview

Weltenbummler in neuer Rolle

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Gelsenkirchen - Welcher Schalker Spieler aus dem aktuellen Kader hat bei acht Vereinen aus fünf Ländern gespielt und war 2007 Deutscher Meister? Selbst Fußballkennern dürfte die Antwort nicht auf der Zunge liegen. Es ist Michael Langer, Schalkes Torhüter Nummer drei. Der 33-jährige ist ein Weltenbummler, der unter anderem in Bregenz, Freiburg, Frankfurt, Oslo, Tampa Bay und Norrköping gespielt hat.

Ist es nicht frustrierend für Sie, sich immer nur bereitzuhalten, aber nie zu spielen?

Nein, überhaupt nicht, denn es war klar und offen so kommuniziert, als ich 2017 zum FC Schalke 04 gewechselt bin. Wir haben bei den Torhütern eine klare Hierarchie. Ralf Fährmann ist die Nummer eins, dann kommt Alexander Nübel, danach ich. Schalke wollte noch einen erfahrenen Torhüter holen, der vom Leistungsvermögen her und auch charakterlich gut zur Gruppe passt.

Aber wären Sie nicht lieber zu einem Klub gewechselt, bei dem Einsätze möglich sind?

Für mich war etwas anderes entscheidend. Ich wollte mich noch einmal mit den Besten im Tor messen. Das kann ich auf Schalke Tag für Tag im Training. Ralf gehört für mich zu den stärksten Torhütern in Deutschland. Das hat er in der vergangenen Saison erneut bewiesen. Wie er sich jeden Tag auf das Training akribisch vorbereitet, das ist sehr beeindruckend. Und Alex ist ein großes Talent, dem ich zutraue, dass er ein sehr guter Bundesligatorwart wird.

Dann sind Sie jetzt mehr Impulsgeber als Konkurrent für Fährmann und Nübel?

Meine Rolle hat sich verändert. Vor Schalke war ich in Norrköping die Nummer eins, die sich Woche für Woche auf das nächste Spiel vorbereitet hat. Jetzt gebe ich natürlich auch in jedem Training Vollgas, versuche dabei gleichzeitig, Ralf und Alex positiv zu pushen und zu fordern, gebe Ratschläge und diskutiere mit Ihnen darüber, was gut und was schlecht war.

Hat ein positives Klima in der Torwartgruppe Einfluss auf die Leistungen?

Davon bin ich überzeugt. Wenn mal einer einen Fehler macht und es wird hinter dem Rücken schlecht über ihn gesprochen, dann ist das nicht gut. Ein partnerschaftliches Miteinander sorgt für bessere Leistungen.

Bringt Nübel die Geduld mit, auf seine Chance zu warten?

Das ist sehr wichtig. Aus meiner Sicht wird das Ungeduldige oft von außen hineinprojiziert. Alex ist auf einem sehr guten Weg, Geduld ist dabei eine wichtige Qualität für einen Torhüter.

Sie haben schon viel von der Fußball-Welt gesehen.

Die vergangenen Jahre waren sehr lehrreich für mich. Mit dem Wechsel zu Schalke wollte ich mehr Kontinuität in mein Leben bringen. Ich habe eine zweijährige Tochter, die soll nicht jedes Jahr umziehen. Außerdem hat der Verein Schalke 04 eine große Kraft – mit dem Stadion, den Fans, dem Kader.

Bereuen Sie eine Entscheidung in Ihrer Karriere?

Nein. Ich habe so viele interessante Menschen und Sichtweisen kennengelernt. Jedes Land, ob Schweden, die USA oder Norwegen, hat seine Eigenarten. Und auch die unterschiedlichen Trainingsmethoden sind sehr lehrreich gewesen.

Haben Sie ein Beispiel?

Ich hatte in Sandhausen eine sehr schwere Zeit. Für mich fühlte es sich so an, als sei ich in einer Sackgasse. Dann kam über Nacht das Angebot von Valerenga Oslo. Innerhalb weniger Stunden habe ich entschieden: Das mache ich!

Und dann?

Kommst Du in ein fremdes Land, beherrschst die Sprache nicht und auch die Spielweise ist eine andere, denn es wird meistens mit langen Flanken und Einwürfen operiert. Dann musst Du deine Denkweise umstellen. Das war extrem spannend für mich. Ich bin so gestrickt, dass ich immer noch dazulernen will.

Sie haben mal ein Probetraining bei Manchester United absolviert.

Manchesters Torwarttrainer Eric Steele hatte mich in Deutschland beobachtet. Es war ein Riesenerlebnis für mich, das großen Spaß gemacht hat.

Fühlen Sie sich eigentlich als Deutscher Meister? Sie haben für den VfB Stuttgart 2007 nur ein Spiel gemacht.

Absolut. Damals ist ein großer Teamspirit entstanden. Mir wurde diese Begegnung ja auch nicht geschenkt. Ich kam in einer wichtigen Partie zum Einsatz, am 25. Spieltag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg beim 0:0. Auch deshalb habe ich mich natürlich voll zur Meistermannschaft dazugehörig gefühlt. Lang ist es her …

Warum ist Schalke so schwach gestartet?

Das ärgert uns sehr. Wir versuchen, noch härter zu arbeiten. Viele Gegner sind gegen uns noch motivierter, weil wir zuletzt so erfolgreich waren. Hinzu kommt, dass es einige Zeit dauert, bis unsere Neuzugänge komplett integriert sind. Ich hoffe, dass wir den Bock bald umstoßen werden. Erfolgserlebnisse würden diesen Prozess sicherlich beschleunigen.

Wann hängen Sie die Handschuhe an den Nagel?

An mein Karriereende denke ich noch nicht. Im Fußball kann man zwar leider selten langfristig planen, aber ich möchte schon noch einige Jahre spielen. Mit den jungen Spielern kann ich im Kraftraum jedenfalls noch gut mithalten. (lacht)

Rubriklistenbild: © Kevin Kurek (dpa)

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